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7.5 Berufliches Selbstverständnis

In der Befragung wurde das berufliche Selbstverständnis der Verwaltungsleitung in Form einer Selbsteinschätzung ihrer Rolle erhoben. Dies wurde mittels einer 4er-Skala mit einer Ausweichkategorie („weiß nicht“) erfragt. Dabei sind Beschreibungen gewählt worden, die in kurzer Form unterschiedliche Werthaltungen wiedergeben (vgl. Abbildung 23). Zu einer umfassenderen Einordnung der Ergebnisse für das Berufsverständnis der Verwaltungsleitung wäre ein Vergleich mit den Einschätzungen der anderen (akademischen) Mitglieder der Hochschulleitung sinnvoll. Hierfür liegen jedoch bislang keine empirischen Daten vor.

Die deskriptive Analyse zeigt, dass das Item der Kanzler ist der, der die langfristige Entwicklung der Hochschule im Auge behält“ mit einem MW: 3,68 von den Befragten als eine besonders zutreffende Beschreibung ihrer Rolle angesehen wird. Dies zeigt, dass die überwiegende Mehrheit der Befragten ein auf die Gesamtorganisation bezogenes Leitungsverständnis hat, das sich nicht nur an kurzfristigen Erfolgen im Kontext einer stärker wettbewerbsbasierten Hochschulentwicklung orientiert. Unterschiede ergeben sich dabei im Hinblick auf die Amtsdauer zum Befragungszeitpunkt: Insbesondere für Kanzler und hauptamtliche Vizepräsidenten mit einer kurzen Amtszeit von 0-5 Jahren (MW: 3,5) ist dies deutlich weniger zutreffend als für diejenigen mit einer Amtszeit von 5-9 Jahren (MW: 3,81) bzw. mehr als 9 Jahren (MW: 3,75) (vgl. Abbildung 23).

Abbildung 23: Berufliches Selbstverständnis der Verwaltungsleitung

Antworten auf die Frage „Inwiefern treffen die folgenden Beschreibungen auf Ihr berufliches Selbstverständnis im Kontext Ihrer Arbeit zu?“; 1= „trifft gar nicht zu“, 4= „trifft völlig zu“ in Mittelwerten Quelle: FÖV-Befragung 2008 (N = 153)

Zudem zeigt sich, dass die Unterschiede im Status „befristete Amtszeit/unbefristete Amtszeit“ bei den Befragten kaum relevant sind für ihre Einschätzung einer langfristigen Verantwortlichkeit für die jeweilige Hochschule. Diese Indifferenz im Hinblick auf den befristeten Anstellungsstatus trifft auch für die meisten Antworten zu den anderen Items des beruflichen Selbstverständnisses zu (vgl. Abbildung 24). Die Mittelwerte der Antworten variieren bei keinem Item über 0,17. Dies bedeutet, dass die grundsätzliche berufliche Einstellung der Befragten weniger durch die formalstrukturelle Stellung als vielmehr durch die Länge der Amtszeit in der Verwaltungsleitung an Hochschulen beeinflusst wird.

Ähnlich hohe Zustimmung zum beruflichen Selbstverständnis haben mit etwas Abstand die beiden Beschreibungen „der Kanzler ist der, der sich für effiziente Prozesse und Abläufe innerhalb der Hochschule einsetzt“ (MW: 3,52) sowie „.., der auf Rechtskonformität der Entscheidungen achtet“ mit einem MW 3,5 (vgl. Abbildung 24). Mit Effizienz und Rechtskonformität werden demnach zwei Wertedimensionen von den Hochschulkanzlern als fast gleich besonders zutreffend eingeschätzt, die im Hinblick auf ihre Implikationen für das konkrete Organisationshandeln der Kanzler durchaus als sehr unterschiedlich einzuschätzen sind. Das könnte darauf hindeuten, dass es sich möglicherweise um ein Nebeneinander von mindestens zwei unterschiedlichen Einstellungstypen innerhalb der Befragten handelt. Dieses kann in einem nächsten Schritt mittels einer explorativen Faktorenanalyse erörtert werden.

Abbildung 24: Berufliches Selbstverständnis der VL nach Befristung

Antworten auf die Frage „Inwiefern treffen die folgenden Beschreibungen auf Ihr berufliches Selbstverständnis im Kontext Ihrer Arbeit zu?“; 1= „trifft gar nicht zu“, 4= „trifft völlig zu“ in Mittelwerten Quelle: FÖV-Befragung 2008 (N = 153)

An der Abbildung 24 zeigt sich, dass die Zustimmung zu den Items des beruflichen Rollenverständnisses als zentraler Ansprechpartner für das Ministerium (MW: 2,48) und als Repräsentant der Hochschulleitung zu fungieren (MW 2,81) zum Befragungszeitpunkt im Vergleich besonders gering ausfällt. Hieran wird deutlich, dass sich die Befragten überwiegend nicht als „verlängerter Arm“ des jeweiligen Ministeriums und damit auch nicht als Grenzgänger verstehen. Diese deutliche Ablehnung des beruflichen Selbstverständnisses der Verwaltungsleitung als Repräsentant der Hochschule und Vertreter des Ministeriums wird zudem durch die Befragungsergebnisse zum Befragungsitem „Verpflichtung“ gestützt. Auf die Frage, wem sich die Befragten verpflichtet fühlen, gibt mit 94,7% eine deutliche Mehrheit die eigene Hochschule an (MW: 3,94) (vgl. Abbildung 25). Zudem zeigen die Antworten im Hinblick auf die Leitung und das Personal innerhalb der Hochschule deutliche Unterschiede. Am stärksten fühlen sich die Befragten gegenüber den Mitarbeitern der Hochschulverwaltung verpflichtet (MW: 3,48), hingegen deutlich weniger gegenüber den Studierenden (MW: 3,26) und noch weniger gegenüber den Professoren (MW: 3,07). Die Verpflichtung gegenüber dem Rektor bzw. Präsident rangiert mit einem MW: 3,36 zwischen Verwaltung und wissenschaftlichem Kollegium (vgl. Abbildung 25). Dies deutet darauf hin, dass es durchaus eine enge funktionale Bindung an die Hochschulverwaltung und eine wahrgenommene Trennung zwischen gesamtorganisatorischer (kollegialer) Hochschulleitung und Hochschulverwaltungsleitung gibt.

Abbildung 25: Verpflichtung der Verwaltungsleitung

Antworten auf die Frage „Wem gegenüber fühlen Sie sich in Ihrer Funktion als Kanzler besonders verpflichtet?“; 1= „trifft gar nicht zu“, 4= „trifft völlig zu“ in Mittelwerten

Quelle: FÖV-Befragung 2008 (N = 153)

Insgesamt zeigen die deskriptiv bivariaten Auswertungsergebnisse der Items zum beruflichen Selbstverständnis der Verwaltungsleitung nur geringe Unterschiede im Hinblick auf Organisationstypus, Befristung und Amtszeit der Befragten. Ungeachtet der eingeführten Veränderungen bezüglich der Stellung und des dienstlichen Status der Verwaltungsleitung ist daher mehrheitlich ein eher langfristig orientiertes Selbstverständnis der Befragten zu konstatieren. Doch lassen sich dabei auf der Basis der Einstellungsvariablen unterschiedliche Typen erkennen?

Für eine feinkörnigere Herausarbeitung unterschiedlicher Einstellungstypen ist eine explorative Faktorenanalyse der Befragungsergebnisse sinnvoll. Ziel dieses multivariaten Analyseverfahrens ist es, in explorativer Form eine bestimmte Anzahl manifester Variablen auf latente, dahinterliegende Variablen bzw. Faktoren zu reduzieren (Backhaus et al. 2005: 259-336). Anhand der Daten der Zusammenschau der Befragungsantworten wird also geprüft, inwiefern spezifische Ausprägungen manifester Einstellungsvariablen übergreifend mit einem oder mehreren dahinterliegenden Mustern bzw. Typen des beruflichen Selbstverständnisses zusammenhängen.

Für die Einstellungsvariablen der befragten Kanzler ergibt sich anhand der rotierten Komponentenmatrix und des Screen-Plots eine Variante mit zwei Faktoren, die 43% der Gesamtvarianz erklären (vgl. Tabelle 13). Die erhobenen Ausprägungen der manifesten Einstellungsvariablen laden demnach auf zwei latente Variablen bzw. Faktoren. Es wird unterstellt, dass die beiden Faktoren zwei jeweils unterschiedlichen Einstellungstypen Typ 1 und Typ 2 entsprechen. Doch wie lassen sich die beiden Einstellungstypen anhand der Befragungs-Items charakterisieren?

Tabelle 13: : Berufliches Selbstverständnis Verwaltungsleitung

Rotierte Komponetenmatrix

Komponente

Typ 1

Typ 2

über einen großen Entscheidungsspielraum verfügt

,633

,676

langfristige Entwicklungen der Hochschule im Auge behält

,630

der auf Rechtskonformität der Entscheidungen achtet

der unbequeme Entscheidungen durchsetzt

,618

der zwischen unterschiedlichen Interessen vermittelt

,549

der die Hochschule nach außen repräsentiert

,662

der für effiziente Prozesse und Abläufe in der Hochschule sorgt

,715

der sich für Mitwirkungsmöglichkeiten und Partizipation in der

,405

,456

Hochschule einsetzt

der wichtige Entscheidungen im Hintergrund trifft

,490

der als zentraler Ansprechpartner für das Ministerium fungiert

,573

Extraktionsmethode: Hauptkomponentenanalyse. Rotationsmethode: Varimax mit KaiserNormalisierung. Die Rotation ist in drei Iterationen konvergiert.

Quelle: FÖV-Befragung 2008 (N = 153)

Typ 2 ist vor allem mit den Items verbunden, die m. E. stärker auf die unter Kapitel 3.3 entwickelten Dimensionen der akademisch-bürokratischen Logik der Hochschulverwaltung – Regeleinhaltung, Vermittlung von Standards, Grenzgänger bzw. Vermittler des Ministeriums – rekurrieren. Einige der mit dem Typ 1 verbundenen Einstellungs-Items entsprechen mit Effizienzorientierung und klaren Entscheidungskompetenzen tendenziell einer post-bürokratischen Logik des Hochschulmanagements. Insofern wird unterstellt, dass hinter den Antworten des Typ 1 übergreifend eine an der post-bürokratischen Logik des Hochschulmanagements orientierte Einstellung steht, hingegen mit den Antwortausprägungen des Typ 2 ein an der akademisch-bürokratischen Logik der Hochschulverwaltung orientiertes berufliches Selbstverständnis. Dabei ist es überraschend, dass das Item „… der langfristige Entwicklungen der Hochschule im Auge behält“ mit dem Typ 1/Management Logik verbunden ist. Anhand der in Kapitel 6 beschriebenen Veränderungen der Stellung der Verwaltungsleitung in einer kollegialen Hochschulleitung hätte man davon ausgehen können, dass insbesondere aufgrund der Befristung und Spezialisierung des Amtes Aspekte der langfristigen Entwicklung der Hochschule sich gerade weniger mit einer Management Logik verbinden.

In einem weiteren Schritt wird überprüft, inwiefern die beiden Einstellungstypen mit Befristung und anderen Organisationsbzw. Statusvariablen zusammenhängen. Hierfür werden für die beiden Einstellungstypen 1/Management Logik und 2/Bürokratische Logik die jeweiligen Zusammenhänge mit den Organisationsund Statusvariablen ermittelt. [1] Dabei zeigt sich, dass die Ausprägung „befristete Anstellung“ positiv mit dem Typ 1/Management Logik korreliert (vgl. Tabelle 14). Der oben beschriebene Einstellungstypus der Management Logik findet sich demnach tendenziell eher bei befragten Kanzlern und hauptamtlichen Vizepräsidenten, die in einem befristeten Arbeitsverhältnis stehen. Der Analyse zufolge bedeutet dies im Umkehrschluss jedoch nicht, dass der Typ 2/Bürokratische Logik sich übergreifend mit den Antwortausprägungen der Befragten verbindet, die in einem unbefristeten Verhältnis tätig sind. Die Ausprägung „unbefristete Anstellung“ korreliert nicht signifikant mit der latenten Variablen bzw. Faktor des Einstellungstypen 2/Bürokratische Logik.

Tabelle 14: Zusammenhang Einstellungstypus / Status Befristet – Unbefristet

Eine Differenzierung der beiden Einstellungstypen zeigt sich jedoch im Hinblick auf die Amtszeit. Die Berechnung der Faktorenanalyse in Tabelle 15 macht deutlich, dass sich der Einstellungstyp 2/Bürokratische Logik mit denjenigen Kanzlern verbindet, die zum Befragungszeitpunkt mehr als 9 Jahre im Amt gewesen sind. Die Angaben der Kanzler und hauptamtlichen Vizepräsidenten mit einer kürzeren Amtszeit als 9 Jahren hingegen laden stärker auf die latente Variable des Einstellungstyps 1/Management Logik (vgl. Tabelle 15). Die Antworten der Kanzler und hauptamtlichen Vizepräsidenten mit einer kürzeren Amtszeit orientieren sich demnach eher an dem Einstellungstyp 1/Management Logik.

Tabelle 15: Zusammenhang Einstellungstypus / Amtszeit

Typ 1 Management Logik Typ 2 Bürokratische Logik

Besonders deutlich wird die Verteilung unterschiedlicher Einstellungstypen im Hinblick auf die Unterscheidung des Hochschultypus und insbesondere bei der Differenzierung zwischen staatlicher und privater Trägerschaft. Die bivariate Analyse der latenten Variablen zeigt, dass der Einstellungstyp 1/Management Logik besonders stark auf das Antwortverhalten der an privaten Universitäten arbeitenden Verwaltungsleitungen zutrifft (vgl. Tabelle 16). Zudem korreliert der Typus 2/Bürokratische Logik negativ mit den Antworten der befragten Kanzler und hauptamtlichen Vizepräsidenten an privaten Universitäten und Hochschulen ohne Promotionsrecht (vgl. Tabelle 16).

Insofern lässt sich anhand von Tabelle 16 konstatieren, dass die Antworten der Kanzler und hauptamtlichen Vizepräsidenten an privaten Hochschulen besonders durch die oben beschriebene Management Logik und deren Effizienzorientierung sowie großen Entscheidungsspielräumen geprägt sind. Zudem zeigt sich im Vergleich zwischen den Hochschultypen, dass die Antworten der Universitätskanzler tendenziell eher dem Typus 1/Management Logik entsprechen, während die Antworten der befragten Verwaltungsleitungen an Hochschulen ohne Promotionsrecht sich eher mit dem Typ 2/Bürokratische Logik verbinden. Dieses Ergebnis korrespondiert u.a. mit dem oben ermittelten Zusammenhang zwischen Typ 1/Management Logik und befristetem Anstellungsverhältnis (Tabelle 14), denn an Universitäten befindet sich die Verwaltungsleitung weitaus häufiger in einem befristeten Arbeitsverhältnis (vgl. Tabelle 16).

Tabelle 16: Zusammenhang Einstellungstypus /Hochschultyp

Typ 1 Management Logik Typ 2 Bürokratische Logik

Quelle: FÖV-Befragung 2008 (N = 153)

In einem letzten Schritt wurde analysiert, inwiefern der Studienhintergrund und der Werdegang der befragten Verwaltungsleitungen mit den ermittelten Einstellungstypen 1/Management Logik und 2/Bürokratische Logik korrespondieren. Dabei zeigt sich, dass ein juristischer Studienhintergrund der Befragten in einem deutlichen Zusammenhang mit den Antworten des Einstellungstypus 2/Bürokratische Logik steht (vgl. Tabelle 17). Eindeutig negativ ist der Zusammenhang zwischen dem Typ 2/Bürokratische Logik und den wenigen Kanzlern im Befragungssample mit sozialoder geisteswissenschaftlichem Studienhintergrund. Befragte mit einem Studienhintergrund in den Wirtschaftswissenschaften hingegen entsprechen in ihren Antworten eher dem Einstellungstypus 1/Management Logik (vgl. Tabelle 17). Ein eindeutig negativer Zusammenhang besteht zudem zwischen dem Einstellungstypus 1/Management und den Antworten der Befragten, die über einen verwaltungswissenschaftlichen sowie MINT-Fächer-Studienhintergrund verfügen.

Tabelle 17: Zusammenhang Einstellungstyp / Fächerhintergrund

Typ 1 Management Logik Typ 2 Bürokratische Logik

Im Hinblick auf den Zusammenhang zwischen beruflichem Werdegang und den beiden ermittelten Einstellungstypen lässt sich konstatieren, dass der Typ 1/Management Logik vor allem dem Antwortverhalten von Kanzlern und hauptamtlichen Vizepräsidenten entspricht, die vor ihrem Amtsantritt in der Privatwirtschaft bzw. in einer anderen Einrichtung des Wissenschaftssystems (und nicht in der Hochschule) tätig waren (vgl. Tabelle 18). Ein deutlich negativer Zusammenhang ergibt sich zwischen dem Einstellungstypus 1/Management Logik und einem Aufstieg innerhalb der Hochschule bzw. einer vorherigen Tätigkeit in einer anderen Einrichtung der öffentlichen Verwaltung.

Dementsprechend dazu zeigt die Analyse für den Einstellungstyp 2 / Bürokratische Logik einen positiven Zusammenhang mit den Variablen des Aufstiegs in der gleichen Hochschule sowie – vor allem bei den Kanzlern – mit einer vorherigen Tätigkeit im zuständigen Ministerium oder einer anderen Einrichtung der öffentlichen Verwaltung (vgl. Tabelle 18). Der Einstellungstypus 1/Management Logik ist demnach tendenziell bei Kanzlern und hauptamtlichen Vizepräsidenten verbreitet, die vor ihrem Amtsantritt in privatwirtschaftlichen Organisationen oder an anderen Einrichtungen des Wissenschaftssystems gearbeitet haben. Hingegen entspricht der Einstellungstyp 2/Bürokratische Logik tendenziell eher den Antworten der Befragten, die zuvor an einer Einrichtung der öffentlichen Verwaltung und am Ministerium gearbeitet haben bzw. durch den Aufstieg in ihrer eigenen Hochschule die Verwaltungsleitung übernommen haben.

Tabelle 18: Zusammenhang Einstellungstyp / vorherige Tätigkeit

Typ 1 Management Logik

Mittelwerte

N

An derselben Hochschule

nein

,0478880

103

ja

-,1612748

33

An dem für jetzige Hochschule zuständigen Ministerium

nein

,0066096

114

ja

-,0519588

22

An anderer Einrichtung d. öffentlichen Verwaltung / Sektors

nein

,0690311

104

ja

-,2365261

32

An anderen Einrichtungen des Wissenschaftssystems

nein

-,0223922

121

ja

,1546573

15

Privatwirtschaft

nein

-,0295552

99

ja

,6085505

37

Typ 2 Bürokratische Logik

Mittelwerte

N

An derselben Hochschule

nein

-,0467677

103

ja

,1111509

33

An dem für jetzige Hochschule zuständigen Ministerium

nein

-,0644524

114

ja

,2817493

22

An anderer Einrichtung d. öffentlichen Verwaltung / Sektors

nein

-,1117372

104

ja

,3272366

32

An anderen Einrichtungen des Wissenschaftssystems

nein

-,0198731

121

ja

,0837035

15

Privatwirtschaft

nein

,0006775

99

ja

-,0328694

37

Quelle: FÖV-Befragung 2008 (N = 153)

Der zusammenfassende Blick auf die Ergebnisse der explorativen Faktorenanalyse deutet darauf hin, dass es mindestens zwei unterschiedliche Einstellungstypen im Hinblick auf das berufliche Selbstverständnis gibt, die sich in einer ersten Näherung zum einen durch ihren beruflichen Status (Befristung/Amtszeit/Hochschultyp) und zum anderen durch ihren beruflichen Werdegang plausibilisieren lassen (vgl. Tabelle 19).

Die im Fragebogen erhobenen Items zum Berufsverständnis der Verwaltungsleitung wie „über einen großen Entscheidungsraum verfügen“; „für effiziente Prozesse und Abläufe in der Hochschule sorgen“ und „die Hochschule nach außen repräsentieren“ laden positiv auf den ermittelten latenten Faktor 1. Alle drei Items reflektieren ein Leitungsverständnis, dass tendenziell auf eine manageriale Konfiguration der Hochschulorganisation und auf rationalisierte Strukturen der Leitungsund Verwaltungsorganisation im Sinne einer managerialen Logik rekurriert. Interessanterweise korrelieren auch die beiden Beschreibungen „langfristige Entwicklungen der Hochschule im Auge behalten“ sowie „sich für Mitwirkungsmöglichkeiten/Partizipation in der Hochschule einsetzen“ mit diesem Einstellungstypus 1/Management Logik. Dies verdeutlicht, dass die Entwicklung eines managerialen Berufsverständnisses der Hochschulverwaltungsleitung seitens der Befragten sich durchaus im Zusammendenken mit traditionellen Elementen der Hochschulorganisation wie Mitbestimmung und Dominanz der akademischen Hochschulselbstverwaltung vollzieht. Die (Re)Konstruktion beruflicher Identität im Kontext der formalstrukturellen Reorganisation der Verwaltungsleitung an deutschen Hochschulen impliziert insofern ein hybrides Managementverständnis, welches durch das Zusammenbringen unterschiedlicher Wertehaltungen geprägt ist.

Die zweite ermittelte latente Variable, der Einstellungstypus 2, korrespondiert vor allem mit Befragungsitems wie „auf Rechtskonformität der Entscheidungen achten“, „unbequeme Entscheidungen durchsetzen“, „zwischen unterschiedlichen Interessen vermitteln“ sowie „als Ansprechpartner für das Ministerium fungieren“, die auf der Basis der Analyse zur formalen Reorganisation der Hochschulverwaltungsleitung eher einem Berufsverständnis des juristisch ausgebildeten Kanzlers entsprechen, der als Hochschulverwalter zwischen den Organisationsgrenzen Ministerium, akademische und administrative Selbstverwaltung vermittelt (vgl. Tabelle 19).

Beide anhand der Faktorenanalyse herausgearbeiteten wichtigsten Einstellungstypen finden sich als berufliches Selbstverständnis im Hochschulsektor organisationsübergreifend wieder, verbinden sich jedoch jeweils mit statusbedingten und werdegangsbezogenen Charakteristika der Kanzler und hauptamtlichen Vizepräsidenten. Während sich anhand der Unterscheidung nach befristeter und unbefristeter Anstellung zunächst keine klar differenzierte Verteilung hin sichtlich der Einstellungstypen der Management Logik und der bürokratischen Logik ergibt, zeigt sich, dass sich der Typ 2/Bürokratische Logik vor allem mit den Antworten der Befragten verbindet, die zum Befragungszeitpunkt schon seit mehr als 9 Jahren im Amt gewesen waren sowie mit denen, die an einer staatlichen Hochschule ohne Promotionsrecht tätig sind (vgl. Tabelle 19). Die an privaten Hochschulen und Universitäten tätigen Verwaltungsleitungen und solche, die zum Befragungszeitpunkt erst kürzer im Amt gewesen sind, weisen in ihren Antworten auf die Items einen höheren Zusammenhang mit dem Typ 1/Management Logik auf (vgl. Tabelle 19). Unterstellt man eine traditionell stärker am Management der privatwirtschaftlichen Partnerund Umweltorganisationen orientierte Konfiguration privater Hochschulen, kann diese Differenzierung zugleich als Bestätigung der beiden als Einstellungstypen hergeleiteten Faktoren in der Analyse verstanden werden.

Zudem wird anhand der Ergebnisse deutlich, dass sich die beiden an den Logiken der Hochschulorganisation orientierten Einstellungstypen in je unterschiedlicher Weise mit dem Werdegang und dem Studienhintergrund der Verwaltungsleitung verbinden und sich daher aus unterschiedlichen beruflichen Sozialisationskontexten herleiten lassen. Während der Typ 1/Management Logik sich vor allem bei Kanzlern und hauptamtlichen Vizepräsidenten mit einem wirtschaftswissenschaftlichen Studienhintergrund wiederfindet, die zumeist vor ihrem Amtsantritt in privatwirtschaftlichen Organisationen oder anderen Einrichtungen des Wissenschaftssystems tätig waren, entspricht das Antwortverhalten der Verwaltungsleitungen mit einem juristischen Studienhintergrund und einem Werdegang, der über die eigene Hochschule, das Ministerium bzw. die öffentliche Verwaltung zur Position der Verwaltungsleitung geführt hat, eher dem Typ 2/Bürokratische Logik (vgl. Tabelle 19). Die anderen im Feld mittlerweile gängigen Studienfächer lassen sich hingegen nicht so eindeutig mit einem Einstellungstypus verbinden.

Dieses Ergebnis verweist auf eine Konstellation, bei der formalstrukturelle Veränderungen der Stellung und beruflichen Werdegänge der Verwaltungsleitung keineswegs eindeutig mit einem an einer Management Logik oder bürokratischen Logik ausgerichteten beruflichen Selbstverständnis einhergeht. Neue Organisationsmodelle der Leitungsund Verwaltungsstrukturen an Hochschulen übersetzen sich demnach nicht gleichermaßen in neue berufliche Selbstverständnisse und Rollen. Eine alternative Erklärung der Ergebnisse könnte darin bestehen, dass Verwaltungsleitungen abhängig vom jeweiligen institutionellen Kontext in der Organisationspraxis sich jeweils auf unterschiedliche Rollenverständnisse beziehen. So zeigen Studien zum beruflichen Profil von hauptamtlichen Vizepräsidenten an Hochschulen in Großbritannien und Australien, dass sie als Mitglieder der akademischen Hochschulleitung und als Manager ihres jeweiligen Ressorts auf je unterschiedliche Rollenverständnisse sowie Handlungsstrategien zurückgreifen (Loots/Ross 2004; Bargh et al. 2000; Smith et al. 2007; Smith/Adams 2008; Pilbeam/Jamieson 2010).

Tabelle 19: Überblick zu Ergebnissen der Faktorenanalyse

Typ 1/ Management Logik Mittelwerte

Typ 2/ Bürokratische Logik Mittelwerte

Anstellung

Befristet

,0725960

-,0004617

Unbefristet

-,1015229

-,0154354

Amtszeit

0-4 Jahre

,1110858

-,1295530

5-9 Jahre

,2543747

,0016466

9< Jahre

-,1621374

,1249575

Hochschultyp

Staatliche Universität

,1602802

,0107993

Private Universität

,9672938

-,7451321

Staatliche Fachhochschule

-,2036028

,1345217

Private Fachhochschule

,0134213

-,2861520

Studienhintergrund

Rechtwissenschaft

-,0053721

,6040226

Wirtschaftswissenschaften

,1457151

-,0581002

Verwaltungswissenschaft

-,5584622

-,0490674

Sozialund Geisteswissenschaften

-,0554844

-,7354454

MINT-Fächer

-,2411670

,0247946

Berufserfahrung (vorherige Tätigkeit)

An derselben Hochschule

-,1612748

,1111509

An dem für jetzige Hochschule zuständigen Minis-

terium

-,0519588

,2817493

An anderer Einrichtung d. öffentlichen Verwaltung

-,2365261

,3272366

An anderen Einrichtungen d. Wissenschaftssystems

,1546573

,0837035

Privatwirtschaft

,6085505

-,0328694

Quelle: FÖV-Befragung 2008 (N = 153)

  • [1] Bei den folgenden Analysen ist zu beachten, dass die Ergebnisse aufgrund der kleinen Fallzahl und der unterschiedlichen Gruppengrößen als eine Tendenz zu interpretieren sind, zu deren Verifikation eine Untersuchung notwendig wäre, die auf einer größeren Grundgesamtheit basiert
 
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