Unter welchen Voraussetzungen muss ich als Arbeitnehmer Fehlbeträge ersetzen, die in meinem Arbeitsbereich entstanden sind?

Frau Lorenzen muss nur dann zahlen, wenn es der Modern Style GmbH gelingt, zu erklären und ggf. zu beweisen, dass Frau Lorenzen ein Verschulden an dem Fehlbetrag trifft, wobei auch in diesem Fall die beschriebenen Haftungserleichterungen für Arbeitnehmer zum Zug kommen.

Für ein Manko - so nennt man den Unterschied zwischen „Soll“ und „Ist“ im Warenbestand und/oder in der Kasse - haftet der Arbeitnehmer, wenn nichts anderes vereinbart ist, nur bei Verschulden, also zB nicht für Schwund durch Witterungseinflüsse oder nicht vermeidbare Diebstähle, die von Kunden oder Kollegen begangen werden.

Hatte der Arbeitnehmer alleinigen Zugang zu Kasse und/oder Warenbestand, so kann dies als Anzeichen für eine Pflichtwidrigkeit, also ein Verschulden des Arbeitnehmers gewertet werden. Ist der Fehlbestand im Verhältnis zum Gesamtumsatz allerdings gering, spricht dies nur für leichte Fahrlässigkeit und führt nicht zur Haftung. Im Fall von Frau Lorenzen kann von einem alleinigen Zugang zur Kasse und den Waren nicht die Rede sein, weil Frau Lorenzen jeden Mittag im Laden durch eine Kollegin vertreten wurde und damit keine Kontrolle über das Geschehen im Laden hatte.

Eindeutige Zuordnung der Verfehlung. (Abwandlung) Frau

Lorenzen macht in der Mittagspause den Laden zu, so dass sie die einzige ist, die zu Kasse und Waren Zugang hat. Ladendiebstähle sind praktisch ausgeschlossen, da die Ware elektronisch gesichert ist. Frau Lorenzen will den Fehlbetrag nicht ersetzen. Sie bestreitet den von der Firma Modern Style behaupteten Fehlbetrag. Die Firma Modern Style beruft sich hinsichtlich des Anfangsbestandes auf die Lieferlisten der bei Arbeitsaufnahme von Frau Lorenzen neu eingerichteten Kinderabteilung. Die zweite Inventur war von Frau Lorenzen selbst durchgeführt worden. - Ist Frau Lorenzen schadensersatzpflichtig?

Der Arbeitgeber wird sich schwer tun, seinen behaupteten Anspruch durchzusetzen. Er muss nämlich beweisen, dass der ermittelte '“Fehlbetrag nicht nur ein Fehlbetrag „auf dem Papier“ ist, sondern zugleich auch ein tatsächlicher (effektiver) Fehlbetrag ist, dass also wirklich etwas fehlt.

Das bedeutet, es muss klar sein bzw. ggf. bewiesen werden, wie viele Teile zu welchem Verkaufswert bei der ersten Inventur vorhanden waren, wie viele Teile zu welchem Verkaufswert bei der zweiten Inventur vorhanden waren und wie viele Teile zu welchem Verkaufswert bei der zweiten Inventur hätten vorhanden sein müssen (sog. Soll-Ist-Vergleich). Es reicht also nicht, wenn die Firma Modern Style GmbH den Umfang der Warenbestände zum Zeitpunkt der Arbeitsaufnahme von Frau Eorenzen etwa lediglich anhand von durch Frau Eorenzen nicht gegengezeichneten Eieferpapieren rekonstruiert. Anders sieht es aus, wenn Frau Eorenzen bei beiden Inventuren sowie der Fortschreibung der Bestandslisten selbst beteiligt war und das Ergebnis der Inventuren gegengezeichnet hat.

 
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