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3.3.2.3 Analyse politischer Situationen und eigener Interessenlage des Schülers

Im Grundanliegen des dritten Elements des BEUTELSBACHER KONSENSES geht es darum, „die Schülerinnen und Schüler durch Vermittlung operationaler Fähigkeiten in die Lage zu versetzen, ihre eigene Interessenlage zu erkennen und für diese einzutreten“ (Schiele 2008, S. 70). In der politischen Bildung lässt sich diese Forderung mit anderen Worten auf das Unterrichtsprinzip der emanzipatorischen Schülerorientierung (Klee 2007, S. 115) übertragen und damit, „Lernende zur Selbstreflexion und Selbsterkenntnis ihrer eigenen Lebenssituationen zu befähigen“ (Klee 2007, S. 116). Schülerorientierung, verstanden als emanzipatorischer Prozess, zielt in der politischen Bildung auf „Mündigkeit, Autonomie, Selbstbestimmung, Partizipation und Demokratisierung“ der Lernenden ab (Klee 2007, S. 115). In diesem Sinne, und auch darüber hinaus, stellt Schülerorientierung kein Proprium der politischen Bildung dar. Sie ist als Unterrichtsprinzip, welches die individuelle soziale Lebens-/Alltagswelt der Schüler berücksichtigt, auf alle Unterrichtsfächer zu übertragen (Klafki 2007, S. 166). KLAFKI kennzeichnet das Prinzip der Schülerorientierung zum „Gegenpol“ von wissenschaftsorientiertem Unterricht. Schülerorientierter Unterricht trägt in diesem Sinne dazu bei, die für den Unterricht aus wissenschaftsorientierter Sicht notwendig erachteten inhaltlichen Aspekte für den Schüler, mit Bezug auf seine Lebens-/Alltagswelt, sowohl erfahrbar als auch motivierbar zu machen (ebd.). Im Gegenzug dazu wird Schülerorientierung durch Wissenschaftsorientierung dann in ihre Grenzen verwiesen, wenn gegenwärtige Interessenlagen der Schülerinnen und Schüler die Gefahr in sich bergen, als Modeerscheinung oder durch ungünstige soziale Konstellationen der Schülerinnen und Schüler, diese vom eigentlichen Erkenntnisobjekt abzuhalten (Klafki 2007, S. 166f.). In diesem Kontext bietet Schülerorientierung die Gewähr, „die lebensgeschichtlich und damit immer auch gesellschaftlich bedingten, subjektiven Horizontbegrenzungen aufzuklären und aufzulockern und Anregungen zur Horizonterweiterung zu geben“ (Klafki 2007, S. 167).

Folglich ist Schülerorientierung als emanzipatorischer Prozess sowohl auf die ökonomische Bildung übertragbar als auch als Bestandteil dieser zu sehen. Dass Schülerorientierung als Unterrichtsprinzip in der ökonomischen Bildung fest verankert ist, zeigt sich nicht nur an ausdrücklichen Bekenntnissen, sondern auch an der Implementierung im didaktischen Gefüge der ökonomischen Bildung, indem sie die Schülerinnen und Schüler unter Berücksichtigung ihrer Lebenswelt als mündige Wirtschaftsbürger in das didaktische Zentrum ihrer Bemühungen stellt und die sich daraus abzuleitenden Kompetenzen als Hauptzielstellung der ökonomischen Bildung formuliert. Dieser Tatbestand wurde bereits mehrfach in dieser Schrift herausgearbeitet. Daher genügt es, an dieser Stelle darauf zu verweisen, zumal sich im Hinblick auf die dritte Forderung des BEUTELSBACHER KONSENSES offensichtlich keine in der Literatur geführte Kritik verzeichnen lässt. Die dritte Forderung (Analyse politischer Situationen und eigener Interessenlage des Schülers), welche historisch bedingt auf die politische Bildung „maßgeschneidert“ wurde, bedarf hinsichtlich einer Anwendbarkeit auf ökonomischen bzw. sozialwissenschaftlichen Gebiet lediglich einer formalen semantischen Korrektur:

Analyse gesellschaftlicher Situationen und eigener Interessenlage des Schülers! -

Politik und Wirtschaft sind gesellschaftliche Teilbereiche (Deichmann 2004,

S. 87). Eine diesbezügliche Öffnung ist nach heutigem Verständnis von politischer Bildung der Erweiterung des Politikbegriffs im Sinne der Kompetenzmodelle (z.B. GPJE 2004) und der damit verbundenen Einbeziehung von tangierenden Problemen geschuldet. Die Einbeziehung ökonomischer Aspekte ist damit automatisch gegeben. Von Seiten der ökonomischen Bildung spricht in diesem Zusammenhang nichts dagegen.

 
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