Der Teilnehmende als freiwilliger Partizipant und aktiver Mitgestalter des Kursgeschehens

Ein breit diskutierter Aspekt der Sommerakademie betrifft das Prinzip der Freiwilligkeit, das den Teilnehmenden als grundlegend intrinsisch motiviert und frei von jeglichen äußeren Zwängen charakterisiert (vgl. B1: 50/B2: 49/B4: 31/B5: 13). Die Teilnehmenden bringen die geforderten finanziellen und zeitlichen Ressourcen freiwillig auf: „man muss da keinen motivieren“ (B2: 29), was auch heißt, dass die Teilnahme frei von Prüfungsund Bewertungssystemen ist, die eine numerische Beurteilung erfordern würden (vgl. B1: 52). Dieser fehlende „Prüfungsstress“ (B1: 50) befördere die Experimentierfreude und Zwanglosigkeit im künstlerischen Handeln, da „auch nichts falsch gemacht werden kann“ (B4: 31). Dies bedeute zwar nicht, dass an die Teilnehmenden keine Anforderungen gestellt würden oder dass diese ohne Beurteilung arbeiten – „im Rahmen des künstlerischen Tuns bist du natürlich in der Leistungskiste sehr stark drin“ (B1; A: 52) – jedoch sei dieser Bezug ein grundsätzlich anderer, der die beschriebenen „Gelöstheiten“ (B1: 50) nicht beschneide und der von den Teilnehmenden auch eingefordert wird, „weil sie auch sich selber entwickeln wollen“ (B1: 28). So stellen die Befragten seitens der Teilnehmenden auch dementsprechend hohe Ansprüche an die Kursgestaltung und die Lehre der Kursleiter/innen fest (vgl. B1: 28/B5: 41): „die wollen was zurückkriegen“ (B5: 41). Dieses Kriterium wird deshalb sogar als „ausschlaggebendes Moment“ (B5: 13) für die Angebotsplanung und -durchführung benannt. So sei die kontinuierliche Partizipation der Teilnehmenden an allen Veranstaltungsphasen eine unbedingte Handlungsmaxime, denn die meisten Teilnehmer/innen hätten genaue Vorstellungen und so sei man als Kursleiter/in „auch auf die Bälle angewiesen, die zurück kommen“ (B5: 24), wenn man einen Dropout vorbeugen wolle. Das Kursgeschehen sei damit nur bedingt planbar, bzw. erfordere eine gewisse Planungsoffenheit, die die Wünsche und Entwicklungen der Teilnehmenden berücksichtigt (vgl. B2: 13/B4: 49/B5: 23). Handlungsleitend sollte daher die Frage sein: „wie kann man im Diskurs eigentlich mit dem Teilnehmer überlegen, wie ist der nächste Schritt?“ (B5: 23). Zwar würde an den Kursleitenden die Aufgabe gestellt sein, ein grobes Rahmenprogramm konzipieren zu müssen, in welchem inhaltliche und didaktische Überlegungen zusammentreffen, diese müssten aber immer an die Bedürfnisse der Teilnehmenden anpassbar sein (vgl. B2: 13/B3: 15/B4: 37). Das erfordere ein gutes Beobachtungsvermögen bezüglich der einzelnen Teilnehmer/innen als auch der zwischen diesen stattfindenden gruppendynamischen Entwicklungen (vgl. B2: 13). Diese Planungsoffenheit bedeute aber auch das Aushalten von Unsicherheiten – „Und dann ist es aber trotzdem immer der Sprung ins kalte Wasser“ (B3: 33) – und nicht vorhersehbaren Entwicklungen sowie den Umgang mit Misserfolgen, um daran auch als Kursleiter/in zu wachsen: „Es muss auch was schief gehen, finde ich auch ganz wichtig, die Erkenntnis, dass auch durch Dinge, die ich nicht richtig mache oder wo ich vielleicht mal gar nicht das Richtige gesagt habe (...) und da Dinge entstanden sind, wo ich erst sagen würde, um Gottes Willen, aber dann merke, eigentlich ist das ja ganz gut, dass da ja was ganz anderes passiert ist“ (B5: 33). Hier wird auch das Vertrauen angesprochen, was in den Teilnehmenden als freiwilligen Partizipanten und aktiven Mitgestalter des Kursgeschehens gesetzt wird, da dieser die Entwicklungen mit seinen habitualisierten und erlernten Kenntnissen und Fertigkeiten wesentlich mitbestimme. In diesem Zusammenhang würde die Beziehung zwischen Kursleitenden und Teilnehmenden durch eine gleichberechtigte und auf Augenhöhe stattfindende Kommunikation geprägt werden, nur so könne der als notwendig erachtete „ganz lebendige Austausch“ (B5: 23) stattfinden.

Das Prinzip der Freiwilligkeit bedeute neben der intensiven Beteiligung der Kursteilnehmenden während der Veranstaltung, auch im Vorhinein eine stark bedürfnisorientierte Auswahl der Kursangebote. Dies führe dazu, dass einige Themen und Inhalte nicht in das Programm aufgenommen werden würden und so die inhaltliche Breite geschmälert würde (vgl. B2: 47/B3: 37/B5: 25-27). Die Vorstellungen der Teilnehmenden würden mit manchen künstlerischen Bereichen wie der Performance-Kunst oder speziellen Theaterstücken nicht zusammen gehen. An den Kursleitenden stelle sich darüber die Anforderung, diese Anund Vorlieben zu akzeptieren und zu füttern, gleichzeitig aber auch Interesse für andere künstlerische Inhalte und Techniken hervorzurufen: „die haben eine bestimmte Vorstellung von dem, was sie machen wollen (...) und das muss auch so sein. Und man kann also versuchen, das aufzuschließen und sagen, (...) ich probiere den Blick auch mal für andere Dinge zu öffnen“ (B5: 29). Das Lehren und Lernen in einer Sommerakademie sollten also entsprechend bedarfsdeckend als auch bedürfnisweckend gestaltet sein, um dem Charakteristikum des freiwillig partizipierenden und aktiv gestaltenden Teilnehmers gerecht werden zu können.

 
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