Das Testament bei Patchwork-Familien

Was versteht man unter einer „Patchwork"

Familie?

Von einer so genannten „Patchwork“-Familie spricht man, wenn ein -verheiratetes oder unverheiratetes - Paar Kinder aus früheren Beziehungen hat. Diese Familienform birgt erhebliche erbrechtliche Risiken, die noch verschärft werden, wenn das Ehepaar oder das Paar ohne Trauschein gemeinsame Kinder hat.

Notwendigkeit eines Testaments bei Patchwork- Familien

Wie ist die gesetzliche Erbfolge bei Ehepaaren mit Kindern aus früheren Beziehungen?

Personen, die aus einer durch Tod oder Scheidung beendeten früheren Ehe Kinder haben und in zweiter oder dritter Ehe verheiratet sind, werden im Falle einer gesetzlichen Erbfolge vom länger lebenden Ehegatten und den leiblichen Kindern beerbt. Die Höhe der gesetzlichen Erbquote des Wittwers beziehungsweise der Witwe hängt vom ehelichen Güterstand und teilweise von der Zahl der Kinder des Erblassers ab. Die Stiefkinder des Verstorbenen werden nur dann gesetzliche Erben, wenn sie vom Erblasser adoptiert worden sind.

Erbengemeinschaften, die aus Stiefeltern und Stiefkindern bestehen, sind außerordentlich streitbelastet, da das Versorgungsinteresse des länger lebenden Ehegatten regelmäßig im Widerspruch steht zum Wunsch der leiblichen Kinder am Nachlass des verstorbenen Vaters beziehungsweise der verstorbenen Mutter teilzuhaben.

Patchwork-Familien mit verheirateten Partnern

Welche testamentarischen Gestaltungsmöglichkeiten haben Ehepaare mit Kindern aus früheren Beziehungen

Die Probleme der gesetzlichen Erbfolge können bei einer „Patchwork“-Familie nur durch eine Verfügung von Todes wegen gelöst werden. Hierbei bieten sich zwei grundsätzliche Gestaltungsmöglichkeiten an:

■ Der Ehegatte wird als Vorerbe und die leiblichen Kinder werden als Nacherben eingesetzt.

■ Die leiblichen Kinder werden Erben und der Ehegatte wird durch Vermächtnisse abgesichert.

Einsetzung des Ehegatten als Vorerben und der Kinder als Nacherben

Welchen Vorteil bietet die Anordnung einer Vor-und Nacherbschaft?

Will der Erblasser seinen Ehepartner für den Erbfall versorgen, gleichzeitig aber sicherstellen, dass sein Nachlass im zweiten Erbfall an seine leiblichen Kinder fällt, kann er dies durch die Anordnung einer Vor- und Nacherbschaft erreichen. Vorteil dieser Gestaltung ist, dass die Vorerbschaft in der Person des länger lebenden Ehegatten ein Sondervermögen darstellt, mit der Folge, dass die leiblichen Kinder des Vorerben bei dessen Ableben aus diesem Sondervermögen weder Erb-noch Pflichtteilsrechte geltend machen können. Die Anordnung einer Vor-und Nacherbschaft ist damit ein probates Mittel, sicherzustellen, dass die Stiefkinder des Erblassers nicht auf dessen Nachlass zugreifen können.

Welche Formulierung kann für ein Testament bei „Patchwork"-Familien verwendet werden, wenn der Ehegatte Vorerbe werden soll?

Muster „Testament bei Patchwork-Familien: Der Ehegatte wird Vorerbe und die eigenen Kinder werden Nacherben"

Testament

Ich,......, geboren am......, derzeit wohnhaft in......, erkläre, dass

ich nicht durch ein bindend gewordenes gemeinschaftliches Ehegattentestament oder einen Erbvertrag an der Errichtung dieses Testamentes gehindert bin.

1. Meine Ehefrau,......, geboren am......, derzeit wohnhaft in......,

setze ich als alleinige und von allen gesetzlichen Beschränkungen befreite Vorerbin ein.

2. Nacherbin ist meine Tochter......, geboren am......, derzeit

wohnhaft in......Wenn die Nacherbin wegfällt, zum Beispiel durch

Tod oder Ausschlagung, sind Ersatznacherben ihre Abkömmlinge.

Der Nacherbfall tritt mit dem Tod der Vorerbin ein.

3. Wenn meine Ehefrau wegfällt, zum Beispiel durch Tod vor mir, ist Ersatzerbe meine Tochter. Wiederum ersatzweise sind deren Abkömmlinge Ersatzerben.

Ort, Datum

Vorname, Familienname

 
Quelle
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