Retinotope Organisation

Das retino-geniculo-striäre System ist retinotop organisiert, d. h., jede Ebene des Systems ist wie eine Karte der Retina aufgebaut. Das bedeutet, dass zwei Reize, die benachbarten Bereichen der Retina präsentiert werden, auf allen Ebenen des Systems benachbarte Neurone erregen. Beim retinotopen Aufbau des primären visuellen Cortex ist die Fovea überproportional repräsentiert. Die Fovea ist zwar nur ein kleiner Teil der Retina, aber ein relativ großer Teil des primären visuellen Cortex (ungefähr 25 %) ist für die Analyse ihres Inputs reserviert.

Ein drastischer Nachweis der retinotopen Organisation des primären visuellen Cortex wurde von Dobelle. Aladejovsky und Grivin (1974) geliefert. Sie implantierten eine Anordnung von Elektroden in den primären visuellen Cortex von Patienten, die aufgrund einer Schädigung ihrer Augen blind waren. Wenn mehrere Elektroden, die auf der Cortexoberfläche der Patienten eine Gestalt bildeten, z. B. ein Kreuz, gleichzeitig elektrisch aktiviert wurden, berichteten die Patienten. dass sie ein glühendes Bild dieser Gestalt „sehen". Dieser Befund und weitere ähnliche Arbeiten (siehe Chuang. Margo & Greenberg, 2014) könnten den Grundstock für die Entwicklung visueller Prothesen bilden, von denen viele Blinden profitieren könnten (siehe Shepherd et al., 2013).

M- und P-Bahn

Aus ► Abbildung 6.12 geht nicht hervor, dass mindestens zwei unabhängige Kommunikationsbahnen durch jedes Corpus geniculatum laterale verlaufen. Eine Bahn verläuft durch die vier oberen Schichten. Diese Schichten werden als parvozelluläre Schichten (oder P-Schichten) bezeichnet, da sie aus langsamer leitenden Neuronen mit kleinen Zellkörpern aufgebaut sind (parvo bedeutet „klein“). Die andere Bahn verläuft durch die zwei unteren Schichten, die als magnozelluläre Schichten (oder M-Schich-teri) bezeichnet werden, da sie aus schneller leitenden Neuronen mit großen Zellkörpern aufgebaut sind (magno bedeutet „groß").

Parvozelluläre Neurone reagieren besonders auf Farbe, feine Musterdetails und auf stationäre oder sich langsam bewegende Objekte. Im Gegensatz dazu reagieren die magnozellulären Neurone besonders auf Bewegung. Zapfen liefern den Hauptinput für die P-Schichten, während Stäbchen den Hauptinput für die M-Schichten liefern.

Die parvozellulären und magnozellulären Neurono projizieren zu unterschiedlichen Orten im unteren Teil der Schicht IV des striären Cortex. Diese M- und P-Teile der unteren Schicht IV projizieren wiederum zu verschiedenen Teilen des visuellen Cortex.

Prüfen Sie Ihr Wissen

Hier bietet sich eine gute Gelegenheit, eine Pause einzulegen und Ihr Wissen zu überprüfen. Sind Sie für die nächsten zwei Abschnitte dieses Kapitels bereit, in denen erklärt wird, wie das visuelle System die Wahrnehmung von Kanten und Farbe vermittelt? Finden Sie es heraus, indem Sie die Lücken der folgenden Aussagen ausfüllen. Die richtigen Antworten finden Sie am Seitenende. Bevor Sie weiterlesen, sollten Sie die zu Ihren Fehlern oder Wissenslücken gehörenden Textpassagen wiederholen.

 
Quelle
< Zurück   INHALT   Quelle   Weiter >