Welche Arten von Forschung kennzeichnen den biopsychologischen Ansatz?

Obwohl die Biopsychologie nur eine unter vielen Disziplinen der Neurowissenschaft ist, so umfasst sie dennoch einen breiten und vielfältigen Forschungsbereich. Biopsychologen untersuchen die unterschiedlichsten Phänomene und sie verfolgen ihre Forschungsziele mit den unterschiedlichsten Ansätzen. Um biopsychologische Forschungsansätze näher zu charakterisieren, werden im Folgenden drei wichtige Dimensionen beschrieben, entlang denen biopsychologische Forschung variiert. Biopsychologische Forschung kann am Menschen oder an nicht-menschlichen Probanden durchgeführt werden, sie kann in Form von Experimenten oder durch nicht-experimentelle Studien realisiert werden und sie kann entweder grundlagenorientiert oder angewandt sein.

Versuchspersonen und Versuchstiere

Menschen und andere Tiere sind Gegenstand biopsychologischer Forschung. Als Versuchstiere werden am häufigsten Mäuse und Ratten verwendet, aber auch Katzen, Hunde und nichtmenschliche Primaten werden oft untersucht.

Biopsychologische Untersuchungen an Menschen haben im Vergleich zu Untersuchungen an anderen Tieren einige Vorteile: Menschen können Instruktionen befolgen, sie können über ihr subjektives Erleben berichten und ihre Käfige sind leichter zu reinigen. Die letzte Bemerkung ist natürlich scherzhaft gemeint, zeigt aber dennoch einen Vorteil der Human- gegenüber der Tierforschung auf: Humanforschung ist häufig billiger. Tierhaltung ist nur dann akzeptabel, wenn sie den höchsten Standards entspricht. Dies bedingt hohe Unterhaltskosten, was wiederum Tierforschung für viele Labors unerschwinglich macht, außer für sehr gut finanzierte Forschungseinrichtungen.

Der größte Vorteil, Menschen zu untersuchen, besteht - wenn man die Komplexität menschlicher Gehirnfunktionen verstehen will - sicherlich darin, dass sie ein menschliches Gehirn haben. Man könnte sich in der Tat fragen, warum Biopsychologen überhaupt Tierforschung betreiben. Die Antwort liegt in der evolutionären Kontinuität des Gehirns. Die Gehirne der Menschen unterscheiden sich von den Gehirnen anderer Säugetiere hauptsächlich in der Größe und dem Ausmaß der kortikalen Entwicklung. Mit anderen Worten, die Unterschiede zwischen menschlichen Gehirnen und denen verwandter Spezies sind eher quantitativ als qualitativ und somit lassen sich viele der Prinzipien der menschlichen Gehirnfunktion aus Studien an Tieren ableiten (siehe Hofman, 2014; Katzner & Weigelt, 2013; Krubitzer & Stolzenberg, 2014).

Umgekehrt haben nichtmenschliche Probanden im Vergleich zu menschlichen Probanden für die biopsychologische Forschung drei Vorteile. Erstens sind sowohl das Gehirn als auch das Verhalten von Versuchstieren weniger komplex als das des Menschen, so dass Untersuchungen an nicht-menschlichen Spezies grundlegende Gehirn-Verhalten-Interaktionen wahrscheinlicher aufdecken können. Der zweite Vorteil ist, dass dieser vergleichende Ansatz, bei dem biologische Prozesse durch den Vergleich verschiedener Spezies erforscht werden, häufig zu neuen Einsichten führt. So kann zum Beispiel der Vergleich des Verhaltens von Arten, die über eine Großhirnrinde verfügen oder keine haben, wertvolle Hinweise über kortikale Funktionen liefern. Der dritte Vorteil besteht darin, dass an Labortieren Forschung durchgeführt werden kann, die aus ethischen Gründen am Menschen nicht möglich ist. Das soll nicht heißen, dass die Tierforschung keinem strengen ethischen Kodex unterliegt (siehe Blakemore et al., 2012) - sie tut es. Allerdings gibt es für die Tierforschung weniger ethische Einschränkungen als für die Humanforschung.

Glücklicherweise gehen die meisten Biopsychologen sehr verantwortungsvoll mit ihren Probanden um, egal ob diese ihrer eigenen Spezies angehören oder nicht. Gleichwohl wird die Beurteilung ethischer Fragen nicht dem Ermessen eines einzelnen Forschers überlassen. Biopsychologische Forschung jeder Art. ob sie menschliche oder nichtmenschliche Probanden betrifft, wird von unabhängigen Kommissionen entsprechend strikter ethischer Richtlinien überwacht: „Forscher können sich nicht der folgenden Logik entziehen: Wenn die Tiere, die wir untersuchen, sinnvolle Modelle unserer eigenen, höchst komplexen Handlungen sind, dann müssen wir sie so respektieren, wie wir unsere eigenen Empfindungen respektieren." (Ulrich, 1991. S. 197)

 
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