Menü
Start
Anmelden / Registrieren
Suche
 
Start arrow Pädagogik arrow Wirtschaft im Politikunterricht
< Zurück   INHALT   Weiter >

3.2.2 Die homo-oeconomicus-Kritik

Ablehnungen seitens der Kritiker gegenüber dem Modell des homo oeconomicus sind unterschiedlich gelagert: Erstens wird das Modell aufgrund seiner Verhaltensannahmen an sich abgelehnt, da es „in generalisierter Form in der Realität nicht vorzukommen“ scheint (Jung 2008, S. 47). Zweitens stellt die Anwendung des Modells eine Gefahr dar, als normatives Leitbild in der ökonomischen Bildung übernommen zu werden (ebd.). Hierbei darf hinterfragt werden, ob der Einsatz des homo oeconomicus möglicherweise Schülerinnen und Schüler dahingehend beeinflusst, in Bezug auf solche Verhaltensannahmen zu resignieren bzw. eigenes egoistisches Verhalten zu legitimieren (Loerwald/Zoerner 2007, S. 3). Dieser Kritik ist folgendermaßen zu begegnen:

Zu 1.: Sowohl der homo oeconomicus als auch andere Modelle sozialwissenschaftlicher Menschenbilder fungieren in ihrer Modelleigenschaft darin, ein Abbild zur Veranschaulichung darzustellen – dem Anspruch der Realität gerecht zu werden, kann und soll kein Modell eines Menschenbildes gerecht werden, Modelle weisen Stärken und Schwächen auf. [1]

Zu 2.: „Der Homo oeconomicus ist nicht das Bildungsziel der ökonomischen Bildung. Vielmehr ist die Modellannahme nützlich, um über diesen Idealtypus gewisse Regelmäßigkeiten im Wirtschaftsleben nachzuvollziehen, Probleme zu analysieren, in denen eigennütziges Verhalten unbeabsichtigt die Entstehung von Dilemmata bedingt, und um wirtschaftspolitische Empfehlungen in ihren Wirkungen zu prognostizieren.“ (Schlösser 2008, S. 160) Trotzdem ist das Abgleiten des homo oeconomicus in die Erklärbarkeit sämtlicher Alltagsphänomene, sowohl für Politikals auch für Wirtschaftsunterricht, kritisch zu überprüfen. MAYNTZ bringt eine solche Gefahr auf den Punkt:

„Wenn jedwedes menschliches Handeln nachträglich als Ausdruck rationalen Entscheidens interpretiert wird, sodass im Extremfall der Opfertod für andere ebenso wie hasserfülltes Morden als Ergebnis kalkulierender Alternativenwahl zwecks Nutzenmaximierung erscheinen, dann haben wir es nicht mehr mit einer empirischen Theorie zu tun.“ (Mayntz 2009, S. 71)

Jedoch dürfen solche Extreme nicht darüber hinwegtäuschen, dass der heuristische Wert des homo oeconomicus aufgrund seiner stark vereinfachten Modellannahmen schlüssige Aussagen liefern kann (Mayntz 2009, S. 71f.).

Zusammenfassend eröffnet der homo oeconomicus als Modell eine ökonomische Perspektive, mit welcher menschliches Handeln erklärt werden soll. „Der ‚homo oeconomicus' ist […] kein realistisches, alle Faktoren menschlichen Verhaltens abdeckendes Menschenbild, sondern ein Analysekonstrukt.“ (Kaiser/Kaminski 1999, S. 42) Auch liefert der homo oeconomicus beste Ergebnisse bei nüchternen bis unmoralischen Verhaltensweisen von Akteuren und stellt die Frage nach dem Handeln mit konkreten Aussagen in den Mittelpunkt. Um auf solche Fragen im Unterricht geeignete Antworten finden zu können, sind einfache Modelle notwendig, die aus verschiedenen Perspektiven richtige Antworten liefern können. Dabei hinterfragt die ökonomische Perspektive im Menschenbild des homo oeconomicus, „warum sich so der Mensch verhalten will, wie er sich verhält“ (Weise 1989, S. 154).

Kritiken an abstrahierenden Modellen, die die Komplexität des menschlichen Verhaltens abzubilden versuchen, fallen allein aus dem Versuch heraus schon leicht. Ein solches Modell, einschließlich seiner Stärken und Schwächen, bietet hierbei immer eine breite Angriffsfläche. Jedoch sind konstruktive Modellkritiken im Rahmen der Anwendung im Unterricht sogar didaktisch sinnvoll und unumgänglich. Sowohl der verantwortungsvolle Politikals auch Wirtschaftslehrer macht den Einsatz eines Modells als solches kenntlich. Er stellt den Charakter des Modells dar, begründet dessen Einsatz und Notwendigkeit und verweist auf Stärken und Schwächen sowie gegebenenfalls auf alternative bzw. konkurrierende Modelle. Diese Prämissen gelten hierbei nicht nur für umstrittene/kontroverse Modelle, sondern sind grundsätzlich bei Gebrauch von Modellen im Unterricht zu berücksichtigen.

  • [1] „Einem solchen Verständnis zufolge ist der homo oeconomicus eine Heuristik, also eine Strategie zum Auffinden von Erklärungsund Lösungsansätzen zur Entschärfung von (gesellschaftlichen) Problemen.“ (Loerwald/Zoerner 2007, S. 2)
 
Fehler gefunden? Bitte markieren Sie das Wort und drücken Sie die Umschalttaste + Eingabetaste  
< Zurück   INHALT   Weiter >
 
Fachgebiet
Betriebswirtschaft & Management
Erziehungswissenschaft & Sprachen
Geographie
Informatik
Kultur
Lebensmittelwissenschaft & Ernährung
Marketing
Maschinenbau
Medien und Kommunikationswissenschaft
Medizin
Ökonomik
Pädagogik
Philosophie
Politikwissenschaft
Psychologie
Rechtswissenschaft
Sozialwissenschaften
Statistik
Finanzen
Umweltwissenschaften