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5.4 Zwischenfazit

Die Stellung der Verwaltungsleitung und ihrer hier betrachteten Funktionen des Kanzlers bzw. Kurators hat sich im Verlauf der historischen Entwicklung dem jeweiligen Verhältnis zwischen Hochschule und ihrem Träger angepasst. Mithin hat sich das Kanzleramt hinsichtlich seiner Funktionen und Konfiguration gegenüber der Hochschule als sehr wandelbar gezeigt (Boehm 1966: 187). Veränderungen der Stellung und Aufgaben der Verwaltungsleitung ergaben sich sowohl aus dem Wandel des Anspruchs und Zugriffs des Staates auf die Entwicklung der Universitäten als auch dem Wachstum des universitären Vermögens und Personals als Gegenstand der Verwaltung. Während Vermögensverwaltung im Kontext der mittelalterlichen Universitätsaufsicht sich auf ein nur kleines Stiftungsvermögen bezog, kam es in der historischen Entwicklung der Universitäten zu einer ständigen Erweiterung der Verwaltungsbereiche und der internen Hochschulverwaltungsorganisation, die sich nun auch auf das Verwaltungspersonal, die Studierendenverwaltung und die Beschaffung bzw. Instandhaltung großer Forschungsanlagen bezieht.

Die Beschreibung der historischen Herausbildung einer eigenständigen Verwaltungsorganisation an deutschen Hochschulen hat deutlich gemacht, dass deren Entwicklung insbesondere auf die Initiative der weltlichen bzw. staatlichen Träger der Universitäten erfolgt ist. Der organisatorische Ausbau der Hochschulverwaltung, aber auch deren Verwaltungstechniken wie z.B. die Kameralistik waren insofern immer auch mit einem „Hineinwachsen“ des Staates in die ursprünglich weitgehend autonome Universitätsorganisation verbunden. Nicht zuletzt aufgrund dieser engen administrativen Abhängigkeit wurden die Hochschulen in Deutschland über weite Strecken der historischen Entwicklung als Anstalt geführt und nicht als eigenständige Organisation verstanden. Erst mit der Entwicklung der Hochschulgesetzgebung in der Nachkriegszeit wurde mit der Konstruktion einer dualen Rechtsstellung und formalen Aufteilung der Verwaltungsangelegenheiten den Hochschulen eine umfassende wissenschaftliche Autonomie übertragen.

Den Ausgangspunkt des dualistischen Organisationsprinzips der Hochschulverwaltung – und daher besonders prägend für die Entwicklung der Hochschulverwaltungsleitung an deutschen Hochschulen – bildet die preußische Kuratorialverwaltung und Wissenschaftspolitik seit Ende des 18. Jahrhunderts. Aus den Erfahrungen mit der preußischen Kuratorialverwaltung und der Humboldtschen Konzeption von Universität und Wissenschaftsfreiheit resultierten wesentliche Impulse für die spätere Gestaltung der Leitungsorganisation an deutschen Hochschulen seit der Nachkriegszeit, wie sie in Kapitel 3.3 als akademischbürokratische Logik beschrieben wurden. Insofern ist die Etablierung der Präsidentenverfassung und der Einheitsverwaltung im Kontext des Neubeginns der deutschen Hochschulorganisation in der Nachkriegszeit als Überwindung der Kuratorenverfassung zu betrachten. Die duale Rechtsstellung sowie Leitungs und Verwaltungsorganisation der Hochschulen bedeutete zwar eine Auflösung der räumlichen Trennung zwischen akademischer Selbstverwaltung und Hochschulverwaltung, die jedoch funktional mit der Kanzlerverfassung innerhalb der Hochschule aufrechterhalten wurde. Diese Unterscheidung zwischen körperschaftlicher (akademischer) und staatlicher Hochschulverwaltung dürfte für die Hochschulleitung mit inhärenten Abgrenzungsschwierigkeiten verbunden gewesen sein.

Die Analyse der unterschiedlichen Organisation und Funktionen der Hochschulverwaltungsleitung hat gezeigt, dass sich – angefangen mit dem religiösen Würdenträger als Universitätskanzler der mittelalterlichen Universitäten, dem Kurator als Organ einer sich langsam ausdifferenzierenden staatlichen Kulturverwaltung und nachfolgend dem Hochschulkanzler als Leiter der Hochschulverwaltung – eine institutionelle Entwicklung nachvollziehen lässt, die mit der Einführung der hauptamtlichen Vizepräsidenten für Haushalt und Personal im Kontext der jüngsten Hochschulreformen auf eine zunehmende organisatorische Integration der Verwaltungsleitung in die Hochschulorganisation hinausläuft. Wie sich dieser Prozess einer zunehmenden Integration der Stellung der Verwaltungsleitung an deutschen Hochschulen jedoch im Detail vollzogenen hat und auch mit veränderten Zuschreibungen hinsichtlich der Aufgaben und des beruflichen Profils der Verwaltungsleitung verbunden sind, soll Gegenstand der nächsten beiden Kapitel 6 und 7 sein. Dabei wird auch der Frage nachgegangen, inwiefern es damit zur Etablierung einer neuen post-bürokratischen Logik gekommen ist.

 
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