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4.3.1 Die Neue Politische Ökonomie

Die Neue Politische Ökonomie (oder Public Choice) untersucht das Verhalten der verschiedenen am politischen Prozess beteiligten Akteure im Rahmen von gegebenen Institutionen, wodurch sich Erkenntnisse bezüglich der Gestaltung von solchen im Prozess der staatlichen Willensbildung gewinnen lassen (Rosen/Windisch 1997, S. 184). Dabei ergeben sich Handlungsanweisungen, die bis hin zu Reformierungen auf der Verfassungsebene reichen. [1] In diesem Zusammenhang bedient sich die Neue Politische Ökonomie der mikroökonomischen Anwendung des Rational Choice. Rational Choice wird hiernach zu Public Choice, indem die Theorie der individuellen Wahlhandlungen aus ihrem ursprünglichen Bereich der Ökonomie auf das Feld der Politik, bzw. das Spektrum kollektiver Entscheidungen übertragen wird (Kirsch 2004, S. 4). [2] Politik ist in diesem Sinne als ein Prozess anzusehen, bei dem die Individuen ihre eigenen privaten Ziele im kollektiven Austausch verfolgen müssen (Buchanan 1987, S. 246). „Hier bewegen sich die Handelnden im Rahmen institutioneller Regeln, in dem jeder durch die Aktionen des jeweils anderen Beschränkungen unterworfen wird.“ (Brennan/Buchanan 1985/93, S. 21) Die Inhalte der Neuen Politischen Ökonomie (Public Choice) sind per se interdisziplinär (politikwissenschaftlich und ökonomisch) ausgeprägt. Die Anwendung und Übertragung ihrer Lehren auf Aspekte der politischen Bildung sind selbsterklärend und erfordern lediglich eine didaktische Aufbereitung. In diesem Zusammenhang werden die für den Politikunterricht als nutzenbringend eingestuften Schwerpunkte der Neuen Politischen Ökonomie aufgegriffen und für die Lernprozesse in der politischen Bildung unterrichtspraktisch exemplifiziert.

Wird der Begriff „Ökonomische Theorie(n) der Politik“ nicht als Synonym zur Neuen Politischen Ökonomie verwendet, sind weitere theoretische Felder sich gegenseitig bedingender Forschungsrichtungen der Politischen Ökonomie innerhalb von Public Choice zu identifizieren (Dehling/Schubert 2011, S. 12). Mit Blick auf einen didaktischen Nutzen für die politische Bildung werden in diesem Zusammenhang folgende ökonomische Theorien der Politik im Rahmen der Neuen Politischen Ökonomie behandelt: Die ökonomische Theorie der Demokratie, Die ökonomische Theorie der Verfassung, Die Logik des kollektiven Handels. Die Ergebnisse finden sich abschließend in einem Konstrukt unterstellter Verhaltensannahmen der wichtigsten am politischen Prozess beteiligten Akteure wieder.

  • [1] Analysen auf diesem Gebiet sind Schwerpunkte der Verfassungsökonomik, ein aus Public Choice in den fünfziger Jahren, maßgeblich von BUCHANAN, hervorgegangenes Forschungsprogramm (Feldmann 1995, S. 53f.)
  • [2] Abgrenzung der Neuen Politischen Ökonomie gegenüber der (klassischen) Politischen Ökonomie

    und der marxistischen Politökonomie als Kritik der Politischen Ökonomie: Während der Begriff der Politischen Ökonomie auf die „Lehre von der Wirtschaftsund Haushaltspolitik des griechischen Staates“ in der Antike zurückzuführen ist, legten Ökonomen wie beispielsweise SMITH und RICARDO diese im 18. Jahrhundert als wirtschaftsliberale und unpolitische Wissenschaft aus, die sich „mit den Entstehungsgründen, der Verteilung und der Verwendung des Wohlstands der Nationen befasst“ (Woll 2008, S. 257f.). Darüber hinaus verkörpert der Begriff Politische Ökonomie weitere Modelle ökonomischer Theorien der Politik. Im Rahmen der Übertragung wirtschaftswissenschaftlicher Annahmen auf Felder der Politik werden hierbei verschiedene Schwerpunkte gesetzt. Hingegen führt MARX mit seiner Kritik an der klassischen Politischen Ökonomie eine Politökonomie ins Feld, welche als sozialkritische Analyse gesellschaftliche Missstände aufdecken und überwinden will. Diese Motivation, aus welcher die Staatsdoktrin der sozialistischen Länder entwickelt wurde, ist weder in der (klassischen) Politischen Ökonomie noch in der Neuen Politischen Ökonomie verborgen (Woll 2008, S. 258)

 
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