Die Sommerakademie als Urlaubsgestaltung und Abgrenzung vom Alltag

Wie bereits kurz angesprochen, nehmen die Befragten ein verändertes Verständnis von Urlaubsgestaltung bei vielen Teilnehmenden wahr. Zwar würden viele Menschen immer noch den klassischen mit weiten Reisen verbundenen Erholungsurlaub präferieren, aber es zeige sich zunehmend auch das Bedürfnis, sich produktiv mit bisher vernachlässigten Interessen auseinander zu setzen (vgl. B3: 95/B2: 65/B4: 77). Das dies oft spezifisch künstlerische Interessen sind, begründen die Befragten damit, dass für die Auseinandersetzung mit Kunst, sei es rezeptiv oder eigenaktiv, wenig Ressourcen im Alltag zur Verfügung stünden (vgl. B4: 29/B5: 23). So sei insbesondere das produktive künstlerische Arbeiten „oft in, im Alltag nicht integrierbar“ (B4: 29). Rezeptive Formen wie der Besuch von Museen oder Theaterstücken nehmen zwar viele der Teilnehmenden auch im Alltag war, der körperlich-haptischen Beschäftigung mit Kunst hingegen werde von vielen auch in der bewussten Freizeitgestaltung nur marginal nachgegangen (vgl. B1: 56/B3: 79). Dies hänge auch mit einer zunehmend auf kognitive Leistungen ausgerichteten Gesellschaft zusammen, deren Mitglieder sehr stark „auf Kopftätigkeit fokussierte Tätigkeiten“ (B3: 93) ausüben müssen. Im Kontext dieser Entwicklungen werde das Bedürfnis, auch über den Einsatz des eigenen Körpers produktiv zu werden, und darüber ein gewisses „Sinnerleben“ zu erfahren zur „großen Sehnsucht“ (B4: 15): Die „Leute wollen es selber machen, die wollen sich nicht irgendwo hinsetzen und was aufnehmen, sondern sie müssen es selber auch erfahren“ (B2: 65). In diesem Zusammenhang biete die Sommerakademie auch die Möglichkeit, „was zweckfreies zu machen, weg von dieser Funktionalität, aus dem Alltäglichen raus, wo man sonst immer (...) funktionieren muss“ (B4: 77). Deswegen sei die Sommerakademie auch „wie ein Ferienprogramm“ (B3: 51), als eine „Form von Urlaub“ (B4: 77) zu verstehen, wo es den Teilnehmenden ermöglicht wird, sich von ihrem Alltag abzugrenzen, auch Entspannung zu erfahren und „in eine andere Welt damit auch mal wieder abswitchen“ zu können (B4: 15). So ermögliche auch nur dieses Gefühl, „eine kleine Insel“ (B2: 19) betreten zu haben, die weit entfernt vom Alltag ist, die Konzentration zu entwickeln, die die Intensität der Veranstaltungsform verlangt. Um in die intensive „Auseinandersetzung mit Farbe, Form, Themen“ (B4: 31) treten zu können, sich also ganzheitlich auf den künstlerischen Prozess einlassen zu können, müsse der Stress des Alltags ausgeblendet werden (vgl. B3: 39/B1: 48). Den Kursleitenden komme dabei die Aufgabe zu, über die Sommerakademie eine „Form von Freiraum“ (B4: 77) herzustellen und die Teilnehmer/innen „aus ihrem alltäglichen Denken heraus zu holen“ (B4: 93).

Die Sommerakademie wird also bewusst als Urlaubsgestaltung genutzt, für die insbesondere bei den dreiwöchigen Kursen auch der Jahresurlaub investiert werden muss. Die Teilnehmenden zeigen daher auch eine große Bereitschaft, diese oft auch als sehr wichtig und besonders empfundenen Zeitressourcen intensiv zu nutzen (vgl. B5: 13/B4: 29).

 
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