Der Alleinerbe

Rechte und Pflichten des Alleinerben

Welche Rechte und Pflichten hat der Erbe zu beachten?

Der Erbe tritt mit dem Tod des Verstorbenen in dessen Rechtsstellung ein und muss sich deshalb mit seinen Rechten und Pflichten als Erbe bald möglichst vertraut machen. Der Erbe übernimmt das Vermögen, die bestehenden Verträge und Schulden des Erblassers; er hat für die Beerdigung und die Grabpflege aufzukommen. Er muss etwaige Pflichtteils- und Vermächtnisansprüche erfüllen und ist auch dem Finanzamt gegenüber verantwortlich.

Welche Maßnahmen sind nach dem Todesfall einzuleiten?

Siehe dazu Seite 181.

Was muss der Erbe für eine Annahme oder Ausschlagung der Erbschaft tun?

Siehe dazu Seite 190.

Wann muss der Erbe Maßnahmen zur Ermittlung und Sicherung des Nachlasses ergreifen?

Siehe dazu Seite 193.

Wie kann der Erbe sein Erbrecht gerichtlich feststellen lassen?

Siehe dazu Seite 196.

Wie geht der Besitz an Erbschaftsgegenständen

auf den Erben über?

Unter Besitz versteht das Gesetz die tatsächliche Gewalt einer Person über eine Sache (§ 854 BGB). Mit dem Tode des Erblassers verliert dieser die tatsächliche Gewalt über solche Gegenstände, die sich bis zum Tod in seinem Besitz befanden. Oft ist der Erbe nicht unmittelbar zugegen, sondern möglicherweise viele hundert Kilometer von den Nachlasssachen entfernt. Er kann dann nicht sofort die tatsächliche Gewalt über die Sachen ausüben.

Um den Erben jedoch nicht schutzlos zu stellen, ordnet § 857 BGB an, dass auch der Besitz des Erblassers auf den Erben übergeht. Der Erbe tritt damit in die gleiche Besitzposition ein, die der Erblasser innehatte. Hatte dieser unmittelbaren Besitz an einer Sache, wie beispielsweise an seiner Kleidung oder seiner Geldbörse, wird auch der Erbe mit dem Tod des Erblassers unmittelbarer Besitzer dieser Sache. Hatte der Erblasser lediglich mittelbaren Besitz, beispielsweise als Vermieter einer Wohnung, tritt der Erbe in diese Position ein und erhält ebenfalls mittelbaren Besitz. Da für den Erbenbesitz keine tatsächliche Gewalt über die Sache erforderlich ist, spricht man von fiktivem Erbenbesitz . Aufgrund dieses fiktiven Erbenbesitzes genießt der Erbe sofort nach dem Tode des Erblassers einen vollständigen Besitzschutz gegen Eingriffe in den Nachlass.

Welche Ansprüche hat der Erben gegenüber dem Besitzer von Nachlassgegenständen?

■ Nach dem Tode des Erblassers hat der Erbe meist ein Interesse daran, die Nachlassgegenstände möglichst schnell auch tatsächlich in Besitz zu nehmen. Hat ein Dritter einen Nachlassgegenstand im Besitz und hatte der Erblasser bereits einen Herausgabeanspruch gegen den Dritten, kann nun der Erbe diesen Anspruch geltend machen. Konnte der Erblasser beispielsweise von einem Mieter aus dem Mietvertrag sowie gemäß § 985 BGB nach Beendigung des Mietverhältnisses die Herausgabe einer Wohnung verlangen, so hat nach dem Tode des Erblassers der Erbe diese Herausgabeansprüche.

■ Der Erbe kann von jedem, der aufgrund eines ihm in

Wirklichkeit nicht zustehenden Erbrechts etwas aus der Erbschaft erlangt hat (so genannter Erbschaftsbesitzer ), die Herausgabe des Erlangten verlangen (§ 2018 BGB). Der Herausgabeanspruch gegen den Erbschaftsbesitzer hat den Vorteil, dass der Erbe nicht Einzelansprüche geltend machen muss, sondern vom Erbschaftsbesitzer „den Nachlass“ heraus verlangen kann. Solche Personen, die die Erbschaft von einem Erbschaftsbesitzer durch einen Vertrag erworben haben, stehen dem Erbschaftsbesitzer gleich (§ 2030 BGB). Auch sie sind zur Herausgabe des Nachlasses verpflichtet.

■ Gemäß § 2019 BGB hat der Erbschaftsbesitzer nicht nur den Nachlass, den er in Besitz genommen hat, herauszugeben, sondern auch solche Gegenstände, die er mit Mitteln der Erbschaft erworben hat. Hat beispielsweise ein Erbschaftsbesitzer mit dem Bankguthaben des Erblassers ein Kraftfahrzeug erworben, so fällt das Kraftfahrzeug unmittelbar in den Nachlass und ist vom Erbschaftsbesitzer herauszugeben. Diese unmittelbare Ersetzung eines Gegenstandes durch einen anderen Gegenstand wird als dingliche Surrogation bezeichnet. Sie schützt den Erben in seinem Interesse, den Nachlass wirtschaftlich zu erhalten und alles vom Erbschaftsbesitzer heraus verlangen zu können, was dieser aus dem Nachlass oder mit Mitteln des Nachlasses erlangt hat.

 
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