Signalgebung und Kommunikation bei Tieren

Einen Reiz, der von einem Tier an ein anderes übermittelt wird, bezeichnet man als Signal. Übermittlung und Empfang von Signalen machen die Kommunikation von Tieren aus.

Die Balz bei der Taufliege (Drosophila melanogaster) besteht aus einer Reiz-Reaktions-Kette (stimulus response chain), bei der die Reaktion auf einen jeden Reiz selbst wieder den Reiz für die nächste Verhaltensreaktion darstellt (=> Abbildung 51.3 a). Wenn das Männchen das Weibchen sieht, stützt es sich auf visuelle Kommunikation. Zudem registriert der Geruchssinn des Männchens Stoffe, die vom Weibchen in die Luft abgegeben werden. Das ist ein Beispiel für chemische Kommunikation, Übermittlung und Empfang von Signalen in Form von spezifischen Molekülen, sogenannten Pheromonen, die z.T. schon in geringen Konzentrationen Wirkung zeigen. Sobald das Männchen das Weibchen als Artgenossin identifiziert hat, nähert es sich ihm und stubst es mit einem Vorderbein an (Abbildung 51.3 b). Diese Berührung oder taktile Kommunikation macht das Weibchen auf die Anwesenheit des Männchens aufmerksam. Dabei gelangen Stoffe aus dem Abdomen des Weibchens zum Männchen, die diesem eine weitere Bestätigung liefern, dass es sich tatsächlich um eine Artgenossin handelt. Im dritten Stadium der Balz breitet das Männchen einen Flügel aus und lässt ihn vibrieren und erzeugt so einen speziellen Balzgesang (Abbildung 51.3 c). Dieser Gesang, ein Beispiel für akustische Kommunikation, zeigt dem Weibchen, dass das Männchen zur selben Art gehört. Nur wenn all diese Kommunikationsschritte erfolgreich nacheinander durchlaufen werden, erlaubt ein empfängnisbereites Weibchen dem Männchen die Paarung.

Der Informationsgehalt tierischer Kommunikation variiert beträchtlich. Ein bemerkenswertes Beispiel ist die Symbolsprache, mit deren Hilfe Honigbienen

Balzverhalten bei Taufliegen

Abbildung 51.3: Balzverhalten bei Taufliegen.

Die Tanzsprache der Honigbienen

Abbildung 51.4: Die Tanzsprache der Honigbienen.

einander die Lage von Nahrungsquellen mitteilen. Die Bienensprache wurde in den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts von Karl von Frisch entschlüsselt (=> Abbildung 51.4 a). Wenn die Nahrungsquelle nahe am Stock liegt (weniger als 50 m entfernt), bewegt sich eine rückkehrende Biene auf den Waben im Bienenstock in engen Kreisfiguren, während sie gleichzeitig ihren Hinterleib rasch von der einen zur anderen Seite bewegt (Abbildung 51.4 b). Dieses Verhalten, das als „Rundtanz“ bezeichnet wird, veranlasst die Stockgenossinnen, die ihr folgen, den Stock zu verlassen und nach einer Futterquelle in der Nähe zu suchen.

Liegt die Futterquelle weiter vom Stock entfernt, führt die zurückkehrende Sammelbiene stattdessen einen „Schwänzeltanz" auf. Dieser Tanz, der aus einem Halbkreis in der einen Richtung, einer kurzen geraden Strecke und einem Halbkreis in der anderen Richtung besteht, teilt den folgenden Bienen sowohl die Richtung als auch die Entfernung der Futterquelle vom Stock mit (Abbildung 51.4 c). Der Winkel, den der gerade Tanzabschnitt mit der Vertikalen der senkrecht im Stock aufgehängten Wabenoberfläche bildet, entspricht dem horizontalen Winkel, den die Futterquelle mit der Sonne bildet. Wenn die zurückkehrende Biene beispielsweise in einem 30°-Winkel rechts der Vertikalen läuft, schwärmen die Sammlerinnen, die ihrem Tanz gefolgt sind, in einem 30°-Winkel rechter Hand von der horizontalen Richtung zur Sonne aus. Ein Tanz mit einem langen geraden Abschnitt und daher mehr Schwänzelbewegungen pro Tanzfigur zeigt eine größere Entfernung zur Futterquelle an.

VERSTÄNDNISFRAGEN

  • 1. Wenn ein Ei aus dem Nest rollt, wird es vom Graugansweibchen mit Kopf und Schnabel ins Nest zurückbugsiert. Wenn man das Ei während dieses Vorgangs entfernt oder durch einen Ball ersetzt, fährt das Weibchen fort, mit seinem Kopf Einrollbewegungen zu machen, während es zum Nest zurückkehrt. Was für eine Form von Verhalten ist das? Schlagen Sie eine proximate und eine ultimate Erklärung vor.
  • 2. Warum ist ein Wanderverhalten, das auf circan-nualer Rhythmik basiert, für eine Anpassung an den globalen Klimawandel schlecht geeignet?
 
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