Menü
Start
Anmelden / Registrieren
Suche
 
Start arrow Philosophie arrow Erkenntnis und Gesellschaft
< Zurück   INHALT   Weiter >

5. Subjektivität und Wissenschaft

Wenn es um Emanzipation geht, spielt Wissenschaft eine wichtige Rolle. Es war die Idee der Aufklärung und später des Positivismus, dass mit den Mitteln der empirischen Beweisbarkeit Herrschaftsansprüche legitim zurückgewiesen werden können. Was dem Subjekt nicht anschaulich gemacht werden kann, kann bestenfalls geglaubt werden. Dann aber stehen Möglichkeiten der Manipulation, der Irreführung und der Geltendmachung von unbegründeten Wahrheitsansprüchen zur Verfügung, die sich nicht nur theoretisch zur Herrschaftsabsicherung gebrauchen lassen, sondern die auch historisch genau zu diesem Zweck eingesetzt wurden. Rudolf Carnap hat die Kritik an metaphysischen Spekulationen mit den Worten umschrieben: „Alles jedoch, was jenseits des Sachhaltigen liegt, muss unbedingt als sinnlos angesehen werden.“ (Carnap 1928/2004: 29) Es geht nicht darum, ob metaphysische Spekulationen wahr oder falsch sind. Sie sind sinnlos, weil sie einer kritischen Überprüfung nicht zugänglich sind. Ein emanzipiertes Subjekt aber sollte sich soweit wie möglich an überprüfbaren Sachverhalten orientieren. Zu solchen Sachverhalten zählen dann sowohl logisch-mathematische Aussagen als auch empirische Aussagen. Ihr emanzipatorischer Kern liegt darin, dass sowohl das einzelne Subjekt solchen Aussagen zwanglos zustimmen kann, als auch darin, dass eine intersubjektive Transparenz erzeugt wird. Wissenschaft entpuppt sich so als Pendant zur Demokratie.

Wenn nun seitens des Radikalen Konstruktivismus die Möglichkeiten empirischer Validität stark eingegrenzt werden, entfällt eine Säule des modernen Wissenschaftsverständnisses. Sich allein auf logisch-mathematische Aussagen zu beschränken, die zudem ihrerseits bezüglich des Wahrheitsgehaltes unter konstruktivistischen Vorbehalten stehen müssen, ist zu wenig. Logisch-mathematische Aussagen sind per definitionem keine Aussagen über die Wirklichkeit. Der Radikale Konstruktivismus droht seinen emanzipatorischen Gehalt in Bezug auf die epistemologische Stellung des Subjekts zu verlieren, weil er die strengen Kriterien an Wissenschaftlichkeit nicht nur nicht einholen kann: er negiert sie. Die zu beantwortende Frage ist also: Wie kann die Wissenschaft auf dem Boden des Radikalen Konstruktivismus gerettet werden?

 
Fehler gefunden? Bitte markieren Sie das Wort und drücken Sie die Umschalttaste + Eingabetaste  
< Zurück   INHALT   Weiter >
 
Fachgebiet
Betriebswirtschaft & Management
Erziehungswissenschaft & Sprachen
Geographie
Informatik
Kultur
Lebensmittelwissenschaft & Ernährung
Marketing
Maschinenbau
Medien und Kommunikationswissenschaft
Medizin
Ökonomik
Pädagogik
Philosophie
Politikwissenschaft
Psychologie
Rechtswissenschaft
Sozialwissenschaften
Statistik
Finanzen
Umweltwissenschaften