Ärztliche Einstellungsuntersuchung

Muss ich einer Einstellungsuntersuchung zustimmen und wonach darf mich der Arzt fragen?

In vielen Großbetrieben werden werksärztliche oder vertrauensärztliche Untersuchungen vor Beginn eines Arbeitsverhältnisses durchgeführt. Hierzu ist grundsätzlich Ihre Zustimmung erforderlich. Widersetzen Sie sich allerdings einer Untersuchung, laufen Sie Gefahr, die Stelle nicht zu bekommen. Soweit der Arzt bei einer mit Ihrer Zustimmung durchgeführten Untersuchung Fragen stellt, gelten14die schon beschriebenen Grundsätze zum Fragerecht. Unzulässige Fragen brauchen Sie also nicht wahrheitsgemäß zu beantworten. Rechtlich ist Ihre Intimsphäre darüber hinaus noch dadurch geschützt, dass der Arzt an die ärztliche Schweigepflicht gebunden ist, dem Arbeitgeber also keine Einzelheiten mitteilen darf.

Graphologische Gutachten und psychologische Eignungstests

Nicht selten verlangen Arbeitgeber im Rahmen des Bewerbungsverfahrens einen handgeschriebenen Lebenslauf, um aus Ihrer Schrift oder Ihrem Schriftbild zusätzliche Erkenntnisse darüber zu gewinnen, ob Sie für die freie Stelle geeignet sind. Graphologische Gutachten sollen dann die entsprechenden Hinweise geben.

Wann darf der Arbeitgeber ein graphologisches Gutachten von meinen handschriftlichen Unterlagen anfertigen lassen?

meinen handschriftlichen Unterlagen anfertigen lassen?

Graphologische Gutachten dürfen nur mit Ihrer Zustimmung eingeholt werden. Sie müssen aber damit rechnen, dass die Einsendung Ihres handgeschriebenen Lebenslaufs vom potenziellen Arbeitgeber faktisch - wenn auch rechtlich wohl nicht zutreffend - als Zustimmung zur Einholung eines Gutachtens gewertet wird. Auch wenn Sie zugestimmt haben, darf der Arbeitgeber keine allgemeine Charakterstudie vom Gutachter fordern. Das Gutachten darf sich vielmehr nur auf solche Eigenschaften beziehen, die für den in Aussicht genommenen Arbeitsplatz von Bedeutung sind.

Darf der Arbeitgeber im Rahmen des Einstellungsverfahrens psychologische Eignungstests durchführen und hierbei so genannte biographische Fragebogen einsetzen?

Teilweise verwenden Arbeitgeber auch psychologische Eignungstests sowie so genannte biographische Fragebogen.

Bei diesen Instrumenten der Personalauswahl ist Ihre faktische Rechtsposition schwach, da Sie im Fall der Verweigerung immer riskieren, nicht genommen zu werden.

Wichtig:

In Betrieben, in denen ein Betriebsrat besteht, dürfen die beschriebenen Fragebögen nur dann verwendet werden, wenn der Betriebsrat dem Einsatz dieser Fragebögen zugestimmt hat.

Rechtlich zulässig sind solche Tests nur dann,

■ wenn Sie eingewilligt haben,

■ es sich um einen bedeutsamen Arbeitsplatz handelt (zB in der Führungsebene oder an in sonstiger Weise besonders verantwortungsvoller Position, zB Busfahrer, Lkw-Fahrer für gefährliche Güter),

■ der Test sich nur auf Merkmale bezieht, die etwas mit dem Arbeitsplatz zu tun haben (bei einem Busfahrer hat die Frage, ob er mal Klassensprecher in der Schule war, wohl nichts mit dem Arbeitsplatz zu tun, wohl aber bei einer Führungskraft),

■ Sie vorher über den Inhalt und die Reichweite des Tests informiert worden sind. Man muss Ihnen also schon vorher sagen, welcher Art die Fragen sind und ob und inwieweit diese Fragen in Ihren privaten Bereich hineinreichen.

Die hier genannten Voraussetzungen müssen alle vorliegen, wenn ein solcher Test zulässig sein soll. Manchmal wollen Fragesteller übrigens auch nur testen, wie intim Fragen sein können, ohne dass sie der Befragte zurückweist.

 
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