Evolutionstheorie: Die darwinistische Sicht des Lebens

Die Darwin'sche Theorie widersprach der traditionellen Ansicht, die Erde sei jung und von unveränderlichen Arten bewohnt

Was trieb Darwin dazu, die zu seiner Zeit herrschenden Ansichten über die Entwicklung der Erde und ihre Bewohner infrage zu stellen? Seine revolutionäre Theorie war eingebettet in die Ideen, Konzepte, Hypothesen und Theorien zahlreicher Wissenschaftler und Philosophen (=> Abbildung 22.2).

Scala naturae und die Klassifikation der Arten

Bereits lange vor Darwin vermuteten einige griechische Philosophen, das Leben könne sich im Lauf der Zeit allmählich verändern. Die Ansichten von Aristoteles (384-322 v. Chr.) haben die frühe westliche Kultur besonders nachhaltig beeinflusst: Er sah die Arten als unveränderlich an. Im Rahmen seiner Naturbeobachtungen entdeckte Aristoteles gewisse „Ähnlichkeiten" zwischen verschiedenen Organismenarten. Er kam zu dem Schluss, dass sich Lebensformen auf einer Leiter zunehmender Komplexität anordnen lassen, die später als Scala naturae („Stufenleiter der Natur") bezeichnet wurde. Auf dieser Leiter fanden sämtliche Lebensformen, die er als perfekt und unwandelbar ansah, den ihnen zustehenden Platz.

Diese Vorstellungen passten gut zum Schöpfungsbericht im Alten Testament, in dem es heißt, die Arten seien jede für sich von Gott geschaffen worden

Wie kann dieser Käfer in der Wüste überleben?

Abbildung 22.1: Wie kann dieser Käfer in der Wüste überleben?

Darwins Leben und seine Theorie im historischen Kontext

Abbildung 22.2: Darwins Leben und seine Theorie im historischen Kontext. Die dunkelblauen Balken repräsentieren die Lebensspannen einiger Wissenschaftler, deren Gedankengut Darwins Vorstellungen über die Evolution beeinflusst hat.

und daher perfekt und unwandelbar Im 18. Jahrhundert interpretierten viele Naturforscher die oft bemerkenswerte Anpassung der Organismenarten an ihre Umwelt als Beweis dafür, dass der Schöpfer jede Art zu einem bestimmten Zweck geschaffen habe.

Einer dieser Naturforscher war Carl Linnaeus (1707-1778, später Carl von Linne), ein schwedischer Arzt und Botaniker, der die Vielfalt der Natur nach eigenen Worten „zum höheren Ruhm Gottes" zu ordnen suchte. Lmnä entwickelte die binäre Nomenklatur zur Benennung von Organismen mit Gat-tungs- und Artnamen, die wir heute noch immer verwenden. Er wollte die Scala naturae lückenlos füllen und entwickelte ein ineinander geschachteltes Klassifikationssystem, bei dem ähnliche Arten in immer allgemeinere Kategorien eingeordnet wurden. Beispielsweise werden ähnliche Arten (Spezies) in dieselbe Gattung (Genus, Plural Genera) gestellt, ähnliche Gattungen in dieselbe Familie und so weiter. Ein Jahrhundert später war sein Klassifikationsschema eine wichtige Grundlage für Darwins Argumentation in seiner Evolutionstheorie.

 
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