Von der Retina zum primären visuellen Cortex

Im Gehirn übertragen viele Bahnen visuelle Information. Die bei weitem größten und am sorgfältigsten untersuchten visuelle Bahnen sind die retino-geni-culo-striären Sehbahnen. Sie übertragen Signale von jeder Retina über das Corpus geniculatum laterale (seitlicher Kniehöcker), ein Kemgebiet des Thalamus, zum primären visuellen Cortex, der auch striärer Cortex genannt wird.

Retino-geniculo-striäres System

Ungelahr 90 % der Axone der retinalen Ganglienzellen werden Teil der retino-geniculo-striären Bahnen (siehe Tong, 2003). Kein anderes sensorisches System hat ein vergleichbar dominierendes Paar (links und rechts) von Pfaden zum Cortex. Die Organisation dieser visuellen Bahnen ist in ► Abbildung 6.12 dargestellt. Betrachten Sie sie sorgfältig.

Das retino-geniculo-striäre System

Abbildung 6.12: Das retino-geniculo-striäre System: Die neuronalen Projektionen von der Retina über das Corpus geniculatum laterale zum linken und rechten primären visuellen Cortex (striärer Cortex). Die Farben veranschaulichen den Informationsfluss von verschiedenen Teilen der rezeptiven Felder jedes Auges zu verschiedenen Teilen des visuellen Systems (adaptiert nach Netter, 1962).

Ein wesentlicher Punkt, den Sie in ► Abbildung 6.12 erkennen sollten, ist, dass alle Signale vom linken Gesichtsfeld den rechten primären visuellen Cortex erreichen, entweder ipsilateral von der temporalen Hemiretina des rechten Auges oder kontralateral von der nasalen Hemiretina des linken Auges -und dass das Gegenteil für alle Signale vom rechten Gesichtsfeld gilt. Das Corpus geniculatum laterale besteht jeweils aus sechs Schichten und jede Schicht von jedem Corpus empfängt Signale vom gesamten kontralateralen Gesichtsfeld eines Auges. Mit anderen Worten, jedes Corpus geniculatum laterale erhält ausschließlich vom kontralateralen Gesichtsfeld visuelle Signale, drei Schichten empfangen Input von dem einen /uge (ipsilateral) und drei von dem anderen Auge (kontralateral). Die meisten Neuronen des Corpus geniculatum laterale, die zum primären visuellen Cortex projizieren (Radiatio optica = Sehstrahhmg), enden in dem unteren Teil der kortikalen Schicht IV (siehe Muckli & Petro. 2013), wobei sie im Querschnitt betrachtet charakteristische Streifen. Striae genannt, erzeugen - daher wird der primäre visuelle Cortex auch oft striärer Cortex genannt.

 
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