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7.3 Studienhintergrund und beruflicher Werdegang

Für die Position des Hochschulkanzlers galt ein Studium der Rechtswissenschaft, ausgewiesen durch die Befähigung zum Richteramt mit dementsprechendem Examen oder die Befähigung für die höhere Verwaltungslaufbahn, aufgrund der formalen Vorgaben der LHG als zentrale Qualifikationsanforderung. Konsequenterweise wurde das Amt des Hochschulkanzlers insbesondere an staatlichen Hochschulen größtenteils durch Juristen ausgeübt. Nicht zuletzt aufgrund der Novellierungen in der Hochschulgesetzgebung seit 1998 wurde in den letzten Jahren eine hiervon abweichende und damit stärker auf das Hochschulprofil ausgerichtete Rekrutierungspraxis für das Amt des Hochschulkanzlers möglich gemacht [1]. Doch wie haben sich die Erwartungen und Zuschreibungen hinsichtlich der Ausbildung und Kompetenzen bei der Rekrutierung entwickelt? Wie lässt sich der berufliche Werdegang von Kanzlern und hauptamtlichen Vizepräsidenten charakterisieren?

Bei der Inhaltsanalyse der Stellenanzeigen für die Position der Verwaltungsleitung wurden die Nennungen der von den Bewerbern zu erwartenden bzw. geforderten Qualifikationen codiert und analysiert [2]. Hierzu gehörten u.a. die Erwartung, dass die Verwaltungsleitung über eine juristische Ausbildung bzw. das Zweite Juristische Staatsexamen verfügt, ein Studium oder Aufbaustudium in den Wirtschaftswissenschaften absolviert hat oder aber über betriebswirtschaftliche Kenntnisse verfügt. Zudem wurde in einigen Stellenanzeigen explizit die Erwartung formuliert, dass der Bewerber über umfangreiche Kenntnisse des Hochschulund Wissenschaftssystems bzw. eine Fortbildung im Wissenschaftsund Hochschulmanagement verfügt, was als eine organisationsfeldspezifische Zuschreibung zum beruflichen Profil der Verwaltungsleitung verstanden werden kann.

Die Auswertung der Stellenanzeigen lässt erkennen, dass die Erwartungen an das berufliche Profil im Untersuchungszeitraum 1992-2008 durchaus einige Veränderungen aufweisen. Zunächst zeigt sich an der gestiegenen Anzahl qualifikatorischer Merkmale im Zeitverlauf, dass bei der Rekrutierung auf ein deutlich breiteres Spektrum an Kenntnissen und Ausbildungsprofilen abgestellt wird. Während bei den Stellenanzeigen 1992 von den Bewerbern für die Position der Verwaltungsleitung in den meisten Stellenanzeigen nur ein juristisches Studium erwartet wurde, finden sich in den Stellenanzeigen viel häufiger andere Qualifikationsmerkmale (vgl. Abbildung 8). Besonders deutlich wird die veränderte Zuschreibung in den Stellenanzeigen an der Erwartung, dass der ideale Bewerber für die Verwaltungsleitung über ein wirtschaftswissenschaftliches Studium oder zumindest über betriebswirtschaftliche Kenntnisse verfügen sollte. Beide Qualifikationen werden in den Stellenanzeigen ab 2003 deutlich häufiger genannt. Hingegen ist die Voraussetzung, dass Bewerber über ein rechtswissenschaftliches Studium verfügen sollen im Zeitverlauf etwas zurückgegangen (vgl. Abbildung 8). Eine leichte Zunahme bei den Nennungen qualifikatorischen Voraussetzungen zeigt sich im Hinblick auf Kenntnisse im Wissenschaftsmanagement. So finden sich in den Stellenanzeigen seit 2002 im Zeitverlauf häufiger die Erwartungen, dass die neue Verwaltungsleitung über eine Fortbildung im Wissenschaftsmanagement oder aber fundierte Kenntnisse des Wissenschaftsund Hochschulsystems verfügen soll (vgl. Abbildung 8).

Insbesondere die Zunahme der Erwartung über betriebswirtschaftliche Kennt-nisse bzw. ein Studium der Wirtschaftswissenschaften zu verfügen, lässt sich als eine Referenz für veränderte Zuschreibungen im Sinne einer postbürokratischen Logik des Hochschulmanagements verstehen. Das berufliche Profil der Verwaltungsleitung wird damit stärker im Sinne eines allgemein im Management von Organisationen ausgebildeten Managers verstanden. Zugleich verdeutlicht der Fokus auf die Fortbildung und Kenntnisse im Wissenschaftsmanagement auch, dass für das Amt der Verwaltungsleitung von Hochschulen durchaus organisationsfeldspezifische Kenntnisse für notwendig erachtet werden, die von den Amtsinhabern erwartet, über generische Fähigkeiten des Managements hinaus auch die Besonderheiten des Wissenschaftssystems zu berücksichtigen.

Abbildung 8: Erwartete Qualifikationen der Verwaltungsleitung

Quelle: Stellenanzeigen für die Verwaltungsleitung in „Die Zeit“ 1992-2008 (N = 231)

In eine ähnliche Richtung verweisen auch die in der Inhaltsanalyse analysierten Nennungen spezifischer Berufserfahrungen der Bewerber für die Verwaltungsleitung (vgl. Abbildung 9). Die am häufigsten gestellte Erwartung an potentielle Bewerber für die Position der Verwaltungsleitung lässt sich mit „über Berufserfahrungen im Wissenschaftssektor verfügen“ umschreiben. In über einem Drittel aller Stellenanzeigen findet sich die explizite Erwartung an den idealen Amtsinhaber, dass dieser über längere Berufserfahrung in der Wissenschaftsverwaltung und dem Wissenschaftsmanagement verfügen sollte. Zudem wird ein enger Bezug der Tätigkeit der Verwaltungsleitung zur allgemeinen Verwaltung durch die Zuschreibung deutlich, dass der Kanzler oder hauptamtliche Vizepräsident über vorherige Berufserfahrung im öffentlichen Sektor verfügen sollte. An diesen beiden, offensichtlich im Organisationsfeld üblichen Erwartungen ändert sich im Zeitverlauf kaum etwas. Eine explizite Nennung, dass potentielle Bewerber über umfangreiche Erfahrungen in der Privatwirtschaft oder anderen Sektoren verfügen sollen, findet sich nicht. Allerdings zeigt sich, dass die Verwaltungsleitung immer öfter explizit als „Leitungsamt“ beschrieben wird. So findet sich ein größer werdender Anteil von Stellenanzeigen, in denen explizit Leitungsund Führungserfahrung als Voraussetzung für die Übernahme der Position der Hochschulverwaltungsleitung genannt wird (vgl. Abbildung 9).

Abbildung 9: Erwartete Erfahrungen der Verwaltungsleitung

Quelle: Stellenanzeigen für die Verwaltungsleitung in „Die Zeit“ 1992-2008 (N = 231)

Damit lässt sich eine Entwicklung konstatieren, bei der die Zuschreibungen zum beruflichen Profil der Hochschulverwaltung zwar von einer Fokussierung auf eine legalistische Ausbildung der Kanzler und hauptamtlichen Vizepräsidenten abrücken, zugleich aber durch die erwarteten Kompetenzen im Wissenschaftsmanagement auch eine stärkere Spezialisierung auf das Organisationsfeld der Hochschulen erfahren. Doch durch welche Ausbildungshintergründe und beruflichen Werdegänge ist das Berufsprofil der Kanzler und hauptamtlichen Vizepräsidenten an deutschen Hochschulen gegenwärtig gekennzeichnet?

Auf der Basis der Befragungsergebnisse lässt sich zwar insgesamt eine Dominanz juristisch ausgebildeter Kanzler konstatieren, diese wird jedoch zunehmend durch eine Gruppe mit heterogenem Fächerhintergrund ergänzt (vgl. Abbildung 10). Zum Befragungszeitpunkt 2008 haben 51% der Befragten ein rechtswissenschaftliches Studium absolviert; 25% haben Wirtschaftswissenschaften und 11% Verwaltungswissenschaften studiert. Die restlichen 13% verteilen sich fast gleichmäßig über die restlichen Studienfächer: 5% der Kanzler sind Naturbzw. Lebenswissenschaftler, 3% haben Sozialbzw. Erziehungswissenschaften sowie 3% Sprachund Kulturwissenschaften und 2% Ingenieurwissenschaften studiert (vgl. Abbildung 10). Damit verfügt ca. die Hälfte der Kanzler über einen nicht-juristischen Hintergrund, wohingegen ein Viertel der Kanzler ein volksbzw. betriebswirtschaftliches o.ä. Studium absolviert hat.

An staatlichen Hochschulen und insbesondere an Technischen Universitäten ist der Anteil der Kanzler mit einem juristischen Studienhintergrund mit 60% bzw. 77% deutlich höher als an den staatlichen Hochschulen ohne Promotionsrecht und den privaten Hochschulen, bei denen mehr als die Hälfte über einen wirtschaftswissenschaftlichen Studienhintergrund verfügt. Gemessen am Anteil der Kanzler, die weder über einen juristischen noch einen wirtschaftswissenschaftlichen Studienhintergrund verfügen, ist der private Fachhochschulschulsektor im Hinblick auf den Studienhintergrund deutlich heterogener (vgl. Abbildung 11).

Abbildung 10: Studienhintergrund der Verwaltungsleitung

Besonders deutlich sind Veränderungen der beruflichen Zusammensetzung hinsichtlich der Differenzierung nach Amtszeit und Geburtsjahr (vgl. Abbildung 12). Während der Anteil der Kanzler, die über einen wirtschaftswissenschaftlichen Studienhintergrund verfügen, sowohl bei Amtsinhabern mit einer kürzeren Amtsdauer als auch bei jüngeren Befragten deutlich höher ist, ist der Anteil derer, die über eine juristische bzw. verwaltungswissenschaftliche Studienausbildung verfügen bei den älteren Amtsinhabern wesentlich höher (vgl. Abbildung 12) [3].

Abbildung 11: Studienhintergrund Verwaltungsleitung nach Hochschultyp

Quelle: FÖV-Befragung 2008 (N 153)

Abbildung 12: Studienhintergrund der Verwaltungsleitung nach Amtszeit

Quelle: FÖV-Befragung 2008 (N 153)

So geben nur 12,8% der Kanzler, die länger als 9 Jahre im Amt sind, an, über einen wirtschaftswissenschaftlichen Studienhintergrund zu verfügen, während bei Kanzlern, die zum Befragungszeitpunkt in den letzten 4 Jahren ihr Amt angetreten haben, 37,3% über einen wirtschaftswissenschaftlichen Studienhinter grund verfügen. Zudem ergibt sich durch das Hinzukommen von Amtsinhabern mit einem Studium z.B. im Bereich der Naturund Lebenswissenschaften oder Sozialund Erziehungswissenschaften eine Heterogenisierung des Fächerspektrums der Verwaltungsleitung. Demnach lässt sich im Zeitvergleich eine deutliche heterogenere Zusammensetzung der Studienhintergründe konstatieren, bei dem vor allem jüngere Amtsinhaber wesentlich häufiger über eine wirtschaftswissenschaftliche Ausbildung verfügen.

Insofern korrespondieren die unter Kapitel 6.2 und 6.3 im Hinblick auf den dienstlichen Status und die organisatorische Stellung festgestellte zunehmende Etablierung einer postbürokratischen Logik des Hochschulmanagements auf der formalen, organisationstrukturellen Ebene auch mit Veränderungen der beruflichen Hintergründe der Verwaltungsleitung an Hochschulen. Offensichtlich nutzen Hochschulen nunmehr häufiger die Möglichkeit, für das Amt der Verwaltungsleitung Bewerber mit unterschiedlichen Profilen und Studienhintergründen zu rekrutieren. Dabei scheint der größer gewordene Anteil an Kanzlern mit einem wirtschaftswissenschaftlichen Studium aber auch auf eine stärkere Fokussierung auf den Bereich der Finanzund Ressourcenverwaltung hinzudeuten. Zugleich ist die weitgehende Dominanz der juristischen Profession bei den älteren Amtsinhabern um andere Fächer ergänzt worden bei den jüngeren Kanzlern und hauptamtlichen Vizepräsidenten (vgl. Abbildung 12 und Abbildung 13).

Abbildung 13: Studienhintergrund der Verwaltungsleitung nach Geburtsjahr

Quelle: FÖV-Befragung 2008 (N=153)

Dieser Rekurs auf managementund wirtschaftsbezogene berufliche Zugänge im Hinblick auf die Verwaltungsleitung an deutschen Hochschulen folgt damit Entwicklungen im Hochschulmanagement in anderen Hochschulsystemen. So konstatieren empirische Studien zu den Managementreformen in Großbritannien, Australien und den USA eine verstärkte Rekrutierung von Mitarbeitern, die über Hochschulund Weiterbildungsabschlüsse im Management bzw. über Arbeitserfahrungen außerhalb des Hochschulund Wissenschaftssektors, insbesondere in der Privatwirtschaft, verfügen (Leicht/Fenell 2008; Rhodes/Sporn 2002; Whitchurch 2004).

Über den ersten Studienabschluss hinaus verfügt ein wesentlicher Anteil der Kanzler und hauptamtlichen Vizepräsidenten an deutschen Hochschulen auch über eigene wissenschaftliche Erfahrungen durch die Erstellung einer Promotion. Mit insgesamt 33,8% ist ein gutes Drittel der Befragten promoviert, wobei dieser Anteil hinsichtlich der Dauer der Amtszeit und des Alters kaum divergiert. Die Promotion könnte demnach als ein nicht unwesentliches Qualifikationsmerkmal oder auch Statussymbol gesehen werden, mit dem Affinität zur Wissenschaft signalisiert wird. Dies wird besonders deutlich, wenn man sich den Anteil der promovierten Befragten differenziert nach Hochschultypen ansieht. So sind mit 49,2% der Kanzler und hauptamtlichen Vizepräsidenten an staatlichen Universitäten fast die Hälfe promoviert, während an staatlichen Hochschulen ohne Promotionsrecht nur 22% eine Promotion abgeschlossen haben (vgl. Abbildung 14). Mit der universitären Tradition und ihrer Ausrichtung auf Grundlagenforschung gehen insofern auch Unterschiede im beruflichen Profil und der akademischen Qualifikation der Verwaltungsleitung einher.

Abbildung 14: Verwaltungsleitung mit/ohne Promotion nach Hochschultyp

Quelle: FÖV-Befragung 2008 (N=153)

Anhand der Befragungsitems lässt sich ein grobes Bild der beruflichen Stationen und Sozialisation der Verwaltungsleitung an Hochschulen machen. Der Werdegang der befragten Kanzler und hauptamtlichen Vizepräsident ist insgesamt durch eine starke Affinität zu dem Organisationsfeld Wissenschaft und Hochschule geprägt, wobei in zunehmendem Maße auch berufliche Erfahrungen in der Privatwirtschaft hinzukommen. So ist ein Viertel der Befragten im Laufe ihrer beruflichen Entwicklung vor ihrem jetzigen Amt auch an einer anderen Hochschule desselben bzw. eines anderen Hochschultyps beschäftigt gewesen. 22,8% der befragten Kanzler geben an, vor ihrer jetzigen Kanzler-Tätigkeit an ihrer eigenen Hochschule tätig gewesen zu sein (vgl. Abbildung 15). Das deutet darauf hin, dass der Aufstieg zur Verwaltungsleitung innerhalb der eigenen Hochschule eher seltener der Fall ist. Interessant ist zudem, dass ein mit 16,8% nicht geringer Anteil der Befragten vor ihrem Amtsantritt in dem für ihre jetzige Hochschule zuständigen Ministerium gearbeitet hat und damit schon bei Amtsantritt mit den spezifischen Rahmenbedingungen der Hochschulentwicklung in ihrem Bundesland seit längerem vertraut war. 23,5% der Kanzler haben zudem vorher Berufserfahrungen in anderen Einrichtungen der öffentlichen Verwaltung sowie 12,1% im Organisationsfeld Wissenschaftsund Hochschulentwicklung gesammelt (vgl. Abbildung 15).

Abbildung 15: Berufserfahrung der Verwaltungsleitung nach Bereichen

Quelle: FÖV-Befragung 2008 (N=153)

Darüber hinaus hat ein nicht unerheblicher Teil der Befragten vor ihrem Amtsantritt auch die Managementpraxis und Organisationsprinzipien in privatwirtschaftlichen Organisationen kennengelernt: Mit insgesamt 26,8% verfügt ein gutes Viertel der Befragten vor ihrem Amtsantritt über Berufserfahrungen in der Privatwirtschaft. Dieser Anteil ist bei den Kanzlern in den jüngeren Geburtsjahrgängen bzw. denjenigen, die seit weniger als 4 Jahren die Funktion des Kanzlers ausüben, deutlich höher: So verfügen 35,2% der seit weniger als 4 Jahren im Amt agierenden Befragten und 44,7% der Kanzler unter 49 Jahren über Berufserfahrungen im Privatsektor (vgl. Abbildung 16). Umgekehrt ist der Anteil von Kanzlern mit Berufserfahrungen in anderen Einrichtungen des öffentlichen Sektors bei der Jahrgangsgruppe 1951-60 mit 31,9% bzw. bei der Gruppe mit mehr als 9 Jahren Amtszeit mit 36% wesentlich höher als der Gesamtdurchschnitt aller Befragten mit 23,5% (vgl. Abbildung 16). Dahingehend finden sich merkliche Differenzierungen zwischen den Hochschultypen. So verfügen Kanzler an staatlichen Hochschulen mit 25,8% und insbesondere an privaten Hochschulen mit 56% deutlich häufiger über Berufserfahrungen im privaten Sektor als der Durchschnitt der Befragten. Hingegen haben Universitätskanzler mit knapp 27,1% einen wesentlich höheren Wert bei der Berufserfahrung in dem für die jetzige Hochschule zuständigen Ministerium. Interessanterweise geben 32% der Kanzler aus privaten Hochschulen an, Berufserfahrungen in anderen Einrichtungen des Wissenschaftsund Hochschulsystems (außer Hochschulen) gemacht zu haben, was deutlich über dem Durchschnitt von 8,3% liegt.

Auch diese Ergebnisse verweisen auf eine unterschiedliche Rekrutierungspraxis bei den unterschiedlichen Hochschultypen. So verfügt ein größerer Anteil der Fachhochschulkanzler über Berufserfahrung in der Privatwirtschaft, Universitätskanzler haben hingegen mehr Berufserfahrung in der Wissenschaft. Dies reflektiert auch, dass die Verwaltungsleitung über ihre Rolle als Leiter der Hochschulverwaltung hinaus als Mitglied der Hochschulleitung auch stärker mit dem Profil und der Ausrichtung der Hochschule zusammengedacht werden muss. So scheinen Affinität zum Wissenschaftssystem und Berufserfahrungen in akademischen Einrichtungen für Kanzler an Universitäten offensichtlich üblicher zu sein als an anderen Hochschulen.

Abbildung 16: Berufserfahrung der Verwaltungsleitung nach Bereichen & Geburtsjahr bzw. Amtszeit

Quelle: FÖV-Befragung 2008 (N=153)

In der Zusammenschau lässt sich im Hinblick auf die Ausbildung und den beruflichen Werdegang konstatieren, dass es parallel zum zunehmenden Einfluss einer post-bürokratischen Logik auf die Hochschulorganisation auch zu einer Heterogenisierung der Studienhintergründe und beruflichen Zugänge für die Position der Verwaltungsleitung gekommen ist. Das durch die akademisch-bürokratische Logik geprägte Profil eines juristisch ausgebildeten Verwaltungsgeneralisten, der nach Berufsstationen in anderen Einrichtungen der öffentlichen Verwaltung die Position der Verwaltungsleitung übernimmt, wird dabei häufiger durch wirtschaftswissenschaftlich ausgebildete und wirtschaftserfahrene Amtsinhaber ergänzt.

Sowohl die Unterschiede im Hinblick auf die Fächerhintergründe als auch die Promotion sind ein Indiz dafür, dass sich für die Verwaltungsleitung an unterschiedlichen Hochschultypen unterschiedliche Rekrutierungspraktiken etabliert haben, die auf das spezifische Profil der Hochschule und möglicherweise spezifische Arbeitsbereiche oder Kompetenzen abstellen. Die verstärkte Rekrutierung wirtschaftswissenschaftlich ausgebildeter Amtsinhaber mit Berufserfahrung in der Privatwirtschaft für die Hochschulverwaltungsleitung verweist dabei auf eine sich im Zeitverlauf ergebende stärkere Orientierung an einer postbürokratischen Logik des Hochschulmanagements. Die gesellschaftliche Konstruktion der Hochschule als vollständige Organisation korrespondiert insofern mit einer stärker an der Organisation ausgerichteten Rekrutierungspraxis, bei der erwartet wird, dass Führungskräfte über Managementexpertise verfügen. „The experience of leading and managing organizations in general has come to be regarded as an important career qualification, more valuable than experience within the practical field of the public service concerned“ (Brunsson-Andersson 2000: 225).

Von einer hochschulübergreifenden Dominanz privatwirtschaftlich geprägter Manager als Verwaltungsleitung kann jedoch nicht die Rede sein. So geht die Heterogenisierung der Zugänge offensichtlich auch mit einem häufig anzutreffenden beruflichen Werdegang der Kanzler und hauptamtlichen Vizepräsidenten an Hochschulen einher, der in vielen Fällen durch eine hohe Affinität zum Hochschulund Wissenschaftssektor geprägt ist. Die große Mehrheit der Hochschulkanzler über vorherige Berufserfahrung in der Wissenschaftsverwaltung anderer Einrichtungen. Auch der hohe Anteil promovierter und juristisch ausgebildeter Kanzler und hauptamtlicher Vizepräsidenten verweist auf die Bewahrung einer akademisch-bürokratischen Logik im Hinblick auf die Verwaltungsleitung von Hochschulen. Offensichtlich erfordern Führungsaufgaben des Hochschulmanagements auch in einer stärker agenthaft konfigurierten Organisation der Hochschule breit gefächerte Kompetenzen und weiterhin juristische Kenntnisse. Doch was sind die zentralen Verwaltungsund Managementaufgaben der Verwaltungsleitung in der Organisationspraxis und wie gestaltet sich ihre Zusammenarbeit mit der Leitung sowie den Kollegen und Mitarbeitern?

  • [1] Für eine ausführliche Darstellung der Veränderungen der formalen Vorgaben vgl. Kapitel 6.3.2 und 6.3.3
  • [2] Dabei wurde jede in der Stellenanzeige genannte Qualifikation oder Kompetenz codiert
  • [3] Zur Anonymisierung wurde bei der Befragung auf eine genaue Angabe des Geburtsalters und der Amtszeit verzichtet und nur kategoriale Angaben erfragt. In der Auswertung wurden aus den Angaben für Geburtsjahr und Amtszeit jeweils drei vergleichbare Zeitraumgruppen gebildet
 
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