Kapitel Die Vorstellung bei einem neuen Arbeitgeber

Freistellung von der Arbeit beim bisherigen Arbeitgeber für ein Vorstellungsgespräch

Das Vorstellungsgespräch kostet Zeit und Geld. Auf eine interessante Stellenanzeige in der Süddeutschen Zeitung hin haben Sie sich beworben. Sie rufen an und der Personalleiter fordert Sie zu einem Vorstellungsgespräch für nächsten Freitag 14.00 Uhr in der Firma auf. Die Angelegenheit kostet Sie also Zeit und Geld. Nicht zuletzt müssen Sie sich ja auch bei Ihrem jetzigen Arbeitgeber freinehmen. Worauf müssen Sie achten und welche Rechte haben Sie?

Steht mir ein Anspruch auf Arbeitsbefreiung für ein Vorstellungsgespräch zu und welches sind die Voraussetzungen?

§ 629 BGB sagt hierzu: „Nach der Kündigung eines dauernden Dienstverhältnisses hat der Dienstberechtigte dem Verpflichteten auf Verlangen angemessene Zeit zum Aufsuchen eines anderen Dienstverhältnisses zu gewähren.“ Grundsätzlich haben Sie also Anspruch auf Freizeit zur Stellensuche, wenn Sie in einem Dauerarbeitsverhältnis stehen, also nicht zB nur kurzzeitig als

Aushilfe arbeiten, und wenn das Ende des Arbeitsverhältnisses absehbar ist.

Wann ist das Ende absehbar? Hierzu einige beispielhafte Fallsituationen:

■ Das Arbeitsverhältnis ist bereits gekündigt (von Ihnen oder Ihrem Arbeitgeber). Das ist der im Gesetz geregelte Fall. Darüber hinaus begründen nach der Rechtsprechung der Arbeitsgerichte aber auch noch folgende weitere Fälle einen Freizeitanspruch zur Stellensuche:

■ Sie haben mit Ihrem Arbeitgeber einen Vertrag geschlossen, dass das Arbeitsverhältnis zu einem bestimmten Termin enden soll (sog. Aufhebungsvertrag)

■ Ihr Arbeitgeber hat Ihnen (zB wegen bevorstehender Rationalisierungsmaßnahmen) Bewerbungen bei anderen Firmen empfohlen.

■ Sie stehen in einem befristeten Arbeitsverhältnis und der vorgesehene Beendigungszeitpunkt ist bereits so nahe, dass der übliche Kündigungstermin bereits verstrichen wäre.

Arbeitsbefreiung zur Stellensuche. Sie sind seit 1. Februar bis

30. September befristet beschäftigt. Die gesetzliche Kündigungsfrist betrüge, wenn Sie in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis stünden, vier Wochen zur Monatsmitte bzw. zum Monatsende. Am 5. September haben Sie einen Vorstellungstermin bei einer anderen Firma. - Besteht ein Anspruch auf Arbeitsbefreiung zur Stellensuche?

Ja. Der letztmögliche Kündigungstermin (2. September) ist bereits verstrichen. Wäre der Vorstellungstermin früher als der

2. September, so hätten Sie keinen Freistellungsanspruch: In diesem Zeitraum gilt das Ende des ArbeitsVerhältnis in dem beschriebenen Sinne „als noch nicht absehbar“. Ähnlich verhältes sich in folgendem Fall:

Vorstellungsgespräch während ungekündigtem

Arbeitsverhältnis. Sie stehen in einem ungekündigten Arbeitsverhältnis und wollen sich verändern. Auf ein attraktives Angebot eines bekannten Großunternehmens hin haben Sie mit dem dortigen Personalleiter einen Vorstellungstermin vereinbart, der in Ihrer Arbeitszeit liegt. Sie wollen wissen, ob Ihnen ihr jetziger Arbeitgeber frei geben muss.

3Nein, er muss nicht, zumindest nicht unter der Überschrift „Freistellung zur Stellensuche“. Das ist deshalb so, weil das Ende Ihres Arbeitsverhältnisses eben noch nicht „absehbar“ ist. Es bleibt Ihnen also nichts anderes übrig, als sich einen Tag Urlaub zu nehmen oder mit der Firma, bei der Sie sich bewerben, einen Termin außerhalb der Arbeitszeit auszumachen.

 
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