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2.3 Zwischenfazit

Der Überblick zum Forschungsstand konnte die unterschiedlichen Konzepte und empirischen Forschungsstränge in der vergleichenden Hochschulforschung vorstellen und näherte sich dabei der Hochschulund Verwaltungsorganisation von zwei Seiten. In einem ersten Schritt wurden aus der Sicht des Hochschulund Wissenschaftssystems Konzepte der Hochschul-Governance und deren Veränderungen diskutiert. Dahingehend wurde deutlich gemacht, dass es zu einer institutionellen Erweiterung der Konzeptualisierungen für Hochschul-Governance gekommen ist, die ein analytisch sowie empirisch breiteres Verständnis für die Steuerung und Organisation innerhalb des Hochschulsektors ermöglicht. Während in den Konzeptualisierungen von Clark, Van Vught oder McDaniel die institutionelle Ebene der Hochschulorganisation kaum als ein zu differenzierendes Strukturelement von Hochschul-Governance vorgesehen war, verdeutlicht die Einführung der Governance-Dimension „institutionelles Management“ (Braun/Merrien 1999a) bzw. „hierarchische Selbststeuerung“ (De Boer et al. 2007a) die gewachsene Bedeutung, die der Leitungsund Verwaltungsorganisation im Kontext der Managementreformen im Hochschulsektor zugeschrieben wird. Eine Differenzierung nach den nationalen Besonderheiten der Hochschulund Verwaltungsleitung wird durch die Fokussierung auf die Konfiguration von Entscheidungsrechten und Governance-Formen in den Konzeptualisierungen jedoch nicht möglich. Übergreifend machen die Analysen deutlich, dass es seit Ende der 1990er Jahre, ähnlich wie in anderen europäischen Ländern, auch in Deutschland zu deutlichen Veränderungen der Governancestrukturen im Hochschulsektor kam. Analysen der Reformen der Hochschulgesetzgebung verdeutlichen die Einführung neuer Steuerungsformen sowie eine umfassende Übertragung von Entscheidungsrechten auf die institutionelle Ebene der Hochschulen (Braun/Merrien 1999; Lange/Schimank 2007).

Veränderungen der Hochschul-Governance werden in den diskutierten Beiträgen auf die Ideen und Konzepte des New Public Managements bezogen bzw. zurückgeführt. Dabei wird argumentiert, dass die Etablierung eines „neuen Managementmodells“ der Hochschulorganisation als Transformation von übergreifenden „regimes“ (Bleiklie/Kogan 2007), „belief systems“ (Braun/Merrien 1999a: 10) oder „policy paradigms“ (Gornitzka/Maassen 2000: 269; Lange/Schimank 2007: 525) im Wissenschaftsund Hochschulsektor zu verstehen ist. Sodann wird NPM in einigen Analysen zu Hochschul-Governance als ein in allen Bereichen des öffentlichen Sektors gleichermaßen vorangetriebenes Modell beschrieben und dessen Verbreitung durch die Umsetzung in Gesetzen und Hochschulordnungen seit Ende der 1990er Jahre nachverfolgt (Kehm/Lanzendorf 2006; Lange/Schimank 2007; De Boer et al. 2008; Kamm/Köller 2010). Damit wird Wandel der Governance-Beziehungen im Hochschulsektor hier im Sinne von Implementation und Rekonfiguration von Verfügungsrechten begriffen.

Wie sich ein solches „belief system“ oder „governance regime“ im spezifischen Kontext des Hochschulsystems konstituiert und inwiefern es zur Überlagerung von etablierten und neuen Organisationselementen kommt, bleibt bei dieser Fokussierung auf die Umsetzung zunächst außen vor. So lässt sich argumentieren, dass die Hierarchisierung von Leitungsstrukturen, wie sie in den Analysen zum Hochschulsektor konstatiert wird, eigentlich in einem gewissen Widerspruch zu den im Kontext des NPM postulierten Idealen der Dezentralisierung und Flexibilisierung der Verwaltungsorganisation steht. Demnach ist es angebracht, für die Analyse der Veränderungen der Verwaltungsleitung an Hochschulen ein organisationsfeldspezifisches Verständnis von Wandel zu entwickeln, das sowohl die Besonderheiten der Hochschulorganisation als auch Ungleichzeitigkeiten bei der Etablierung alter und neuer Institutionen berücksichtigt. Damit ergibt sich für die Arbeit die Frage, wie sich institutioneller Wandel der Hochschulorganisation beschreiben und differenziert analysieren lässt.

Der zweite Teil des Kapitels zielte darauf ab, einen Überblick zu den Forschungsbeiträgen zu bekommen, die sich mit den empirischen Veränderungen der Hochschulund Verwaltungsleitung beschäftigt haben. Dahingehend kann auf der Basis der berücksichtigten Studien übergreifend eine Entwicklung konstatiert werden, die im Kontext der Managementreformen durch eine stärkere Integration der Gesamtorganisation der Hochschulen und die Abschaffung vormals eher institutionell getrennter Bereiche der akademischen und administrativen Verwaltung charakterisiert ist. Zudem gehen die durch die Übertragung von Organisationsund Finanzautonomie angestoßenen Reorganisationsprozesse, den angeführten Studien zufolge, mit einem Ausbau der Hochschulund Verwaltungsleitung und ihrer administrativen Supportstrukturen einher. Die Stellung des Kanzlers in der spezifischen Konstellation einer dualen oder „bicephalischen“ Hochschulleitung (Neave 1988: 111) an deutschen Hochschulen ist bislang vor allem Gegenstand der wissenschaftsrechtlichen Analysen gewesen, umfassendere sozialwissenschaftliche Betrachtungen zur Verwaltungsleitung an deutschen Hochschulen gibt es bislang nicht.

Daher ist es das Ziel der folgenden Kapitel, die Entwicklung der Verwaltungsleitung an deutschen Hochschulen in ihrem Verhältnis zur Hochschulorganisation im Allgemeinen zu analysieren. Für die in Kapitel 5-7 erfolgende Analyse institutionellen Wandels wird im nächsten Kapitel 3 unter Rückgriff auf Konzepte aus der neoinstitutionalistischen Organisationsforschung ein theoretischer Rahmen entwickelt.

 
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