Gehirnmechanismen menschlicher Emotionen

Dieser Teil dieses Kapitel behandelt die Gehimme-chanismen menschlicher Emotionen. Wir wissen immer noch nicht, wie das Gehirn das Erleben und den Ausdruck von Emotionen kontrolliert oder wie das Gehirn Emotionen von anderen interpretiert. Aber es gibt Fortschritte. Jede der folgenden Abschnitte illustriert ein Gebiet, auf dem Fortscliritte erzielt wurden.

Kognitive Neurowissenschaft der Emotionen

Die kognitiven Neurowissenschaften sind heute der dominierende Ansatz, um die Gehirnmechanismen von menschlichen Emotionen zu untersuchen (manche Forscher sprechen dann spezifisch von den affektiven Neurowissenschaften). Es wurden viele funktionelle Bildgebungsstudien durchgeführt, die Menschen während des Erlebens oder der Vorstellung von Emotionen untersucht haben oder während sie andere, die Emotionen erleben, angeschaut haben. Diese Studien haben drei Punkte herausgearbeitet, die unser Verständnis von den Gehirnmechanismen von Emotionen auf grundlegende Art vorangebracht haben (siehe Neumann et al., 2014; Wood et al., 2016).

■ Die mit einer menschlichen Emotion einhergehende Gehirnaktivität ist diffus, es gibt kein Zentrum für jede Emotion (siehe Feinstein. 2013), Das Mosaik und nicht ein Zentrum ist das richtige Bild, um die Lokalisation der Gehirnmechanismen von Emotionen zu beschreiben,

■ Wenn eine Person eine Emotion erlebt oder mit einer anderen Person mitfühlt, die eine Emotion erlebt, dann treten praktisch immer Aktivitäten in motorischen und sensorischen Gehirngebieten auf (siehe ► Abbildung 18.12).

■ Es werden meistens sehr ähnliche Aktivitätsmuster im Gehirn registriert, wenn eine Person eine Emotion empfindet, sich diese Emotion vorstellt oder eine andere Person sieht, die diese Emotion empfindet.

Diese horizontalen, sagittalen und koronaren fMRT-Bilder zeigen eine erhöhte Aktivität im primären motorischen Cortex

Abbildung 18.12: Diese horizontalen, sagittalen und koronaren fMRT-Bilder zeigen eine erhöhte Aktivität im primären motorischen Cortex (M1) und im prämotorischen Cortex (PMC), wenn Probanden einen emotionalen Gesichtsausdruck anderer beobachten. Dieselben Gebiete sind auch aktiv, wenn die Probanden diesen Gesichtsausdruck hatten (nach Carr et al., 2003).

Diese drei grundlegenden Befunde beeinflussen das Denken der Forscher über die neuronalen Mechanismen von Emotionen. Beispielsweise wird heute an

genommen, dass die Aktivität in sensorischen und motorischen Cortexgebieten ein wichtiger Teil des Mechanismus ist, durch den Emotionen erlebt werden. Das Wiedererleben von zusammenhängenden Mustern motorischer, autonomer und sensorischer, neuronaler Aktivität während des emotionalen Erlebens wird als „Embodiment" (Verkörperung) der Emotion bezeichnet (siehe Wang et al.. 2016). Diese Befunde könnten auch dazu beitragen zu verstehen, warum Menschen die bemerkenswerte Fähigkeit haben, Empathie mit anderen zu empfinden.

 
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