Verfügung von Todes wegen für Paare ohne Trauschein

Notwendigkeit einer Verfügung von Todes wegen bei Paaren ohne Trauschein

Wie kann der Lebenspartner Vorsorge für den Erbfall treffen?

Zur wirtschaftlichen Absicherung im Todesfall ist zwingend eine letztwillige Verfügung zugunsten des Partners notwendig. Anders als Ehegatten können Paare ohne Trauschein aber kein gemeinschaftliches Testament errichten. Vorsorge kann nur in Form von Einzeltestamenten oder durch einen Erbvertrag getroffen werden.

Inhalt einer Verfügung von Todes wegen bei Paaren ohne Trauschein

Welchen Inhalt sollte eine letztwillige Verfügung zugunsten des Lebenspartners haben?

■ Größtmögliche Absicherung des Lebenspartners bietet die Einsetzung als Alleinerbe. Hat der Testierende Kinder (z. B. aus

1. Ehe) oder ist er (noch) verheiratet, so können diese Personen ihren Pflichtteil einfordern, da sie enterbt sind.

Pflichtteilsforderungen sind sofort mit dem Erbfall in bar fällig und führen nicht selten zu erheblichen finanziellen Engpässen beim Erben. Häufig wird auch übersehen, dass die Eltern eines kinderlosen Erblassers vom allein erbenden Lebenspartner 50 % des Nachlasses als Pflichtteil verlangen können. Schutz gegen die Pflichtteilshaftung bietet lediglich ein notarieller Pflichtteilsverzicht gegen Zahlung einer Abfindung.

Zuwendungen mit einer Anrechnungsbestimmung oder Pflichtteilsstrafklauseln im Testament können die Pflichtteilslast reduzieren.

■ Der Erblasser kann als Alternative zur Erbeinsetzung dem Lebenspartner durch ein Vermächtnis einen Vermögensvorteil einräumen. Während der Erbe unmittelbar am gesamten Vermögen des Verstorbenen beteiligt ist, hat der Vermächtnisnehmer nur einen schuldrechtlichen Anspruch auf Erfüllung der im Testament oder im Erbvertrag bezeichneten Zuwendung. Ein weiterer Unterschied zur Einsetzung als Erbe ist, dass der Vermächtnisnehmer keine Verpflichtungen zu tragen hat. Er muss deshalb nicht für die Schulden des Verstorbenen auf kommen. Gegenstand eines Vermächtnisses kann jeder Vermögensvorteil sein. So kann ein Lebenspartner als Erblasser festlegen, dass dem anderen Lebenspartner als Vermächtnisnehmer bestimmte bewegliche oder unbewegliche Sachen zu übereignen sind, eine bestimmte Geldsumme aus dem Nachlass zu zahlen ist, eine Forderung zu übertragen ist, Schulden erlassen werden oder ein bestimmtes Nutzungsrecht eingeräumt wird. Sollen nur die Kinder des testierenden Lebenspartners Erben werden, kann der überlebende Partner mittels Vermächtnis durch ein Wohnrecht, ein Nießbrauchsrecht oder eine Leibrente abgesichert werden.

Welche Formulierung kann für eine testamentarische Einsetzung des Lebenspartners als Alleinerbe verwendet werden?

Muster „Testament eines Paares ohne Trauschein mit gemeinsamem Kind: Lebenspartner wird Alleinerbe; Kinder erhalten Vermächtnisse"

Testament

1. Ich,......, geboren am......, derzeit wohnhaft in......, setze meine

Lebensgefährtin,......, geboren am......, derzeit wohnhaft in......,

zu meiner alleinigen Vollerbin ein.

Ersatzerbe ist mein Sohn......, geboren am......, derzeit wohnhaft

in......

  • 2. Mein Sohn erhält vermächtnisweise
  • a) einen Geldbetrag von.....EUR;
  • b) meinen Pkw, Marke.....;
  • c) ein lebenslanges Wohnrecht an meiner Ferienwohnung in......
  • d) Für obige Vermächtnisse bestimme ich ausdrücklich keinen

Ersatzvermächtnisnehmer.

Ort, Datum

Vorname, Familienname

Welche Formulierung kann für eine testamentarische Einsetzung des Lebenspartners als Vermächtnisnehmer verwendet werden?

Muster „Einzeltestamente von Lebenspartnern ohne Trauschein mit Kind: Kind wird Erbe; Lebenspartner erhält Vermächtnisse"

Testament

1. Ich (Lebenspartner),......, geboren am......, derzeit wohnhaft

in......, setze meinen Sohn......, geboren am......, derzeit

wohnhaft in......, als Alleinerben ein.

Zu Ersatzerben bestimme ich dessen Abkömmlinge nach den Regeln der gesetzlichen Erbfolgeordnung, wiederum ersatzweise soll meine Lebensgefährtin......, geboren am......, derzeit wohnhaft in......,

Erbin werden.

  • 2. Meine Lebensgefährtin erhält folgende Vermächtnisse:
    • a) Ein lebenslanges Wohnrecht nach § 1093 BGB an meinem

Einfamilienhaus in......

b) den gesamten Hausrat und das Inventar des

Einfamilienwohnhauses in....., einschließlich des Pkws und aller

persönlichen Gegenstände.

c) ein Geldvermächtnis in Höhe von......EUR.

d) Für obige Vermächtnisse bestimme ich ausdrücklich keinen Ersatzvermächtnisnehmer.

Ort, Datum

Vorname, Familienname

Testament

1. Ich (Lebenspartnerin),......, geboren am......, derzeit wohnhaft

in......, setze meinen Sohn......, geboren am......, derzeit

wohnhaft in......, als Alleinerben ein.

Zu meinem Ersatzerben bestimme ich dessen Abkömmlinge nach den Regeln der gesetzlichen Erbfolgeordnung, wiederum ersatzweise meinen Lebensgefährten......, geboren am......, derzeit wohnhaft

in......

  • 2. Meinem Lebensgefährten wende ich folgende Vermächtnisse zu:
    • a) Ein lebenslanges Wohnrecht an meiner Ferienimmobilie in......
    • b) mein gesamtes Aktiendepot bei der Bank......
    • c) sämtliche Bücher, Schallplatten und CDs, die sich bei meinem Ableben in meinem Eigentum befinden.
    • d) Für obige Vermächtnisse bestimme ich ausdrücklich keinen Ersatzvermächtnisnehmer.

Ort, Datum Vorname, Familienname

Soll der Lebenspartner neben Kindern als Miterbe eingesetzt werden?

Wird der Partner gemeinsam mit Kindern als Miterbe eingesetzt, ist seine

Handlungsfreiheit bei der Verwaltung oder Verwertung des Nachlasses stark eingeschränkt. Häufig entsteht innerhalb der Erbengemeinschaft Streit; dies kann bei Nachlassimmobilien zur Teilungsversteigerung führen. Der Lebenspartner sollte deshalb - soweit möglich - nicht neben Kindern erben, sondern anders abgesichert werden.

Welche Erbschaftsteuer trifft den erbenden Lebenspartner?

Der Partner ohne Trauschein unterliegt im Schenkungs- und Erbfall einer extrem hohen Steuerlast. Während Eheleute und Kinder hohe Freibeträge in Anspruch nehmen können und zudem ein sehr niedriger Steuersatz gilt, fallen nichteheliche Lebenspartner in die schlechteste Steuerklasse III und können zudem nur einen Freibetrag von 20.000 EUR für einen Zeitraum von insgesamt 10 Jahren in Anspruch nehmen.

Expertentipp

Es bestehen relativ wenige Möglichkeiten diese extrem hohe Steuerbelastung im Schenkungs- und Erbfall bei Partnern ohne Trauschein zu reduzieren. Es sollte deshalb sehr gut überlegt werden, ob das Paar nicht doch heiratet und ungewünschte Folgen der Eheschließung durch einen klug gestalteten Ehevertrag geregelt werden.

 
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