Protisten als wichtige Komponenten ökologischer Wechselbeziehungen

Die meisten Protisten leben im Wasser und man findet sie fast überall, wo es Wasser gibt, auch in terrestrischen Lebensräumen wie feuchtem Boden oder verrottendem Laub. In Meeren, Seen und Teichen leben viele Protisten am Gewässerboden, wo sie sich an einem festen Substrat anheften können oder wo sie durch Sand und Schlick kriechen. Andere Protisten sind ein bedeutender Bestandteil des Planktons.

Symbiontische und parasitische Protisten

Viele Protisten gehen symbiontische und parasitische Beziehungen mit anderen Arten ein. Dinoflagellaten sind zum Beispiel photosynthetisch aktiv und liefern Nährstoffe an ihre Partner, die Korallenpolypen, die große Riffe auf bauen. Korallenriffe sind höchst vielgestaltige Ökosysteme. Ihre gesamte Vielfalt ist letztlich von den Korallen abhängig - und auch von den mutualistischen Protisten, die als Symbionten leben und die Korallen mit lebenswichtiger Energie versorgen.

Ein weiteres Beispiel sind die ursprünglichen von Holz lebenden Termiten. Ohne Symbionten können Termiten kein Holz verdauen. Nur die große Anzahl das Holz abbauender Protisten, die in ihrem Darm leben, ermöglicht ihnen ihre Ernährung.

Unter den Protisten sind auch Parasiten, die bereits die Wirtschaft ganzer Staaten geschädigt haben. Ein Beispiel ist der Malariaerreger Plasmodium (=> Abbildung 28.5). Ein weiteres Beispiel ist Pfiesteria shumwayae, ein Parasit aus der Gruppe der Dinoflagellaten, der sich an seinen Opfern festheftet und an ihrer Haut frisst. Unter den Arten, die als Parasiten an Pflanzen leben, gelangte der Kartoffelmehltau Phytophthora infestans zu trauriger Berühmtheit. Dieser Oomycet (Generationswechsel; Abbildung 28.2) verursacht z. B. bei Kartoffelpflanzen (Solanum tuberosum) die Schwarzfäule, bei der sich Blätter und Stängel der Kartoffelpflanzen mit einem dunklen Schleim überziehen, der eine Fäulnis bewirkt. Der Kartoffelmehltau trug erheblich dazu bei, dass es in Irland im 19. Jahrhundert zu einer großen Hungersnot kam, bei der rund eine Million Menschen ums Leben kamen und viele weitere das Land verlassen mussten. Die Krankheit stellt auch heute noch ein großes Problem dar, weil Phytophthora infestans mittlerweile Resistenzen gegen Herbizide (Pflanzenschutzmittel) bildet.

Photosynthetisch aktive Protisten

Viele Protisten sind wichtige Primärproduzenten, Organismen, die Energie aus der Solarstrahlung (oder aus bestimmten anorganischen Substanzen) beziehen, um Kohlendioxid zu organischen Verbindungen umzusetzen. Produzenten bilden die unterste Ebene von Nahrungsnetzen. In aquatischen Ökosystemen handelt es sich bei den wichtigsten Produzenten um Protisten und Prokaryonten, die photosynthetisch aktiv sind. Alle anderen Organismen dieser aquatischen Biozönosen sind letztlich auf sie angewiesen, und zwar entweder direkt, indem sie selbst diese Produzenten konsumieren oder indirekt innerhalb der Nahrungskette, indem sie Organismen fressen, die sich von diesen Produzenten ernähren (=> Abbildung 28.6). Schätzungen zufolge sind Diatomeen, Dinoflagellaten, vielzellige Algen und andere Protisten global für bis zu ein Viertel der gesamten Photosyntheseleistung (Primärproduktion) verantwortlich.

In aquatischen Ökosystemen sind Protisten die entscheidenden Produzenten. Blaue Pfeile

Abbildung 28.6: In aquatischen Ökosystemen sind Protisten die entscheidenden Produzenten. Blaue Pfeile: Energiefluss.

VERSTÄNDNISFRAGEN

  • 1. Begründen Sie die These, dass photosynthetisch aktive Protisten zu den wichtigsten Organismen der Biosphäre gehören.
  • 2. Beschreiben Sie das Spektrum symbiontischer und parasitischer Beziehungen, an denen Protisten beteiligt sind.
  • 3. Was wäre, wenn? Hohe Wassertemperaturen und Wasserverschmutzung können bewirken, dass Korallen ihre Symbionten, die Dinoflagellaten, verlieren. Wie würde sich dies auf die Korallen selbst und andere Arten des Ökosystems .Korallenriff' auswirken?

Kapitel 29

Die Vielfalt der

Pflanzen I:

Wie Pflanzen das Land eroberten

Die Entstehung der Landpflanzen aus Grünalgen

Moose haben einen vom Gametophyten dominierten Lebenszyklus

V Die ersten hochwüchsigen Pflanzen:

Farne und andere samenlose Gefäßpflanzen

 
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