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4.1 Dokumentenanalyse der Landeshochschulgesetze

Zunächst wurden die 11 bzw. (nach 1990) 16 Landeshochschulgesetze (LHG) [1] aus dem Zeitraum zwischen 1971-2013 hinsichtlich ihrer relevanten Bestimmungen für die Stellung und den Status der Verwaltungsleitung mittels einer Dokumentenanalyse untersucht. Prior (2003) versteht die Dokumentenanalyse als ein sozialwissenschaftliches Analyseinstrument, bei dem Textmaterial in vorhandenen Dokumenten im Hinblick auf konkrete theoretische Fragestellungen ausgewertet wird. Diese Herangehensweise ermöglicht ähnlich wie eine Inhaltsanalyse das Aufdecken formaler und latenter Kontexte und Zuschreibungen in manifesten Texten (Brosius et al. 2009: 140ff.). Da es bisher keine Daten zur formalen Organisation der Verwaltungsleitung an deutschen Hochschulen gibt, wurde dieses Verfahren angewandt, um durch eine explorative Herangehensweise einen Überblick über die strukturellen Elemente zu entwickeln. Die übergeordnete Zielsetzung besteht dabei im Vergleich der organisationsrechtlichen Vorgaben sowohl im Zeitverlauf als auch zwischen den LHG der einzelnen Bundesländer. Insgesamt gliedert sich die Dokumentenanalyse dabei in vier Untersuchungsabschnitte:

1. Eingrenzung der Daten durch die Festlegung auf Gesetzgebungsphasen und die Auswahl der Dokumente bzw. der relevanten LHG

2. Entwicklung des Untersuchungsinstruments durch das Aufstellen eines Fragenkatalogs sowie damit korrespondierender Kategorien und Zuordnungsregeln

3. Test des Untersuchungsinstruments anhand von drei LHG

4. Gesamtanalyse des Datenmaterials der LHG

5. Auswertung, Diskussion und Darstellung der Ergebnisse

Die Untersuchung beschränkt sich auf die rechtlichen Bestimmungen in den LHG, welche als „Hochschulgesetz“ entweder für alle staatlichen Hochschulen oder aber – differenziert nach dem Hochschultyp als „Universitätsgesetz“ – nur für die Universitäten gelten. Die in einigen Bundesländern gesondert erlassenen Gesetze für Fachhochschulen bzw. Hochschulen ohne Promotionsrecht wurden im Rahmen der Dokumentenanalyse nicht berücksichtigt. Dies bedeutet zwar die Beschränkung auf einen institutionellen Hochschultyp, zugleich ermöglicht diese Vorgehensweise aber eine bessere Standardisierung bzw. Vergleichbarkeit. Aus dem expliziten Fokus auf die LHG resultiert zudem, dass nur die Verwaltungsleitungsorganisation auf der abstrakten Ebene der gesetzlichen Regulierung erfasst wird. Über die detaillierte Formalstruktur auf der Organisationsebene der Hochschulen und zu den damit verbunden Organisationspraktiken können daher keine Schlussfolgerungen gezogen werden.

Der Zugang zu den LHG erfolgte auf der Grundlage der durch die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) in den „Dokumenten zur Hochschulreform“ (HRK 1970, 1980, 1990, 1996, 1996a, 1996b) archivierten Gesetzestexte. Diese enthalten die jeweils gültigen Ausgaben der LHG aller Bundesländer und wurden zumeist zum Ende einer Dekade verabschiedet. Die zum Analysezeitpunkt jeweils aktuellen Gesetzestexte der LHG wurden über die Veröffentlichungen auf der Internetseite der Ministerien recherchiert. Analog zu diesem Zugang zu den Gesetzestexten der LHG erfolgte dann eine Einteilung in vier Gesetzgebungszeiträume: 1971-1980; 1981-1990; 1991-2000; 2001-2013. Mit der gewählten Einteilung der Gesetzgebungszeiträume wurde sichergestellt, dass alle LHG im Zeitraum seit der Verabschiedung des Hochschulrahmengesetzes 1976 und dessen umfassender Novellierung 1998 hinsichtlich der organisationsrechtlichen Vorgaben betrachtet werden konnten. Der letzte Gesetzgebungszeitraum wurde mit Blick auf die Aktualität der vorliegenden Analyse ausgeweitet [2].

Für die Auswertung des Textmaterials wurden unter Bezug auf die in Kapitel 3.3.3 entwickelten strukturellen Elemente institutioneller Logiken der Hochschulorganisation am Beispiel der Verwaltung konkrete Fragestellungen an die Gesetzestexte aufgestellt und für diese wurden im Verlauf der Analyse der Gesetzestexte jeweils zugeordnete Kategorien entwickelt. Die Entwicklung der Unterkategorien erfolgte dabei unter der Maßgabe der Vollständigkeit und Trennschärfe. Dabei wurde auch auf die umfangreiche rechtswissenschaftliche Kommentierung zur Leitungsund Verwaltungsorganisation der Hochschulen sowie auf die wissenschaftsrechtlichen Arbeiten zur Stellung des Kanzlers zurückgegriffen (Ludwig 1984; Epping 1993; Neese 1999; Horst/Bußmann 2003;

Horst/Neyses 2007).

Tabelle 2: Fragestellungen und Kategorienschema für die Dokumentenanalyse

Strukturelle Elemente

Fragestellung

Leitungsmodell

Welche Leitungsverfassung wird vorgegeben?

Welche Zusammensetzung der HL sieht das Gesetz vor? Gibt es eine Experimentierklausel?

Verwaltungsorganisation

Welche Vorgaben gibt es zur Rechtsform? Wird die Einheitsverwaltung vorgeschrieben?

Stellung der VL

Welchen Funktionstitel hat die VL? Ist die VL Mitglied der HL?

Welche Aufgaben hat die VL? Welche Kompetenzen hat die VL? Welche Bindung / Unterordnung besteht zwischen VL und HL?

Inwiefern fungiert die VL als Mitglied / Beratung der Gremien?

Inwiefern agiert die VL nach den Vorgaben Personalverantwortung?

Dienstlicher Status der VL

Wer ist Dienstvorgesetzter der VL?

Ist die Amtszeit unbefristet oder befristet?

Welche dienstrechtliche Stellung wird für die VL vorgegeben?

Kann die VL abgewählt werden?

Rekrutierung

Welche Mitwirkungsrechte haben Ministerium und die Organe der Hochschule bei der Auswahl und Ernennung der VL?

Wird die VL bestellt oder ernannt?

Welche qualifikatorischen Voraussetzungen gibt es für die VL?

HL = Hochschulleitung VL = Verwaltungsleitung

  • [1] Zur Vereinfachung wird im Text „LHG“ sowohl für den Singular als auch den Plural von Landeshochschulgesetze verwendet
  • [2] Die in der Dokumentenanalyse verwandten LHG werden mit Datum und Zuordnung zur Gesetzgebungsphase im Anhang der Arbeit aufgelistet
 
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