Ethische Grundsätze der Forschung an Mensch und Tier ?

Respekt gegenüber den Grundrechten von Mensch und Tier ist eine Verpflichtung jedweder Forschung (Bersoff, 2008). Daher behält Forschung stets eine kritische Frage im Hinterkopf: Wie soll man den potenziellen Nutzen eines Forschungsprojekts gegen die Kosten aufwiegen, die jenen Versuchspersonen entstehen, die riskanten, schmerzhaften, belastenden oder unaufrichtigen Untersuchungen ausgesetzt werden? In Kapitel 15 berichten wir beispielsweise von klassischen Experimenten zum Thema Gehorsam gegenüber Autoritäten. In diesen Experimenten wurden Versuchspersonen getäuscht, indem man sie glauben ließ, sie würden völlig fremden Menschen lebensgefährliche elektrische Schocks verabreichen (in Wirklichkeit haben die Elektroschocks die „Opfer" in einem anderen Raum nicht erreicht und Schmerzgeräusche wurden nur geschau-spielert). Ergebnisse aus diesen Experimenten deuten darauf hin, dass die Personen nachhaltig ernsthaften emotionalen Belastungen ausgesetzt waren. Auch wenn die Erkenntnisse für ein Verständnis des menschlichen Wesens sehr wichtig sein mögen, wird man schwerlich zu dem Schluss kommen, dass dieser Gewinn an Wissen die emotionalen Kosten rechtfertigt. In Deutschland haben die DGPs und der BDP gemeinsam ethische Richtlinien veröffentlicht. Die APA gibt in den USA seit 1953 ebenfalls detaillierte ethische Richtlinien für Forschende heraus. Gegenwärtig gilt in Deutschland die Ethikrichtlinie aus dem Jahr 2016. Um sicherzustellen, dass die ethischen Rechte gewahrt bleiben, werden Forschungsvorhaben im Allgemeinen von speziellen Komitees überwacht, die für die Einhaltung der ethischen Richtlinien sorgen. Hochschulen, Krankenhäuser und Forschungsinstitute haben eigene Ethikkommissionen, die Forschungsvorhaben an Menschen und Tieren bewilligen oder ablehnen. Schauen wir uns einige der Faktoren an, nach denen solche Kommissionen ihre Entscheidungen treffen.

Freiwillige Zustimmung nach Aufklärung

Bei nahezu jedem Laborversuch mit menschlichen Teilnehmerinnen und Teilnehmern durchlaufen die Personen zu Beginn einen Prozess der Einwilligung. Sie werden über den Ablauf des Versuchs, potenzielle Risiken mid den zu erwartenden Nutzen aufgeklärt. Nachdem sie diese Informationen erhalten haben, werden die Versuchspersonen in der Regel gebeten, ein Formular zu unterzeichnen, mit dem sie ihre Zustimmung zur Teilnahme geben. Ihnen wird auch der Schutz ihrer Privatsphäre zugesichert: Alle Aufzeichnungen werden streng vertraulich bzw. anonymisiert behandelt. Die Versuchspersonen müssen der Veröffentlichung ihrer anonymisierten Daten zustimmen. Ihnen wird im Vorfeld mitgeteilt, dass sie die Untersuchung jederzeit ohne Angabe von Gründen oder negative Konsequenzen abbrechen können imd an wen sie sich wenden können, um sich gegebenenfalls zu beschweren.

Ethik und psychologische Forschung

 
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