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3.4 Zwischenfazit

Aufbauend auf der Charakterisierung von Hochschulen als spezifischen Organisationen (Musselin 2007) hat die in diesem Kapitel erfolgte Diskussion der Entwicklung von Hochschulen als strategischen, agenthaften oder vollständigen Organisationen gezeigt, dass sich hinter dieser These sehr unterschiedliche, mitunter alternative konzeptionelle Annahmen verbergen. Diese Unterschiede sind auf ein divergierendes Verständnis von Organisationen bzw. Akteuren sowie der Konzeptualisierung von organisationalem Wandel zurückzuführen. Im Unterschied zum konfigurativen Ansatz stellt die Entwicklung von Hochschulen als agenthaften bzw. vollständigen Organisationen im neoinstitutionalistischen Theorieverständnis nicht nur auf die Herausbildung tatsächlicher materieller und sozialer Handlungskompetenzen ab, sondern auch auf institutionelle Erwartungen und Zuschreibungen auf der Ebene der Gesellschaft. Dahingehend wurde argumentiert, dass zur Analyse institutionellen Wandels der Hochschulorganisation auf der gesellschaftlichen und der organisationsstrukturellen Ebene ein Zusammendenken beider Perspektiven notwendig ist. Zudem wurde darauf verwiesen, dass angesichts der durch die organisationstheoretische Forschung herausgearbeiteten spezifischen Funktionsweise und institutionellen Einbettung von Hochschulen davon ausgegangen werden kann, dass institutioneller Wandel von einem Archetypus (Greenwood/Hinnings 1993; Kirkpatrick/Ackroyd 2003) zu einem anderen Ungleichzeitigkeiten und hybride Konstellationen impliziert.

Um institutionellem Wandel der Hochschulorganisation am Beispiel der Verwaltungsleitung in Deutschland im weiteren Verlauf der Arbeit analytisch darzustellen und damit verbundene Übergänge sowie Hybridisierungen herauszuarbeiten, ist ein konzeptioneller Ansatz notwendig, der den institutionalisierten Elementen der Hochschulorganisation auf der regulativen, organisationsstrukturellen und beruflichen Ebene der Hochschulorganisation im Zeitverlauf nachzugehen vermag. Hierfür wurde das Konzept institutioneller Logiken als Analyseansatz für „shifting bases of legitimacy“ (Friedland/Alford 1991; Thornton/Ocasio 2008; Thornton et al. 2012) aus der neoinstitutionalistischen Organisationsforschung eingeführt. Als Forschungsheuristik ermöglicht der Ansatz institutioneller Logiken, das Zusammenwirken zwischen normativen, materiellen (konfigurativen) und symbolischen Aspekten von Institutionen herauszuarbeiten (Thornton et al. 2012: 5).

Auf der Basis der diskutierten Beiträge wurde argumentiert, dass institutionelle Logiken gesellschaftliche Überzeugungen insbesondere innerhalb eines organisationalen Feldes beschreiben, die mit formalen und kulturellen Organisationsregeln korrespondieren. Der Rekurs auf das Konzept der institutionellen Logiken impliziert insofern ein analytisches Zusammendenken der Befunde zur formalstrukturellen Rekonfiguration auf der Organisationsebene mit den Veränderungen gesellschaftlicher Zuschreibungen über die Hochschule als vollständige oder agenthafte Organisation. Zudem erweitert der Ansatz institutioneller Logiken die stark auf isomorphe Anpassungsprozesse fokussierte Argumentation institutionellen Wandels und kann damit hybride Übergänge des Wandels der Hochschulorganisation verständlich machen (Campbell 2004; Czarniawska/ Sevon 1996).

Darauf aufbauend wurde abschließend argumentiert, dass sich institutioneller Wandel der Hochschulorganisation als Übergang zweier dominanter Logiken der Hochschulorganisation – der akademisch-bürokratischen Logik der Hochschulverwaltung und der post-bürokratischen Logik des Hochschulmanagements

– begreifen lässt. Hierfür wurden in einem letzten Schritt zentrale Elemente für beide institutionellen Logiken der Hochschulorganisation im Hinblick auf die Verwaltungsleitung an deutschen Hochschulen verdeutlicht. Aus Sicht des Ansatzes der institutionellen Logiken ist es wichtig, beim institutionellen Wandel der Hochschulorganisation nach der Genese der Hochschulorganisation am Beispiel der Verwaltungsleitung zu fragen. Daher macht die Analyse zunächst einen Schritt zurück und geht anhand eines historischen Überblicks der Genese institutioneller Logiken im Hochschulsektor im Hinblick auf deren Leitungsund Verwaltungsorganisation nach.

 
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