Einheitlichkeit und Vielfalt der Organismen sind das Ergebnis der Evolution

Manche Biologen werden zu einer kürzeren oder zu einer längeren Auflistung kommen und diese nützlicher finden. Es herrscht jedoch unter den Biologen Übereinstimmung darin, welches das zentrale Thema der Biologie ist: Es ist dies die Evolution; oder, wie Theodosius Dobzhansky (1900-1975), einer der Grunderväter der modernen Evolutionstheorie, es formuliert hat: „Nichts in der Biologie macht Sinn, wenn man es nicht im Lichte der Evolution betrachtet."

Ordnung in die Vielfalt der Lebewesen bringen

Biologische Diversität ist eines der kennzeichnenden Merkmale des Lebens und der Lebewesen. Bis heute haben die Biologen aller Zeiten ungefähr 1,8 Millionen

Arten von Organismen beschrieben, mit Namen belegt und systematisch eingeordnet. Diese unvorstellbare Vielfalt umfasst zum gegenwärtigen Zeitpunkt mindestens 6300 Arten von Prokaryonten (zumeist mikroskopisch kleine Einzeller mit Zellen vom prokaryotischen Typ), rund 100.000 Arten von Pilzen, ca. 290 000 Arten von Pflanzen und weit über eine Million Tierarten. Unter diesen finden sich etwa 52 000 Arten von Wirbeltieren (Vertebraten) und eine Million Insektenarten, die damit mehr als die Hälfte aller bekannten Arten ausmachen.

Die Eingruppierung von Arten in das hierarchische biologische System Der Mensch hat von Natur aus eine Veranlagung, Objekte nach ihrer Ähnlichkeit, nach bestimmten Eigenschaften oder Kriterien zu kategorisieren und einzugruppieren Vielleicht haben Sie selbst Ihre CD-Sammlung nach Künstlern oder Komponisten sortiert und diese nach Musikrichtungen wie Jazz, Klassik und Popmusik geordnet. In ähnlicher Weise ist es für uns nahe liegend und auch praktisch, Organismenarten nach dem Grad ihrer Ähnlichkeit zu ordnen. Wir

Klassifikation der Organismen

Abbildung 1.6: Klassifikation der Organismen. Um Ordnung in die Vielfalt der Organismen auf de» Erde zu bringen, führen Biologen eine Klassifikation durch Einordnung in ein hierarchisches System durch. Arten, die nah miteinander verwandt sind, wie der Eis- und Braunbär, werden in dieselbe Gattung gestellt; Gattungen werden zu Familien zusammengefasst, Familien zu Ordnungen und so weiter. Diese Abbildung zeigt beispielhaft die Einordnung des Braunbären (Ursus arctot) und seine Stellung im Reich der Tiere und im gesamten Organismenreich.

Charles Darwin. Nach einem Porträt von George Richmond im Jahr 1840. vier Jahre nach der Rückkehr von der Weltumseglung mit der .Beagle"

Abbildung 1.7: Charles Darwin. Nach einem Porträt von George Richmond im Jahr 1840. vier Jahre nach der Rückkehr von der Weltumseglung mit der .Beagle".

Anpassungen in der Evolution

Abbildung 1.8: Anpassungen in der Evolution. Fledertiere (Chiroptera), zu denen die Fledermäuse und die Flughunde gehören, sind die einzigen aktiv flugfähigen Säugetiere. An den Körperseiten bilden Oberhaut und Lederhaut die elastische Flughaut deren Stützskelett die stark verlängerten Mittelhandknochen und Finger bilden. Solche Anpassungen lassen sich nur auf der Basis der Evolutionstheorie über die natürliche Selektion erklären.

sprechen von Schmetterlingen und von Nagetieren und wissen gleichzeitig, dass zwar zu jeder dieser Gruppen viele einzelne, unterscheidbare Arten gehören, im Grundbauplan jedoch eine Ähnlichkeit besteht, die sie als Schmetterlinge oder Nagetiere auszeichnet. Wir können dann solche Gruppen in größere Kategorien einordnen: die Schmetterlinge unter die Insekten und die Nagetiere unter die Säugetiere. Die Taxonomie ist das Teilgebiet der Biologie, das sich mit der Klassifikation (Systematik) von Arten befasst, die Nomenklatur hingegen beschäftigt sich mit der Kennzeichnung und Benennung von Arten und höheren Einheiten (Taxa). Dabei ist im Laufe der Zeit ein weitgehend ausgereiftes System mit immer weiteren Kategorien entstanden.

Die Domänen und Reiche der Organismen Bis vor etwa 20 Jahren war unter den Biologen ein taxonomisches Grundmodell allgemein akzeptiert, das die belebte Natur in fünf Organismenreiche (Einzahl Regnum, Mehrzahl Regna) - Pflanzen, Tiere, Pilze, einzellige Eukaryonten (Protisten) und Prokaryonten - untergliederte. Seit dieser Zeit haben neuartige Methoden wie DNA-Sequenzvergleiche (vergleichende Genomik) bei verschiedenen Arten zu einer immer noch andauernden Neubewertung der Zahl der Organismenreiche und deren Abgrenzung geführt. Wissenschaftler haben dabei Modelle entwickelt, die sechs und mehrere Dutzend Organismenreiche unterscheiden. Der fachliche Disput hierüber ist noch nicht abgeschlossen.

 
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