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6.3 Selbstverständnis als professionelle/r Kunstvermittler/in

Ein ebenfalls sehr häufig diskutiertes Themenfeld bezüglich der Potenziale und Herausforderungen, die eine Sommerakademie den Lehrenden bietet, umfasst die Beschreibungen des Selbstund Professionsverständnis der Befragten. Dabei zeigt sich in der Auswertung der Daten, dass die Befragten ihre Rolle als Künstler/in zum einen und als Kursleiter/in zum anderen zunächst einmal voneinander differenzieren, um deren jeweilige Bedeutung für die Lehre aufschlüsseln zu können. Interessant ist, dass die Rolle als Künstler/in fast nebensächlich thematisiert wird. Vielmehr scheint diese Rolle geklärt und weniger diskussionsbedürftig zu sein, da diese für die Befragten die primäre Identifikationsfigur und hauptsächliche Berufsbezeichnung vorgibt. Die Rolle als Kursleiter/in wird hingegen ausführlicher thematisiert, da diese auch immer wieder neu erprobt und aufgeschlüsselt werden muss. Besonders intensiv wurden in diesem Zusammenhang auch die Spannungen diskutiert, die zwischen dem Künstler-Sein und den pädagogischen Anforderungen, die an einen Kursleitenden gestellt sind, wahrgenommen werden. Gleichzeitig wurde aber auch der Umgang mit diesen Herausforderungen thematisiert, indem die Befragten auf die Prozesse und Strategien von Professionalisierung im Rahmen ihrer Tätigkeit eingegangen sind.

Der/die Künstler/in als authentische Leitfigur

Kunstschaffen ist eng verbunden mit der Vorstellung vom Kunstschaffenden, also dem Künstler oder der Künstlerin. Viele Werke leben auch durch die Aura des Schöpfers und so geht von der Künstlerpersönlichkeit oft eine hohe Anziehungskraft und Faszination aus. Zwar grenzen sich die Befragten von einem international namhaften und teilweise elitären Künstlertum ab (vgl. B3: 87/B5: 61), betonen aber dennoch, wie wichtig es sei, in der Sommerakademie in erster Linie als Künstler/in präsent zu sein (vgl. B1: 54/B4: 53/B5: 33): „Da ist es wirklich wichtig halt, dass wir (...) unsere Position als Künstler eigentlich mehr in den Vordergrund, also unsere Wahrnehmung auf Gesellschaft und Weltsicht (...) vermitteln“ (B4: 53). Nur so könne die eigentliche Kunstvermittlung von dem Teilnehmenden auch als authentischer Prozess wahrgenommen werden. Die Ausübung dieses Tätigkeitsfeldes durch andere berufliche Zugänge wird von den Befragten deshalb auch eher skeptisch betrachtet: „Ich glaube es wäre problematisch, wenn Kunsterzieher das machen würden (...) ich glaube, wenn die Künstler aus ihrem eigenen Arbeitsprozess kommen, dass das (...) das ist, was gesucht wird, zu sagen (...) ich komme eigentlich aus meinen Atelier, von meiner Staffelei“ (B5: 33). Damit nehmen die Befragten auch die Rolle einer authentischen Leitfigur ein, die sie durch ihr Künstler-Sein ausfüllen. Dies bedeutet für die Kursleitenden aber auch, den Teilnehmenden die Möglichkeit zu bieten, an diesem Künstler-Sein teilzuhaben, indem „Künstler etwas von sich abgeben (...) also von dem was sie gedanklich produzieren auch“ (B1: 54). Es geht also nicht darum, das eigene Werk zu präsentieren, sondern aufzuzeigen, wie man sich als Künstler/in einer Idee nähert, welchen Umgang man mit dem Material finden und wie eine Umsetzung aussehen kann. Man könnte auch von einem gewissen Künstlerhabitus sprechen, den die Befragten im Rahmen ihrer Tätigkeit als Kunstvermittler/innen als notwendig diskutieren. Dieser würde aber auch durch verschiedene gesellschaftliche Vorstellungen und normative Zuschreibungen geprägt werden, die jedoch mit der Realität häufig weniger zu tun haben. So sei es auch ein Anliegen, mit solchen Vorstellungen wie der des einsamen Genies aufzuräumen und ein realitätsnäheres Bild des Künstlers zu vermitteln (vgl. B1: 76/B2: 87): „Ideen klauen ist eines der wichtigsten Dinge in der Kunst, man kann das nicht alles alleine schöpfen, wir sind keine Götter“ (B1: 76). Dies im Kurs aufzuzeigen, sei eine wichtige Aufgabe, um auch die Schwellenangst vor dem eigenen Kunstschaffen zu nehmen.

 
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