Schlussfolgerung: Biopsychologie des Gedächtnisses mit Relevanz für Sie

Da dieses Kapitol sich bisher auf die amnestischen Auswirkungen von Hirnschädigungen konzentriert hat, könnte bei Urnen der Eindruck entstanden sein, dass die biopsychologische Untersuchung des Gedächtnisses für Personen mit unversehrten Gehirnen, also beispielsweise für Sie. kaum Relevanz hat. Dieser letzte Abschnitt veranschaulicht, dass das mcht der Fall ist. Er tut dies, indem er zwei interessante Forschungsansätze und eine provokative Fallstudie beschreibt.

Infantile Amnesie

Wir alle haben eine sogenannte infantile Amnesie, das heißt, wir erinnern uns an so gut wie keine Ereignisse aus unserer Kindheit (siehe Callaghan, Li & Richardson, 2014; Sneed, 2014). Newcombe und ihre Kollegen (2000) warfen daher die folgende Frage auf; Zeigen normale Kinder, die nicht in der Lage sind, Dinge aus ihrer frühen Kindheit explizit zu erinnern oder wiederzuerkermen, erhaltene implizite Erinnerungen an diese Dinge? Die Ergebnisse von zwei Experimenten sprechen dafür, dass die Antwort „ja" lautet.

In einer Studie zur infantilen Amnesie (Newcombe & Fox, 1994) wurde Kindern eine Reihe von Fotografien von Kindern im Vorschulalter gezeigt, von denen einige Fotos ehemalige Freunde aus dem Kindergarten waren. Die Kinder zeigten, unabhängig davon, ob sie ihre ehemaligen Kindergartenfreunde erkannten oder nicht, konsistent große Hautleitfahigkeitsreaktio-nen auf die Fotografien der ehemaligen Kindergartenfreunde, aber nicht auf Kontrollbilder.

In einer zweiten Studie zur infantilen Amnesie verwendeten Drummey und Newcombe (1995) eine Version des Unvollständige-Bilder-Tests. Zuerst zeigten sie 3-Jährigen, 5-Jährigen und Erwachsenen eine Reihe von Zeichnungen. Drei Monate später wurden die impliziten Erinnerungen für diese Zeichnungen beurteilt, indem jeder Teilnehmer dazu aufgefordert wurde, diese und einige Kontrollzeichnungen so schnell wie möglich zu identifizieren („Das ist ein Auto,“ „Das ist ein Stuhl“ etc.). Während der Untersuchung wurden die Zeichnungen zunächst sehr unscharf, aber mit der Zeit allmählich schärfer präsentiert. Nach diesem Test des impliziten Gedächtnisses wurde das explizite Gedächtnis beurteilt, indem die Probanden gefragt wurden, bei welchen Zeichnungen sie sich erinnerten, diese zuvor gesehen zu haben. Die 5-Jährigen und die Erwachsenen zeigten ein besseres explizites Gedächtnis als die 3-Jährigen, das heißt, sie erinnerten die Zeichnungen aus der ursprünglichen Serie besser. Allerdings zeigten alle drei Gruppen ein beträchtliches implizites Gedächtnis: Alle Probanden konnten die Zeichnungen, die sie zuvor gesehen hatten, schneller als die Kontrollbilder identifizieren, und das sogar, wenn sie keine bewusste Erinnerung daran hatten, diese zuvor gesehen zu haben.

 
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