Aufgaben und Ziele der Lehre

Im Kontext der Aufgaben und Ziele, die die Befragten mit der Lehre an der Sommerakademie verbinden, zeigt sich, dass zunächst die Auseinandersetzung mit kunstspezifischen Fertigkeiten, Themen und Fragen als klassischer Aufgabenbereich der Vermittlung benannt wird. Darüber hinaus sollen die Teilnehmenden aber auch in der Entwicklung ihrer künstlerischen Selbstständigkeit gefördert werden, um die Abhängigkeit vom Lehrenden schrittweise aufzulösen. Dies hängt stark mit dem Ziel zusammen, die Teilnehmenden auch über die Kurszeit hinaus zur kulturellen Teilhabe zu befähigen. Nicht zuletzt sehen die Befragten es auch als dringende Aufgabe, Anerkennung und Wertschätzung gegenüber einer (bzw. ihrer) künstlerischen Professionalität zu schaffen und sich damit auch vom Teilnehmenden als Laien abzugrenzen.

Auseinandersetzung mit kunstimmanenten Fertigkeiten, Themen und Fragen

Ein großer Bereich der Vermittlungsarbeit in der Sommerakademie umfasst die Auseinandersetzung mit kunstspezifischen Fertigkeiten, Themen und Fragestellungen. Dazu gehöre in erster Linie die Vermittlung von technischen, handwerklichen Fertigkeiten, was in erster Linie den Umgang mit Perspektiven und Proportionen sowie Farbe und verschiedenen Materialien als gestaltende Elemente beim Bilden eines Kunstwerkes umfasst (vgl. B1: 12, 36/B3: 15/B5: 13). Auch im Bereich der Darstellenden Künste wird die Vermittlung von grundlegenden Atemtechniken und Körperübungen als zentrale Aufgabe betrachtet (vgl. B2: 35/59). Dies sei jedoch „das einfache, was man vermitteln kann“ (B5: 13), da es sich dabei um die „klassischen Dinge“ handele, „die man an der Hochschule auch lernt“ (B1: 12). Die Intensität der Veranstaltungsform Sommerakademie lasse es jedoch darüber hinaus auch zu, die Teilnehmenden auf die Prozesshaftigkeit des Kunstschaffens aufmerksam zu machen. Die zirkulär verlaufenden Vorgänge des Wahrnehmens, der künstlerischen Übersetzung und ihrer Reflektion bedürfen Geduld und Zeit, um zu einem qualitativ hochwertigem Ergebnis zu gelangen (vgl. B1: 14/B3: 15): „Nicht dass das nur so eine Sommerakademie ist, wo man nur so seine Bilder runter schrubbt und mit zehn Dingern nach Hause geht“ (B1: 38). Um die Teilnehmenden in dieser Hinsicht zu sensibilisieren, schaffen einige der Befragten die Möglichkeit einer intensiven Auseinandersetzung mit einem Thema oder einer Technik, indem auch ein Blick in die Historie derselben geworfen und der gegenwärtige Umgang mit diesen aufgezeigt wird oder auch die interdisziplinären Zusammenhänge zu anderen Themen oder Techniken sichtbar gemacht werden (vgl. B1: 38/B2: 59/B3: 57). So können auch Präsentationen und Vorträge in die Kurse eingebaut werden, „dass man neben dem ganzen praktischen Tun auch mal so ein bisschen vermittelt, (...) dass das eben auch viel mit Überlegen und darüber Nachdenken oder über, also es ist einfach ein gestaltendes, also das heißt nicht umsonst Bildende Kunst und nicht einfach untermalende Kunst oder so“ (B1: 36). So spielt also das Bewusstmachen über das eigenaktive und schöpferische Kunst-Schaffen seitens der Teilnehmenden eine große Rolle für die Lehre an der Sommerakademie (vgl. auch B4: 17). Nicht zuletzt begleiten deshalb auch Metafragen wie „Was macht Kunst aus?“ und „Ist Kunst überhaupt möglich?“ (B1: 38) das Kursgeschehen, indem auch diese mit den Teilnehmenden reflektiert werden. Diese Anreize zur weiterführenden theoretischen Auseinandersetzung sollten letztendlich aber wieder in einen Zusammenhang mit den erlernten Techniken gebracht werden, denn der „Schwerpunkt (liegt) bei der künstlerischen Gestaltung“ (B3: 63), also dem eigentlichen Kunstschaffen durch den Teilnehmenden.

 
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