Warum die natürliche Selektion keine „perfekten" Organismen hervorbringen kann

Obgleich die natürliche Selektion zu einer Vielzahl von wertvollen Anpassungen führt, finden sich viele Beispiele von Anpassungen einzelner Organismenarten, die im Hinblick auf ihre morphologische, physiologische oder verhaltensbiologi-sche Ausstattung keinesfalls als „perfekt” angesehen werden können.

D Die Selektion kann nur auf die existierende genetische Variabilität einwirken. Die natürliche Selektion begünstigt nur diejenigen in einer Population vorhandenen Phänotypen, deren Merkmale unter den gegebenen Umweltbedingungen ein Höchstmaß an individueller Fitness besitzen. Neue vorteilhafte Allele entstehen immer zufällig

□ Die Evolution wird durch historische Gegebenheiten beeinflusst. Jede Art stammt von einer langen Reihe von Vorfahren ab In der Evolution werden viele phylogenetisch alte Anpassungen nicht einfach eliminiert und komplexe Strukturen und Eigenschaften nicht immer wieder vollständig neu aufgebaut und entwickelt. Vielmehr sorgt sie über die natürliche Selektion dafür, dass bereits existierende Strukturen und Funktionen an die neuen Situationen angepasst werden

□ Anpassungen sind häufig Kompromisse („trade-offs"). Jedes Individuum hat eine Vielzahl von Aufgaben zu lösen. Eine Robbe verbringt einen Teil ihres Lebens an Land, dort könnte sie sich wahrscheinlich besser fortbewegen, wenn sie dafür adaptierte Extremitäten und nicht Flossen ausgebildet hätte, aber dann könnte sie nicht annähernd so gut schwimmen

□ Zufall, natürliche Selektion und Umweltfaktoren interagieren miteinander. Zufallsereignisse können den evolutiven Prozess von Populationen beeinflussen. Wenn ein Sturm beispielsweise Insekten oder Vögel viele hundert Kilometer übers Meer auf eine Insel verduftet, wählt er nicht unbedingt diejenigen Individuen aus, die für die neuen Umweitbedingungen am besten geeignet sind Daher sind nicht sämtliche Allele im Genpool einer Gründerpopulation besser für die neuen Umweitbedingungen geeignet im Vergleich zu den Allelen der Ausgangspopulation, die „zurückgelassen" wurden.

VERSTÄNDNISFRAGEN

  • 1. Wie groß ist die relative Fitness eines sterilen Maultiers? Begründen Sie Ihre Antwort.
  • 2. Erklären Sie, warum die natürliche Selektion der einzige Evolutionsmechanismus ist, der fortwährend für eine adaptive Evolution sorgt.
  • 3. Was wäre, wenn? Stellen Sie sich eine Population vor, in der Individuen, die an einem bestimmten Locus heterozygot sind, einen extremen Phänotyp darstellen (zum Beispiel könnten sie viel größer sein als homozygote Individuen), der zudem einen bestimmten Selektionsvorteil mit sich bringt. Ist eine solche Situation das Ergebnis einer gerichteten, einer disruptiven oder einer stabilisierenden Selektion? Begründen Sie Ihre Antwort.
 
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