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7 Berufliches Profil der Hochschulverwaltungsleitung

Die Analyse der Vorgaben der LHG für die Leitungsund Verwaltungsorganisation an deutschen Hochschulen im vorangegangenen Kapitel hat aufgezeigt, dass institutioneller Wandel der Hochschulorganisation mit deutlichen Veränderungen der organisatorischen Stellung der Verwaltungsleitung korrespondiert. Dabei wurde argumentiert, dass der zunehmende gesellschaftspolitische und organisationale Rekurs auf eine post-bürokratische Logik des Managements im Hochschulwesen vor allem an den Veränderungen des dienstlichen Status, des formalen Rekrutierungsprozesses und an den veränderten qualifikatorischen Zuschreibungen für das Amt der Verwaltungsleitung deutlich wird. Doch welche Auswirkungen haben diese formalen Veränderungen in der Organisationspraxis gehabt? Inwiefern spiegelt sich institutioneller Wandel von einer akademisch-bürokratischen Logik der Hochschulverwaltung zu einer postbürokratischen Logik des Managements auch im beruflichen Profil der Kanzler und hauptamtlichen Vizepräsidenten wider?

Eine zentrale Annahme des Ansatzes institutioneller Logiken besteht darin, dass mit dem Wandel übergreifender Organisationsprinzipen Veränderungen von formalen Strukturen, symbolischen Referenzen und Organisationspraktiken einhergehen, die vor dem Hintergrund veränderter Zuschreibungen innerhalb eines Organisationsfeldes zunehmend als „legitim“ gesehen und damit nicht mehr hinterfragt werden (Thornton et al. 2012: 2, 10). Institutionelle Logiken stellen dahingehend – evtl. neue – Interpretationsschemata für professionelle Gruppen oder Organisationsmitglieder bereit, aus denen auch spezifische organisationale Praktiken und berufliche Interaktionsformen resultieren können (Lounsbury et al. 2003: 96). Berufliche Identitäten werden insofern durch übergreifende soziale Erwartungen und Rollenmuster innerhalb einer institutionellen Logik mit geprägt (Lok 2010). Meyer/Hammerschmid (2006) argumentieren dahingehend: „For an institutional logic to change, not only are shifts in the rationality criteria, new forms and practices, procedures, technologies or regulations required, also new social identities need to be available and enacted by the actors.“ Erst im Zuge der Institutionalisierung übergreifender Organisationsprinzipien in kulturellen Symbolen, sozialen Praktiken und nicht mehr hinterfragten Selbstverständnissen vollzieht sich Wandel institutioneller Logiken. Ausgehend von diesen Annahmen wäre danach zu fragen, inwiefern institutioneller Wandel der Hochschulorganisation auch durch Veränderungen der symbolischen Zuschreibungen an das Amt der Verwaltungsleitung sowie das berufliche Profil und Selbstverständnis der Amtsinhaber bedingt ist?

Als Mitglieder der Hochschulleitungen und eine in Berufsverbänden sowie Arbeitskreisen organisierte Berufsgruppe können Kanzler und hauptamtliche Vizepräsidenten als zentrale Akteure gesehen werden, die sowohl innerhalb ihrer Organisation als auch im Organisationsfeld der Hochschulen die Interpretation, Anwendung oder aber Beständigkeit institutioneller Logiken maßgeblich mit beeinflussen. Dabei verweisen Beiträge aus der Organisationsforschung darauf, dass berufliche Identitäten durch die Heterogenität institutioneller Einflüsse auf ihre Organisation geprägt sind (Kraatz/Block 2008). Demnach kann davon ausgegangen werden, dass Amtsinhaber der Hochschulverwaltungsleitung in sehr unterschiedlicher Weise auf institutionelle Logiken rekurrieren oder deren Einfluss auf die Organisation unterstützen bzw. verhindern. Bevor dem beruflichen Profil der Verwaltungsleitungen an deutschen Hochschulen anhand der empirischen Entwicklungen nachgegangen wird, ist jedoch wichtig zu klären, was unter beruflichem Profil verstanden werden kann.

 
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