Anbieter- und Teilnahmestruktur in der Kulturellen Bildung

Wie beschrieben prägen insbesondere spezifisch künstlerisch-ästhetische Kulturstätten wie Theater, Musikschulen und Konzerthäuser, Museen und Ausstellungen oder auch Bibliotheken die Anbieterstruktur der Kulturellen Bildung. Darüber hinaus wird das Feld der Kulturellen Bildung aber auch durch verschiedene öffentliche und betriebliche Bildungseinrichtungen, gemeinnützige oder kommerzielle Verbände, Stiftungen und Vereine oder auch private Unternehmen institutionell gerahmt.

In dem Bildungsbericht des DIPF (2012) wird für die Kulturelle Weiterbildung eine Anbieterstruktur beschrieben, die insbesondere von den Volkshochschulen als Bestandteil der institutionalisierten Weiterbildung dominiert wird. Knapp 41% aller Weiterbildungsanbieter im kulturellen/musisch-ästhetischen Bereich werden dazu gezählt. 25% gehören einer Kirche, Partei oder Gewerkschaft sowie einer Stiftung, Verband oder Verein an. Kommerziell und gemeinnützig tätige Privateinrichtungen machen je 11% aus und 9% der Weiterbildungsanbieter sind dem Bereich Hochschulen, Berufsschulen und Akademien zuzuordnen. Nur 4% sind betriebliche Bildungseinrichtungen und wirtschaftsnahe Einrichtungen. Zwar weisen die Programme der Volkshochschulen ein außergewöhnlich breites Themenspektrum im Bereich Kultur und Gestalten auf, indem die Bereiche Literatur, Kunst, Fotografie, Musik und Handarbeit über rezeptive als auch eigenaktive Angebote abgedeckt werden (vgl. Bildungsbericht des DIPF 2012: 184ff.). Aber auch die klassischen spezifisch künstlerischen Einrichtungen wie Museen erweitern zunehmend ihre Angebotspalette. Führungen und Vorträge in rezeptiver Form sowie eigenaktiv gestaltete Workshops und Seminare, in denen auch eine körperliche und haptische Auseinandersetzung mit Kunst, Schauspiel und Musik erfolgt, sind bei den meisten Kulturstätten zu einem festen Bestandteil des Angebots geworden. Auch Bibliotheken positionieren sich immer stärker zu Anbietern der Kulturellen Bildung und präsentieren sich nicht mehr nur als Medienverleiher, sondern bieten auch Lesungen und Diskussionen sowie Beratungsangebote im Umgang mit beispielsweise Neuen Medien an (vgl. Fuchs; Schulz; Zimmermann 2005: 85).

Doch wie sieht die Angebotsnutzung in dieser pluralistischen Anbieterstruktur aus und wie reiht sich diese in das gesamte Weiterbildungsverhalten ein? Die BMBF-Studie „Weiterbildungsverhalten in Deutschland“ (2013) zeigt in der Aufschlüsselung der Weiterbildungsaktivitäten Erwachsener, dass im Jahr 2012 insgesamt 25,1 Millionen Menschen im Alter von 18 bis 64 Jahren an Weiterbildungsangeboten teilgenommen haben, die bisher höchste gemessene Teilnahmequote. Weiter ausdifferenziert zeigt sich, dass der Bereich der betrieblichen Weiterbildung mit einem Anteil von 64% der Weiterbildungsaktivitäten das größte Segment darstellt. Weit dahinter fallen die individuelle berufsbezogene Weiterbildung mit 13% und die nicht-berufsbezogene Weiterbildung mit 18% Weiterbildungsanteil. [1] Der Blick auf die Themen der Weiterbildungsaktivitäten macht deutlich, dass das Lernfeld „Wirtschaft, Arbeit, Recht“ ein Drittel der Aktivitäten umfasst. Einen weiteren Schwerpunkt bildet das Feld „Natur, Technik, Computer“ mit 25% und „Gesundheit und Sport“ mit 19%. Lediglich 13% der Weiterbildungsaktivitäten können dem Bereich „Sprachen, Kultur, Politik“ zugeordnet werden. Innerhalb dieses Schwerpunktes konnten nur 4% der besuchten Veranstaltungen den Bereichen Kunst, Musik, Medien zugeordnet

werden. Bezogen auf die nicht-berufsbezogene Weiterbildung ist der Themenschwerpunkt „Sprachen, Kultur, Politik“ jedoch dominierend (36% der besuchten Veranstaltungen), während in der individuellen berufsbezogenen und der betrieblichen Weiterbildung diese Themen eher randständig bleiben (18% und 13% der besuchten Veranstaltungen) (vgl. Bilger et al. 2013: 29ff. und 125ff.).

Gleichzeitig geht aus dem Bildungsbericht des DIPF (2012) hervor, dass immerhin 65% der Erwachsenen im Alter von 19 bis unter 65 Jahren an Angeboten der kulturellen/ musisch-ästhetischen Bildung partizipieren. Dabei wird rezeptiven Aktivitäten wie Theater-/Konzert-/Museumsbesuchen häufiger nachgegangen (59% Teilnahme) als eigenaktiven Formen, wie Theater und Musikinstrumente spielen oder künstlerisches Gestalten (28% Teilnahme). Unbedingt anzumerken sind dabei die hohen Disparitäten in der Teilnehmerstruktur nach dem Bildungsstand. Während 87% der Befragten mit (Fach)Hochschulreife an Angeboten der Kulturellen Bildung teilnehmen, sind es bei den Befragten mit mittlerem Abschluss 68% und bei Befragten mit oder ohne Hauptschulabschluss 46% (vgl. Bildungsbericht des DIPF 2012: 171f.). Die Teilnehmerstruktur von Angeboten kultureller Bildung wird zudem durch den schon weiter oben beschriebenen demographischen Wandel stark beeinflusst. Aus den Ergebnissen des „KulturBarometer 50+“, eine vom BMBF beauftragte Umfrage zur Kulturnutzung und den kulturellen Interessen älterer Menschen aus dem Jahr 2008, geht hervor, dass insbesondere die Sparten eines sehr klassischen Kulturbegriffes präferiert werden: Musik, Literatur, Theater, Museen und Ausstellungen sind ähnlich wie bei den Ergebnissen aus dem DIPF-Bildungsbericht die am häufigsten frequentierten Bereiche, sowohl in rezeptiven wie auch eigenaktiven Formen. In den klassischen Kultureinrichtungen mit vornehmlich rezeptiven Kulturangeboten stellen ältere Menschen deshalb aktuell das Kernpublikum dar, während jüngere Bevölkerungsgruppen häufiger auch Angebote der freien Szene nutzen oder Veranstaltungen kommerzieller Anbieter mit populären Kulturformen und Events besuchen (vgl. Keuchel; Wiesand 2008: 58ff.).

Es kann also festgehalten werden, dass Kulturelle Bildung von einer stark heterogenen und vielfältigen Anbieterstruktur geprägt ist, die sowohl die Anbieter der klassischen Kultureinrichtungen wie Theater, Museen und Konzerthäuser umfasst als auch verschiedene Bildungseinrichtungen außerhalb dieser spezifischen Kunstsparten. Die Nutzung derselben ist im Zusammenhang mit insgesamt zwar steigenden Weiterbildungsaktivitäten in Deutschland zu betrachten, jedoch ist der Bereich der Kulturellen Bildung, die größtenteils im Segment der nicht-berufsbezogenen Bildung stattfindet, marginal aufgestellt. Trotzdem nimmt ein Großteil der Bevölkerung mehr oder weniger intensiv Angebote der Kulturellen Bildung wahr, wobei die klassischen Angebote deutlich mehr frequentiert werden als neue und stärker innovative Formen.

  • [1] Im Vergleich zu den Ergebnissen im Jahr 2010 ist für den Bereich der betrieblichen Weiterbildung ein Anstieg von 10% und für die individuelle berufsbezogene Weiterbildung ein Rückgang von 10% zu verzeichnen
 
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