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4.1 Subjekt, Mensch, Individuum

Bislang wurde zwischen den Begriffen Subjekt, Mensch und Individuum kaum unterschieden. Um den Subjektbegriff abgrenzen zu können, soll eine solche Unterscheidung dem weiteren Versuch einer Rekonstruktion vorausgeschickt werden. Unter dem Begriff Mensch soll hier eine Einheit aus biologischen und psychischen Prozessen und Strukturen verstanden werden. Als Differenzbegriff dazu meint dann Subjekt eine Abstraktionsebene. Der Subjektbegriff soll den Menschen einzig bezüglich seines epistemologischen Status gegenüber der materiellen und sozialen Umwelt fokussieren. Damit entfallen insbesondere die biologischen Anteile, die im Begriff des Menschen notwendigerweise vorkommen müssen. Der epistemologische Status ist indessen nicht vollständig von psychischen Momenten zu trennen. Nicht eingehen in den Subjektbegriff sollen jedoch solche psychischen Kategorien, die sich etwa auf psychische Erkrankungen beziehen, oder die im engeren Sinne auf die Triebstruktur etc. Bezug nehmen. Solche Fragen sollen hier nur in dem Maße interessieren, in dem sie Auskunft über das Verhältnis des Subjekts zu seiner Umwelt geben. Anders formuliert: Als Abstraktionsebene operiert der Subjektbegriff, wie er im Weiteren zugrunde gelegt werden soll, jenseits individueller psychischer Momente. Gemeint ist vielmehr ein allen Menschen Gleiches: Das Verhältnis zur Umwelt.

Dem entsprechend grenzt sich der Begriff der Individualität ab. Dieser bezeichnet einen politischen oder kulturellen Lebensstil, der sich um Motive der Einzigartigkeit und Distinguiertheit dreht. Dies kann mit vertikalen sozialen Ungleichheiten einhergehen. Dies kann aber auch schlichtweg Differenzen zwischen je subjektiven Lebensstilen und –entwürfen bezeichnen, die zwar in einer relationalen Differenz zueinanderstehen, aber dennoch keine Formen der Ungleichheit oder Herrschaft implizieren. Da Individualität ein Begriff ist, der sich dann ad absurdum führt, wenn er als hegemoniale Kultur gesetzt wird, muss dieser Begriff inhaltlich leer bleiben. Würde damit etwa eine (autonome) Unterordnung unter kollektive Muster ausgeschlossen, würde dies nur eine (heteronome) Unterordnung unter andere kulturelle Muster zur Folge haben. Dann wäre Individualität der Imperativ, sich in jedem Fall kulturell und politisch abzugrenzen. Um diese Konnotation zu vermeiden, kann Individualität also nur ein Begriff sein, der zwar auf autonome Entscheidungen drängt, diesen aber keine Inhalte präskribiert.

Während also die Begriffe Subjekt und Mensch auf je eigene Weise Spezifika des Menschen betonen, die eher einen theoretischen Charakter haben, zielt der Begriff der Individualität auf konkrete Subjekte, die jenseits von Autoritätsoder Konformitätsansprüchen einen je eigenen Lebensstil wählen, wie immer auch dieser aussehen mag.

 
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