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b) Post-bürokratische Logik des Hochschulmanagements

Die Ausführungen zum Wandel der institutionellen Governance im Hochschulsektor in Kap. 2.2.1 und 3.2 haben verdeutlicht, dass die seit den 1990er einsetzenden Organisationsreformen auf ein grundsätzlich verändertes Verständnis von Hochschulen als vollständigen oder agenthaften Organisationen rekurrieren (Krücken/Meier 2006; Brunsson/Sahlin-Andersson 2000). Diese Vorstellung von Hochschulen als handlungsfähigen Organisationen, mit klaren Zielen und einer auf Entscheidungsfähigkeit abstellenden Entscheidungsstruktur lässt sich demnach als ein neues Organisationskonzept im Sinne einer post-bürokratischen Logik des Hochschulmanagements verstehen [1].

Doch auf welche Prinzipien und organisationalen Praktiken rekurriert die post-bürokratische Logik des Hochschulmanagements? Mit der zunehmend als legitim angesehenen Referenz auf gesamtorganisatorische Handlungsfähigkeit der Hochschulorganisationen geht eine deutliche Stärkung der Eigenständigkeit der Hochschule als Organisation sowohl nach außen gegenüber den staatlichen Einrichtungen als auch nach innen durch eine stärkere Integration und Hierarchisierung der hochschulischen Entscheidungsstrukturen einher. Struktur und Selbstverständnis der Hochschulleitung zielen nach dieser Logik in umfassenderer Weise auf die Weiterentwicklung und Durchsetzung der Interessen der Gesamtorganisation. Zur Herstellung einer handlungsfähigen Organisation sind dafür stärker hierarchisch strukturierte Entscheidungsprozesse und die Etablierung umfassender Entscheidungsbefugnisse der Leitung für Fragen der Binnenorganisation, des Personals und der Finanzen notwendig. Die Trennung zwischen akademischer Selbstverwaltung und der Wahrnehmung staatlicher Hochschulverwaltung wird in der post-bürokratischen Logik als Problem angesehen und daher in einer integrierten Gesamtorganisation des Hochschulmanagements zunehmend aufgelöst.

Im Hinblick auf das Hochschulleitungsmodell als eine organisationale Praxis orientiert sich die post-bürokratische Logik des Hochschulmanagements stärker an der Leitungsorganisation korporativer Organisationen mit einer nach klaren Leitungsfunktionen differenzierten Struktur des Präsidiums und den für einzelne Ressorts verantwortlichen Hochschulleitungsmitgliedern. Aus der Integration von vormals weitgehend getrennten Organisationsund Entscheidungsbereichen der Hochschulverwaltung folgt auch die Vorstellung einer weitestgehend integrierten und auf die Ziele der Hochschule als Organisation abstellenden Verwaltungsorganisation. Wie in den Darstellungen der hochschulpolitischen Diskussionen in Kap. 2.2.1 und Kap. 2.2.2 deutlich wurde, ist im im Zuge der Einführung eines an „modernen“ Managementprinzipien orientierten Hochschulleitungsstrukturen an den deutschen Hochschulen auch das Modell der Kanzlerverwaltung problematisiert worden.

Die sich mit einer post-bürokratischen Logik des Hochschulmanagements verbindenden Organisationspraktiken sehen dahingehend eine Verwaltungsleitung vor, die ein „normales“ Mitglied in der nach Ressortverantwortung organisierten Hochschulleitung darstellt. Zudem wäre im Falle einer Referenz auf die post-bürokratische Logik des Hochschulmanagements davon auszugehen, dass sich auch die Rekrutierung und das erwartete berufliche Profil stärker an der Idee einer vollständigen Organisation orientieren (Brunsson/Sahlin-Andersson 2000).

Darüber hinaus wäre im Sinne eines Wandels der Logiken der Hochschulorganisation davon auszugehen, dass sich veränderte Organisationspraktiken und Erwartungen an die Verwaltungsleitung im Kontext der post-bürokratischen Logik des Hochschulmanagements auch in einem stärker als Manager verstandenen beruflichen Profil und Selbstverständnis widerspiegeln. Dahingehend argumentiert Whitley, dass die Herausbildung spezifischer Managementrollen undn Management Skills in engem Zusammenhang mit der Entwicklung von Institutionen zu semi-autonomen Organisationen steht (Whitley 1989: 210-11). Führungshandeln im Sinne von Management, so Whitley, unterscheidet sich von bürokratischer Verwaltung im Hinblick auf die Möglichkeit und Notwendigkeit, Entscheidungen und Ressourcenallokation für die Organisation als bewusste Auswahl und damit weitgehend unabhängig von vorgegebenen Regeln vollziehen zu können (Whitley 1989: 211).

Die Tabelle 1 stellt die einzelnen Elemente der post-bürokratischen Logik des Hochschulmanagements im Hinblick auf das organisationale Feld, die institutionelle Selbststeuerung sowie die Stellung und das berufliche Profil der Verwaltungsleitung im Überblick zusammen:

Tabelle 1: Idealtypische Beschreibung institutioneller Logiken der Hochschulorganisation am Beispiel der Verwaltungsleitung

Akademisch-bürokratische Logik der Hochschulverwaltung

Post-bürokratische Logik des Hochschulmanagements

Hochschulsektor als organisationales Feld

Legitimation

Hochschule als Institution

Hochschule als vollständige, handlungsfähige Organisation

Institutionelle Selbststeuerung

EntscheidungsModus

Kollegialität bürokratische Detailregulierung

Hierarchie

Finanzierung

Kameralistik

Globalhaushalt

Leitungsmodell

Rektor

Präsidium

Hochschulverwaltungsorganisation

Verwaltungs-Dualismus Bürokratieprinzip

Ressorts für Hochschulentwicklung

Flexible Managementorganisation

Organisationale Praktiken auf der Ebene der Hochschulverwaltungsleitung

Amtsfunktion

Kanzler

Hauptamtlicher Vizepräsident

Stellung

Leitungsdualismus

Mitglied der Hochschulleitung

Rekrutierung

gemeinsam von Ministerium und

Hochschule ernannt/bestellt

vornehmlich durch Entscheidung der Hochschule ernannt

Dienstvorgesetzter

Minister/ium

Hochschulleitung

Dienstlicher Status

unbefristete Amtszeit, Beamter auf Lebenszeit

befristete Amtszeit, Beamter auf Zeit / Angestellter

Qualifikation

juristische Kenntnisse, Verwaltungserfahrung

Führungserfahrung, Managementkenntnisse

Berufliches Selbstverständnis

Hochschulverwalter, Rechtmäßigkeit

Leitungsspitze/Hochschulmanager,

Effizienz – Organisationserfolg

  • [1] Trotz oder gerade wegen der allgegenwärtigen Referenz auf „Management“ im Kontext der Modernisierungspolitiken des öffentlichen Sektors verweisen Beiträge in der Organisationsforschung auf die Beständigkeit des bürokratischen Organisationsprinzips (vgl. z.b. Olsen 2005). Daher argumentieren einige Autoren, dass die Ablösung regelbasierter Strukturen der Verwaltungssteuerung durch die Umsetzung korporativer Managementinstrumente in Organisationen des öffentlichen Sektors eher im Sinne eines „post-bürokratischen“ Prinzips zu verstehen sind, bei dem wichtige Elemente der Bürokratie durch Managementelemente ergänzt bzw. überformt werden (Budd 2007; Parker/Bradley 2004). Daher wird bei der Beschreibung der Veränderungen der deutschen Hochschulorganisation im Kontext der Reformprozesse des öffentlichen Sektors auf die Bezeichnung als „post-bürokratische Logik“ des Hochschulmanagements zurückgegriffen
 
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