Der/die Kursleiter/in als vertraute/r Begleiter/in von (Selbst)Lernprozessen

In Anlehnung an die zuvor aufgezeigten Deutungen bezüglich des Künstler Seins, käme den Befragten in ihrer Rolle als Kursleitende vor allem eine Begleitfunktion zu (vgl. B1: 46/B4: 19). Den Teilnehmenden solle nicht etwa ein bestimmter Stil oder eine konkrete Herangehensweise aufgezwungen werden, vielmehr sei es die Aufgabe des Kursleiters die Teilnehmer/innen bei ihren Lernprozessen so zu begleiten, dass sie in der Lage sind, mit Hilfe der erlernten Techniken eine eigene künstlerische Ausdrucksweise zu entwickeln (vgl. B1: 38). Um dies zu ermöglichen, sei es zum einen wichtig, eben keinem standardisierten und konformen Handeln nachzugehen, sondern mit Blick auf die Heterogenität der Teilnehmerschaft flexibel auf die jeweiligen Bedürfnisse zu reagieren: „von daher gibt es da nicht irgendwie so ein, ein Geheimrezept oder wie gesagt der Mensch ist so, so individuell und da reagieren wir auch sehr individuell darauf“ (B4: 47). Trotz der Ermöglichung und Unterstützung der eigenen stilistischen Ausdruckskraft, müsse den Teilnehmenden auch ein gewisser Orientierungsrahmen gesetzt werden. Dies erfolgt über die Wahl eines übergeordneten Themas, Materials oder Werkzeugs: „sonst ist es uferlos halt so und man würde sich total verlaufen“ (B4: 19). Der Verweis auf den Begriff des Verlaufens unterstreicht an dieser Stelle auch noch mal die Begleitund Unterstützungsfunktion der Kursleitenden, die den Teilnehmenden dazu verhelfen, sich in der Aufgabe des eigenen Kunstschaffens zurecht zu finden. Dafür bedarf es aber auch klarer und ehrlicher Korrekturen, der Teilnehmende müsse also auch auf mögliche Fehlerquellen aufmerksam gemacht werden: „auch wenn ich manchmal nicht so korrigiere, dass es ihnen sage mal Lust und Laune macht wieder zu kommen“ (B1: 38). Um einem solchen drohenden Dropout entgegenzuwirken, sei es deshalb notwendig, den Teilnehmenden die Prozesshaftigkeit des Lernens und Anwendens bewusst zu machen und sie in ihren gemachten Schritten wertzuschätzen (vgl. B1: 38). Dazu gehöre es auch, Vertrauen zwischen den Teilnehmenden und den Kursleitenden aufzubauen, was die Befragten weitestgehend durch ein Auftreten auf Augenhöhe und dem Vermeiden hierarchischer Strukturen zu erreichen versuchen (vgl. B2: 73/B4: 43): „Dadurch, dass mich da alle kennen als Werkstattleiter, bin ich ihnen sehr vertraut (...) also da ist schon so, so eine Schwelle genommen“ (B2: 73). Über ein solches Vertrauen entstehe auch eine starke persönliche Bindung an die Person der/des Kursleiters/in, sodass die Gruppe immer auch aus einem Kern schon bekannter, immer wiederkehrender Teilnehmer/innen bestünde. Auch dies ermögliche, trotz geübter Kritik und Korrektur, die Teilnehmenden zu einer kontinuierlichen Teilnahme zu motivieren und eventueller Frustration entgegenzusteuern (vgl. B1: 66/B3: 29). Diese persönliche Bindung an eine/n Kursleiter/in wird von den Befragten zwar als ein allgemeines Phänomen von freiwillig besuchten Weiterbildungsveranstaltungen erkannt – „und das kenne ich jetzt von allen Orten, wo ich unterrichte, dass die wegen der Person kommen und nicht nur wegen dem Inhalt“ (B3: 29) – wird aber aufgrund der Intensität einer Sommerakademie in dieser besonders stark wahrgenommen (vgl. B2: 73). Ein solch starkes Vertrauen wird zwar überwiegend positiv und als elementare Bedingung empfunden – „das ist ja eine Grundvoraussetzung, die ich schaffen muss, damit so ein Kurs gut läuft“ (B2: 73) – müsse aber auch, so zumindest nach B1, reguliert werden, damit die Selbstständigkeit des Einzelnen nicht vom Kursleitenden abhängig wird. So müsse man sich insbesondere außerhalb der eigentlichen Kurszeit, in der viele der Teilnehmenden noch intensiv weiter arbeiten, auch von der eigenen Rolle loslösen können: „Also da überlasse ich alle auch ihrem eigenen Schicksal (...) weil ich sage, okay das ist jetzt eure Zeit, das organisiert ihr“ (B5: 41). Begleiten bedeutet in diesem Zusammenhang also auch, sich selbst als Kursleiter/in zurücknehmen zu können, um den Teilnehmenden die Möglichkeit zu geben, selbstständig zu werden.

 
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