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5.2 Subjekt und Diskurs

Es lässt sich nicht leugnen, dass der Radikale Konstruktivismus den zentralen Begriff moderner Wissenschaft dementiert: den Begriff der Wahrheit. Es gibt so viele Wahrheiten, wie es Subjekte gibt. Was dann als Residuum des Wahrheitsbegriffes übrig bleibt, ist das Passungsverhältnis subjektiver Konstruktionen untereinander. Ernst von Glasersfeld (2000a) hat dies mit dem Begriff der Viabilität umschrieben. Er unterscheidet, wie gesehen, das Wissen um das ‚Ding an sich', was das klassische Wissen um eine subjektunabhängige Wirklichkeit bezeichnet, von einem instrumentellen Wissen, das zur Bewältigung konkreter Probleme benötigt wird. Da es ein Wissen über eine subjektunabhängige Wirklichkeit nicht gibt, bleibt nur der Bezug auf das Wissen zur Problembewältigung. Kollidieren dann die Konstruktionen miteinander, ist das Passungsverhältnis gestört, wobei entweder eine der Konstruktionen oder deren Relation „nicht wahr“ bzw. „nicht viabel“ sein kann. Der Radikale Konstruktivismus lässt also ein Entscheidungskriterium übrig. Wahrheit im klassischen Sinne jedoch kann der Radikale Konstruktivismus damit nicht erreichen. Auf das Prozedere einer konsensuellen Verständigung zu setzen, ist also eine attraktive Variante, die immerhin empirische Argumente nicht kategorial ausschließt und das Moment der Transparenz beibehält. Problematisch bleibt freilich, welchen Stellenwert empirische Argumente innerhalb eines Diskurses haben können und wie sich ein intersubjektiver Konsens denken lässt.

Aus einer empirischen Perspektive ist nicht zu leugnen, dass das Subjekt im Laufe seiner Entwicklung Informationen aus der Umwelt aufnimmt, die in der Regel durch andere Subjekte vermittelt werden und Lernprozesse in Gang setzen. Dies deswegen, weil die Subjekte im Kontakt mit anderen Subjekten genötigt sind, ihre eigenen Interessen und Überzeugungen mit den Interessen und Überzeugungen eines alter Ego zu korrelieren, um etwa eine konsensuelle Übereinkunft zu erreichen. Die intersubjektive Situation ist damit komplexer als die Beziehung zur dinglichen Natur, und sie ist anregungsreicher. Sie erlaubt es erstens, Wissen zu erwerben, ohne dass je eigene Erfahrungen benötigt werden. Zweitens können dies solche Wissensinhalte sein, die jenseits des je eigenen Erfahrungsbereiches liegen. Anders formuliert: Durch den intersubjektiven Austausch können Entwicklungsprozesse, die für die eigene intellektuelle Entfaltung und für die Partizipation an einer Gesellschaft entscheidend sind, beschleunigt werden. Aus der Sicht der Theoriebildung ist die Umstellung auf das Intersubjektivitätsparadigma jedoch durch seinen immanenten Zirkel diskreditiert. Das Subjekt wird durch dieses Paradigma keineswegs eindeutig bestimmt, es fällt damit hinter das kantische „Ich denke“ zurück, das immerhin eine logische Vorstellung des Subjektiven bereitstellte. Der Subjektbegriff bleibt zwar ein formaler Hilfsbegriff, dem sich aber, aus der Erkenntniskritik deduziert, zwei Eigenschaften zuschreiben lassen: Aktivität und sinnsetzendes Differenzdenken.

Zunächst ist klar, dass durch die Aufgabe des Dualismus jegliche Passivität des Subjektes ebenfalls aufgegeben wird. Wenn das Subjekt keinen Zugang zur Wirklichkeit hat, sondern seine Wirklichkeit konstruiert, ist dies die Vorstellung eines aktiven Subjekts. Dies bedeutet, dass das Subjekt alle Erlebnisse ausschließlich unter der Ägide eigener Begriffe, Glaubenssysteme, Interpretationsschemata, Erinnerungen, etc. erlebt. Es gibt, anders formuliert, keinen Strukturoder Informationsinput, sondern immer nur je eigene Verarbeitungen und Bedeutungszuweisungen. Die Formel, nach der Subjekte nur sehen, was Subjekte sehen, meint in diesem Zusammenhang, dass sie tatsächlich nur erleben (können), was sie aufgrund subjektinterner Begriffe, etc. erleben (können). Beispiele hierfür sind die so genannten ‚selektiven Wahrnehmungen'. Andersherum gilt dann eo ipso: Subjekte erleben auch, was sie erleben, unabhängig davon, ob diesen Erlebnissen in der Außenwelt eine Korrespondenz gegenübersteht. Dies sind etwa Erlebnisse, die vermeintlich bestimmte Töne, Farben oder Sachverhalte beinhalten, von denen die Mitmenschen Auskunft geben, die von anderen zum gegebenen Zeitpunkt jedoch nicht wahrgenommen wurden.

Aus dem Erkenntnisprozess lässt sich indessen noch eine weitere inhaltliche Bestimmung des Subjekts folgern. Erkenntnisse, so etwa Baetson (1987) oder Luhmann (2002a, 2005), die über bloße Tautologien hinausgehen und einen Informationsgehalt haben, sitzen grundsätzlich einer Differenzsetzung auf. Die gewichtigste Differenz dürfte dabei die zwischen dem eigenen Ich und der Umwelt sein. Jedoch auch in jedem anderen Erkenntnisakt lässt sich eine Information gewinnen nur dann, wenn eine erkenntnisleitende Differenz gewählt wird. Also wenn etwa der Stuhl in Differenz zum Tisch gesetzt wird, so dass sich aus der gegenseitigen Negation eine weitergehende Bestimmung des Stuhls ableiten lässt. Die gesetzte Differenz ist dabei der blinde Fleck der Erkenntnis, der erst durch eine Beobachtung zweiter Ordnung transparent gemacht werden kann. Wenn nun eine Differenz gesetzt wird – und aus der konstruktivistisch gedachten Aktivität des Subjekts ist es zunächst beliebig, welche das ist – hat dies allerdings Konsequenzen. Dies wird durch das Sprichwort: Wer A sagt, muss auch B sagen zum Ausdruck gebracht. Konkret meint dies, dass jede Differenzsetzung zugleich eine Sinnsetzung derart ist, dass durch jede Differenz spezifische Anschlussoperationen möglich und andere ausgeschlossen werden. Wer also etwa den Stuhl in der Differenz zum Tisch als Sitzgelegenheit bestimmt, kann den Stuhl als Sitzgelegenheit verwenden, aber nicht als Unterhaltungsmedium. Die scheinbar absolute Beliebigkeit subjektiver Aktivität wird damit eingegrenzt. Sie operiert nicht nach dem Prinzip ‚anything goes', sondern als selbstdeterminierende und selektierende Strukturierung, die sich unter anderem im Gedächtnis niederschlägt. Das Subjekt konstruiert eine Wirklichkeit auf der Basis bereits sedimentierter Konstrukte (vgl. dazu auch Schütz/ Luckmann 1996; Piaget 1970/1996, 1976), wobei diese Konstrukte dann auch die Form ontologischer Setzungen annehmen können (vgl. Fuchs 2004).

Soweit zur inhaltlichen Qualifizierung. Aus dem Gesagten folgt nun, dass andere Subjekte genauso wenig erkannt werden können wie die Dingwelt. Andere Subjekte können auch nur den Status subjektiver Konstruktionen haben. Gleichzeitig weichen andere Subjekte, tauchen sie in der Erlebniswelt auf, offensichtlich von Dingobjekten ab: Sie reagieren auf eine ihrerseits selbstreferentielle Art und Weise oder, in den Worten Heinz von Foersters (2000): als Nicht-triviale Maschinen, die Umweltinformationen nach je eigenen Kriterien verarbeiten und damit unberechenbar werden. Andere Subjekte als aktive Konstruktionen zu behandeln, steht daher vor dem Problem, den Umstand integrieren zu müssen, dass es in der je meinigen Welt „Dinge“ gibt, die scheinbar unabhängig von eigenen Konstruktionen handeln und denken.

Der Weg, diese Bezugnahme auf andere Subjekte über das Intersubjektivitätsparadigma zu begründen, wird durch die konstruktivistische Theorieentscheidung verbaut. Dass aber überhaupt andere Subjekte als Fremdreferenz prozessiert werden, wird durch den Konstruktivismus nicht per se ausgeschlossen. Die Frage nach der Intersubjektivität oder sozialen Bezugnahme wird dann zu einer empirischen. Es geht um die Frage, ob und wie Subjekte soziale Fremdreferenzen konstruieren, ohne a priori zu unterstellen, dass sie dies zwingend tun. Intersubjektivität ist damit nicht, wie im Intersubjektivitätsparadigma angenommen wird, der äußere Motor individueller Entwicklung und damit ursächlich verantwortlich für die Persönlichkeitsentfaltung, sondern ein empirischer Inhalt des Bewusstseins, der synonym zur Dingwelt erst aktiv konstituiert werden muss. Diese Konstitution, die ihrerseits mit einer selektierenden Differenzsetzung operiert, kann dann verschiedene Inhalte annehmen. Mögliche Extrempunkte sind solche Konstruktionen des Sozialen, die dieser eine sekundäre Bedeutung für das eigene Leben zuschreiben (politischer Liberalismus), oder Konstruktionen, die das Ich grundsätzlich in einer sozialen Umwelt lokalisieren und die je eigenen Denkund Handlungsakte auf diese ausrichten (Kommunitarismus). Bei allen denkbaren Inhalten der Konstruktion von Sozialem bleibt diese aus konstruktivistischer Perspektive jedoch ein subjektinternes Konstrukt. Das heißt: Wie andere Subjekte oder soziale Einheiten erlebt werden, ist nicht dadurch bedingt, wie diese auf das erlebende Subjekt zuhandeln, sondern dadurch, nach welchen Kriterien oder Begriffen das erlebende Subjekt jene verarbeitet. Auch im Fall einer sozialen Fremdreferenz gilt also: Es gibt keinen Strukturoder Informationsinput. Damit ist, wie gesehen, ein mögliches Abgleiten des Konstruktivismus in den Solipsismus nicht ausgeschlossen. Wie Heinz von Foerster anmerkt, ist der Umstand, dass andere Subjekte als Subjekte mit den gleichen Eigenschaften, die Ego sich selbst unterstellt, konstruiert werden, zwar ein Hinweis darauf, dass Ego nicht alleine ist, sondern in einer Welt, die mit anderen Subjekten bevölkert ist. Nur ist es eben kein zwingender Hinweis, und es bleiben die Optionen, „dieses Prinzip anzunehmen oder zu verwerfen. Wenn ich es ablehne, dann bin ich der Mittelpunkt des Universums, meine Wirklichkeit sind dann meine Träume und meine Alpträume, meine Sprache ist mein Monolog, meine Logik eine Monologik.“ (v. Foerster 1993: 49)

Im letzten Fall macht eine Diskursorientierung wenig Sinn, wenngleich sie nicht unmöglich ist. Da der Solipsismus aber hier nicht weiter verfolgt werden soll, geht es darum, wie sich das Diskursprinzip darstellt, wenn es mit einem konstruktivistischen Subjekt in Verbindung gebracht wird, das mit sozialen Fremdreferenzen operiert. Die von Jürgen Habermas unterstellte gemeinsam geteilte Wirklichkeitsauffassung muss dabei als fundierendes Moment entfallen. Die Wirklichkeitskonstruktionen der Subjekte differieren sowohl bezüglich der erlebten Wirklichkeit als auch bezüglich der damit verbundenen Bedeutungszuschreibungen. Es geht also um mehr, als um die Synthetisierung von Situationsdefinitionen und theoretischen Geltungsansprüchen. Es geht um den Versuch der Ko-Konstruktion von Wirklichkeiten. Aus dem bisher Gesagten folgt nun aber, dass solche Ko-Konstruktionen sich theoretisch aus dem Radikalen Konstruktivismus nicht ableiten lassen. Sie sind nicht ausgeschlossen und könnten gegebenenfalls aus einer objektiven Beobachterperspektive auch konstatiert werden. Aus der Subjektperspektive kann ein möglicher Konsens über gemeinsame Wirklichkeitskonstruktionen jedoch nicht mehr sein als ein „gespielter Konsens“ (Luhmann 2002b: 81). Es muss den Subjekten ausreichen, je für sich davon auszugehen, dass ein Konsens gefunden worden ist. Sollte dies eine irrtümliche Annahme sein, kann sich dies erst in der Praxis zeigen. Von den Subjekten, nehmen sie eine diskursorientierte Haltung ein, muss jedenfalls verlangt werden, dass sie dies immer als Möglichkeit prozessieren: Ein gefundener Konsens könnte sich als Dissens entpuppen und dann muss nachverhandelt werden.

Ein intersubjektiver Bezug, wie er für die Idee einer Konsenswahrheit angenommen werden muss, lässt sich also nicht als tatsächliche, objektive Gemeinsamkeit von Wirklichkeitskonstruktionen denken, wenn der theoretische Rahmen der Radikale Konstruktivismus ist. Aber: Damit ist die Idee der intersubjektiven Bezugnahmen keineswegs notwendig ad acta gelegt. Als je subjektive Konstruktionsleistung – oder genauer: als Prozessieren sozialer Fremdreferenz – spricht nichts gegen eine intersubjektive Bezugnahme. Dass dabei sowohl andere Subjekte als auch die Einbindung in eine soziale Situation, die eine Orientierung an ihrerseits konstruierenden Subjekten erfordert, nicht mehr sind als subjektive Erlebnisse, tut der Idee einer Konsenstheorie der Wahrheit keinen Abbruch. Diese setzt schließlich nicht voraus, dass es einen objektiven Konsens gibt. Wenn die Subjekte eines Diskurses den Eindruck haben, einen Konsens gefunden zu haben, reicht dies völlig aus, um theoretische Geltungsansprüche zu legitimieren. Kurzum: Der Radikale Konstruktivismus schließt es nicht aus, die Idee des intersubjektiven Konsenses zu denken – als subjektives Erleben.

Bleibt die Frage nach dem Stellenwert empirischer Aussagen. Diese sollen zentral die Wahrscheinlichkeit eines Konsenses verbürgen. Im Rahmen des Radikalen Konstruktivismus kann diese Leistung aus den oben genannten Gründen nicht erbracht werden. Dennoch soll an dem Moment der Transparenz festgehalten werden, der sich seit der Aufklärung (bzw. seit Francis Bacon 1620/1990) in empirischen Aussagen manifestiert. Das Paradoxon besteht nun darin, dass seit dieser Zeit empirische Aussagen auch einer radikalen Erkenntniskritik unterworfen wurden und ihr Status fragwürdig geworden ist. Oben wurde argumentiert, dass der Radikale Konstruktivismus dieses Paradoxon dadurch entschärft, dass er empirische Aussagen als subjektive Erlebnisse zu retten vermag. Sie verlieren demnach ihre ontologische Referenz, die sie aber sowieso nie richtig hatten. Wenn empirische Aussagen als subjektive Erlebnisse reinterpretiert werden, wird ihnen also keine zusätzliche Gewalt angetan. Es spricht nun auch nichts dagegen, dass sie (als subjektive Erlebnisse) in die Diskurse eingeführt werden. Es kommt dann darauf an, ob andere Subjekte ähnliche oder vergleichbare Erlebnisse haben oder eben nicht. Im ersten Fall können sich die Subjekte problemlos auf entsprechende Diskursergebnisse einigen. Im letzten Fall müssen sie gegebenenfalls darüber verhandeln, ob, und wenn ja wie, die differierenden Erlebnisse aufgeklärt werden können. Scheint dies nicht möglich, muss geprüft werden, ob die differierenden Erlebnisse einen Konsens kategorial ausschließen. Kommen die beteiligten Subjekte zu diesem Schluss, muss der Diskurs abgebrochen oder vertagt werden. Mit anderen Worten: Wenn im Diskursprinzip ohnehin ein konstruktivistisches Element impliziert ist, das in der Lesart des Radikalen Konstruktivismus einzig an die Subjekte zurückgebunden wird, spielt der epistemologische Status empirischer Aussagen keine gewichtige Rolle. Es kommt allein darauf an, ob die Beteiligten zwanglos ihre Zustimmung geben können.

So, wie sich das konstruktivistische Element des Diskurses auf die Subjekte verschiebt, kommt diesen auch eine größere Bedeutung bei der Gestaltung des Diskurses zu. Jürgen Habermas, dessen Diskursprinizp übernommen wird, leugnet zwar nicht, dass die Subjekte eine kommunikative bzw. diskursive Einstellung einnehmen müssen, soll der Diskurs eine herrschaftsfreie Angelegenheit sein. Er kümmert sich dann aber doch eherum die sprachpragmatischen Bedingungen des Diskurses. Aus seiner Perspektive des Intersubjektivitätstheorems ist dies auch sicher folgerichtig. Mit dem Theoriewechsel zurück zur Bewusstseinsphilosophie rückt das Subjekt wieder stärker in den Fokus. Es liegt nunmehr bei ihm, ob überhaupt eine diskursive Einstellung eingenommen wird. Wenn dies passiert, folgt daraus, dass das Subjekt eine hohe Ambiguitätstoleranz prozessiert. Es muss differierende Wirklichkeitskonstruktionen als legitime Konstruktionen, die nicht einfach durch Anschauungen verifiziert oder falsifiziert werden können, einordnen und entsprechend mit ihnen umgehen. Wird dogmatisch auf der je eigenen Wirklichkeitskonstruktion beharrt, was bedeutet, dieser eine ontologische Referenz zu unterstellen, wird die Möglichkeit einer konsensuellen Einigung mindestens erschwert. Damit zusammen hängt, dass die Subjekte sich bemühen müssen, ihre Wirklichkeitskonstruktionen und die daraus abgeleiteten Interessen und normativen Überzeugungen transparent zu machen. In der Formulierung von Habermas: Sie müssen ihre Absichten offenlegen. Der Vorteil für die Subjekte selbst liegt dann darin, dass sie durch eine Orientierung an anderweitigen Argumenten ihre eigenen Konstruktionen der Wirklichkeit im Sinne eines Passungsverhältnisses weiterentwickeln können. Täuschen sie die anderen Beteiligten, stehen ihre eigenen Konstruktionen nicht zur Debatte. Sie können dann auch nicht auf den Prüfstand gestellt werden. Pico della Mirandola hatte dies einst mit den Worten umschrieben, der wissenschaftliche Wettkampf sei ein besonderer, weil in ihm „besiegt zu werden ein Gewinn ist.“ (Mirandola 1492/1990: 39) Die Terminologie Wettkampf erscheint sicher verfehlt, weil der Diskurs eben kein Wettkampf sein sollte. Mirandola ist aber zuzustimmen, dass es eine Entwicklungsoption ist, sich mit neuen Argumenten zu konfrontieren und dann die Bereitschaft zu haben, gegebenenfalls die eigenen Argumente aufzugeben. Dabei muss es den Subjekten überlassen bleiben, wann sie die eigenen Argumente aufgeben. Zwar gilt die Orientierung am „zwanglosen Zwang des besseren Arguments“. Welche Argumente aber tatsächlich zwingend sind, kann theoretisch nicht präjudiziert werden. Es ist eine empirische, mithin historische Frage [1].

  • [1] Allenfalls könnte auf Bildung verwiesen werden, die zum einen die Wahrscheinlichkeit eines optimalen Umgangs mit Argumenten erhöht und zum anderen eine bessere Einordnung der Argumente ermöglicht. Allein: Bildung darf kein Kriterium für die Teilnahme an Diskursen sein, weil diese sonst ihre normative Rolle verlieren würden. Auf bessere Bildungsmöglichkeiten für die Menschen zu drängen, kann aber eine Forderung sein, die sich aus dem Diskursprinzip ableiten lässt
 
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