BADEN? DAS IST DOCH LEBENSGEFÄHRLICH!

Ärzte im 16. Jahrhundert waren davon überzeugt, dass Baden lebensgefährlich war. Denn im warmen Wasser öffneten sich die Poren, wodurch alle möglichen Krankheiten in den Körper eindringen konnten. Zum Beispiel die Pest. Darum hielt man es für schlauer, nie zu baden. Ärzte rieten den Menschen, ihren Körper nur mit einem trockenen Tuch abzuwischen. So bildete sich eine Schmutzschicht - oder eher eine Schmutzkruste - auf dem Körper, die ihn gegen schädliche Eindringlinge schützte. Abends streute man sich Puder auf die Haare, das man dann morgens wieder ausschüttelte. Nur wenn es gar nicht mehr anders ging, durfte man ein bisschen Wasser gebrauchen. Einmal pro Jahr war ein Besuch im Badehaus erlaubt.

Die Kleidung durfte allerdings schon gewaschen werden. In der Oberschicht geschah das mehrmals pro Woche. Die einfachen Leute wechselten ihre Unterwäsche etwa einmal im Monat. Es wird dich nicht überraschen, dass die meisten Menschen mit Läusen und Flöhen zu kämpfen hatten und fürchterlich stanken. In den oberen Klassen überdeckte man den Gestank mit einer großzügigen Parfümwolke.

Adlige trugen weißes Make-up, um sich von den niederen Klassen abzugrenzen. Bauern und Bäuerinnen waren meist braun gebrannt, weil sie so viel auf dem Feld in der Sonne waren. Braune Haut war also der Beweis, dass jemand arbeiten musste. Das Bleichpuder der Wohlhabenden bestand aus Blei, Quecksilber, Eiweiß und Essig. Leider war das Gemisch ziemlich giftig und verursachte furchtbare Narben. Aber auch dafür gab es eine elegante Lösung: Man klebte ein Stern-, mond- oder diamantförmiges Pflaster drauf. Solche Pflaster waren eine Zeitlang richtig hip.

Erst um 1750 erkannten europäische Ärzte, dass Baden und Schrubben nicht gefährlich, sondern nützlich ist. Auf jeden Fall riecht man viel besser!

 
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