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5 Historische Entwicklung der Verwaltungsleitung

Obschon Universitäten als vergleichsweise alte Organisationsformen gelten können, ist die Etablierung einer eigenständigen Leitungsund Verwaltungsorganisation auf der institutionellen Ebene der Hochschulen ein historisch eher jüngeres Phänomen. Die Herausbildung der akademischen Selbstverwaltung und die Funktionsweise der hochschulischen Ressourcenverwaltung gestaltete sich in Abhängigkeit des wechselhaften Verhältnisses zwischen Universität und Staat, welches sowohl die Rechtsstellung der Hochschulen als auch die formalen Strukturen ihrer Leitung und Verwaltung wesentlich bestimmte (Kahl 2004; Kluge 1958). Wie jedoch kam es historisch zur Etablierung einer eigenen Verwaltungsorganisation und des Amtes der Verwaltungsleitung an deutschen Hochschulen? Welche Organisationsformen der Vermögensund Ressourcenverwaltung sind damit einhergegangen und wie gestaltete sich das Verhältnis zwischen Hochschulträger und der akademischen Selbstverwaltung?

Diesen Fragen nachgehend ist es Ziel dieses Kapitels, die historische Genese der Hochschulverwaltungsorganisation und ihrer Leitung im deutschen Hochschulwesen nachzuvollziehen, um so den historischen Kontext der in den Kapiteln 6 und 7 eingehender zu analysierenden institutionellen Logiken der Hochschulorganisation verständlich zu machen. Selbstverständlich kann eine solche Darstellung der langen historischen Entwicklung nur skizzenhaft sein und lediglich zentrale Entwicklungsschritte herausheben. Dabei greift die Analyse auf Beiträge der Universitätsgeschichtsschreibung und der Rechtswissenschaften zurück, die sich mit der Geschichte der Universitätsorganisation (Kluge 1958; Moraw 1982; Roellecke 1996; Ellwein 1985; Weber 2002), dem Verhältnis zwischen Staat und Hochschule (Gerber 1953; Gallas 1976; Oppermann 1996; 2005; Oldiges 1993; Kahl 2004) sowie der historischen Entwicklung der Hochschulverwaltung bzw. Stellung der Verwaltungsleitung (Boehm 1966; Bornhak 1900; Pleyer 1955; Oppermann 1996; Heß 2000; Breitbach 2005) beschäftigen.

In der Literatur zur Universitätsgeschichte werden zumeist unterschiedliche Entwicklungsphasen ausgemacht, die jeweils mit unterschiedlichen „Verfassungsgrundtypen“ der Hochschulorganisation korrespondieren. Moraw (1982) unterscheidet aus einer etwas allgemeineren Perspektive drei zentrale Phasen der deutschen Universitätsgeschichte: a) die vorklassische Phase zwischen dem 14. Jh. bis um 1800, b) die klassische Phase der Universitätsidee ab dem frühen 19. Jh. und c) die nachklassische Phase ab den 1960er Jahren. Moraws Dreiteilung der deutschen Universitätsgeschichte den folgenden Ausführungen zu Grunde gelegt.

Die Analyse beginnt bei den ersten Gründungen mittelalterlicher Universitäten und ihrem Verhältnis zum jeweiligen kirchlichen bzw. weltlichen Träger, in denen zumeist ein Kirchenvertreter als Kanzler die Aufsicht und den Schutz der Universität übernahm. Zur Etablierung einer eigenständigen Hochschulverwaltung kam es im Kontext der Humboldtschen Universitätsreformen, allerdings zunächst in Form einer staatlichen Kuratorialverwaltung, an deren Spitze ein zwischen Universität und Ministerium vermittelnder Kurator stand. In diese Phase fällt auch die Etablierung jener formalen Trennung der Hochschulverwaltung zwischen akademischen Angelegenheiten und der universitären Vermögensverwaltung, die für die weitere Entwicklung der Hochschulorganisation prägend werden sollte.

Der Ausbau eigenständiger Verwaltungseinheiten innerhalb der deutschen Hochschulen erfolgte in der Nachkriegszeit und markierte die Abschaffung der durch die Kuratorialverwaltung etablierten räumlichen Trennung der Verwaltungsangelegenheiten. Unter dem rechtlichen Diktum einer Einheitsverwaltung, an deren Spitze der Kanzler oder der leitende Verwaltungsbeamte stand, wurden nunmehr alle Verwaltungsangelegenheiten der Hochschule unter „einem Dach“ wahrgenommen. Gleichwohl war damit die Aufteilung zwischen staatlichen und akademischen Angelegenheiten jedoch nicht aufgehoben, sondern lediglich im Sinne der Aufgabenwahrnehmung auf die Hochschule übertragen worden. In dieser durch das dualistische Organisationsprinzip geprägten Konstellation wurde der Universitätsbzw. Hochschulkanzler der Hochschulleitung zur Seite gestellt. Erst mit der übergreifenden Einführung einer kollegialen Hochschulleitung und später einer stärker nach Ressortverantwortlichkeiten gegliederten Leitungsund Verwaltungsorganisation vollzieht sich eine vollständige Integration der Verwaltungsleitung in die Hochschule.

Der hier am Beispiel der Verwaltungsorganisation herausgearbeitete Wandel der Hochschulorganisation macht daher deutlich, dass sich die Stellung der Verwaltungsleitung in den einzelnen Entwicklungsschritten vor allem daran bemessen hat, welche organisatorische Form und institutionelle Autonomie der Hochschulverwaltung zugeschrieben wurde. Institutioneller Wandel der Hochschule zu einer handlungsfähigen Organisation zeigt sich insofern keineswegs erst im Kontext der NPM-Reformen, sondern umschreibt vielmehr einen längeren Entwicklungsprozess, der insbesondere durch zunehmende Abgrenzung von der kirchlichen bzw. staatlichen Aufsicht geprägt gewesen ist.

 
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