Default-Mode-Netzwerk

Die Interpretation von Differenzbildem wird erschwert aufgrund der Tatsache, dass beim Menschen erhebliche Gehirnaktivitäten auftreten, auch wenn er ruhig sitzt und seinen Gedanken freien Lauf lässt. Dieses Aktivitätsniveau wird „default mode" (Ruhezustand) des Gehirns genannt (Raichle, 2010). Die Gehirnregionen, die im „default mode“ normalerweise aktiv sind und während kognitiver oder Verhaltensaufgaben weniger aktiv sind, bilden zusammen das „default mode" Netzwerk (Ruhezustandsnetzwerk). Es beinhaltet viele Strukturen (siehe Fox et al.. 2015), unter anderem die folgenden vier Cortexgebiete: medialer Parietalcortex, lateraler Parietalcortex, medialer Präfrontalcortex und lateraler Temporalcortex -siehe ► Abbildung 5.23.

Gemittelte Differenzbilder

Ein anderes Problem bei der Verwendung von PET oder fMRT zur Lokalisierung konstituierender kognitiver Prozesse ist durch das Rauschen bedingt, das durch zufällige zerebrale Vorgänge während des Tests entsteht: z. B. an ein plötzlich auftretendes, nagendes Hungergefühl denken, eine Fliege auf dem Bildschirm bemerken oder sich fragen, ob der Test noch lange dauern wird (siehe Mason et al., 2007). Das Rauschen, das durch solche Ereignisse entsteht, kann über ein Verfahren, das bereits in diesem Kapitel besprochen wurde, erheblich reduziert werden: die Signalmittelung.

Durch Mittelung der Differenzbilder, die man bei Wiederholungen desselben Tests hat, kann das Signal-Rausch-Verhältnis deutlich verbessert werden. So ist es üblich, die von verschiedenen Probanden erhaltenen Bilder zu mitteln. Das resultierende gemittelte Differenzbild betont Aktivitätsbereiche, die bei den meisten Probanden aktiv waren, und schwächt Aktivitätsbereiche, die nur wenige Probanden zeigen, ab. Dieses Mittelungsverfahren kann allerdings zu einem ernsten Problem führen: Wenn zwei Probanden spezifische, aber verschiedene Muster kortikaler Aktivität haben, würde das über beide gemittelte Bild wenig aussagen.

Das ist ein ernsthaftes Problem, da sich Personen bedeutsam darin unterscheiden, welche Gehirnregionen für welche kognitiven Fähigkeiten zuständig sind (siehe Braver, Cole & Yarkoni, 2010; Kanai & Rees, 2011; Lichtman & Denk, 2011). Hinzu kommt noch, dass sich die Gehirnregion, die eine bestimmte Fähigkeit kontrolliert, bei einem Individuum als Ergebnis von Erfahrung verändern kann.

 
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