Pilze als Krankheitserreger

Ungefähr 30 Prozent der 100.000 bekannten Pilzarten sind Parasiten oder Krankheitserreger, die in ihrer Mehrzahl Pflanzen befallen.

Manche Pilze, die Nahrungspflanzen befallen, sind auch für Menschen giftig. So bildet beispielsweise Claviceps purpurea auf Roggenpflanzen violette, als Mutterkorn bezeichnete Strukturen. Wird solches Getreide zu Mehl vermahlen und verzehrt, verursacht das Gift aus dem Mutterkorn den Ergotismus, eine Krankheit, die durch Wundbrand, nervöse Krämpfe, Brennen auf der Haut, Halluzinationen und vorübergehende geistige Störungen gekennzeichnet ist. Aus dem Mutterkorn wird unter anderem auch das Ausgangsmaterial für die Herstellung des Rauschgifts LSD gewonnen.

Man kennt nur rund 50 Pilzarten, die als Parasiten am Menschen und an Tieren leben, aber diese relativ wenigen Arten richten beträchtliche Schäden an. Allgemein bezeichnet man eine solche Pilzinfektion als Mykose Am häufigsten treten die durch Dermatophyten hervorgerufenen Mykosen an den Füßen auf, wo sie heftigen Juckreiz und Blasen auslösen („Fußpilz").

Der praktische Nutzen von Pilzen

Obwohl die großen Pilze gerne als Beilagen verspeist werden, sind es nicht die einzigen Pilze, die wir essen. Auch bestimmte Käsesorten, unter anderem der Roquefort und andere Blauschimmelkäse, beziehen ihr besonderes Aroma von den Pilzen, die während ihrer Reifung eingesetzt werden. Außerdem wird ein Vertreter der Gattung Aspergillus eingesetzt, um Citronensäure für den Zusatz zu Colagetränken zu gewinnen. Morcheln und Trüffel, die essbaren Fruchtkörper zweier Ascomyceten, werden wegen ihrer komplexen Aromazusammensetzung sehr geschätzt und sind teilweise über hundert Euro pro Kilo wert.

Die Hefe Saccharomyces cerevisiae (Abbildung 31.5; die wörtliche Übersetzung ist „Bierzuckerpilz") dient schon seit Jahrtausenden zur Herstellung alkoholischer Getränke und zur Brotproduktion. Aufgrund ihrer Stellung als molekulargenetischer Modellorganismus gewinnt Saccharomyces cerevisiae zusammen mit einigen verwandten Hefearten zunehmend an Bedeutung als biotechnologischer Produktionsorganismus in der Pharmaindustrie.

Eine Reihe von Pilzen produzieren auch Antibiotika, die für die Bekämpfung bakterieller Infektionen unentbehrlich sind. Tatsächlich wurde das erste von Alexander Fleming (1881-1955) entdeckte Antibiotikum, das Penicillin, nach dem Ascomyceten Penicillium benannt (=> Abbildung 31.8), aus dem es isoliert wird.

Die Produktion eines Antibiotikums durch einen Pilz

Abbildung 31.8: Die Produktion eines Antibiotikums durch einen Pilz.

VERSTÄNDNISFRAGEN

  • 1. Beschreiben Sie, inwiefern die Algen einer Flechte von der Beziehung zum Pilz profitieren.
  • 2. Welche Eigenschaften pathogener Pilze sind dafür verantwortlich, dass sie erfolgreich übertragen werden?
  • 3. Was wäre, wenn? Wie könnte sich das Leben auf der Erde von dem unterscheiden, das wir heute kennen, wenn in der Evolution nie mutualistische Beziehungen zwischen Pilzen und anderen Organismen entstanden wären?
 
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