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4.1.1 Co-Coaching

Das KOPING-Modell erhält in informellen Lernprozessen einen grundlegend veränderten Charakter, da nicht mehr kooperative, formelle Lernaufgaben im Vordergrund stehen, sondern reale Herausforderungen in der Praxis kollaborativ zu bewältigen sind. Die Lerner verantworten und gestalten ihre kompetenzorientierten Lernprozesse selbstorganisiert, gemeinsam auf „Augenhöhe“ mit Lernpartnern, evtl. unterstützt von Experten oder Mentoren. Deshalb sprechen wir von Co-Coaching [1].

Co-Coaching verstehen wir als eine wechselseitige, überwiegend gleichberechtigte und für die effektive Kompetenzentwicklung der Coaching-Partner förderliche Kollaborationsund Kommunikationsbeziehung.

Diese Form des Coachings ist ein wesentliches Element des E-Learnings der vierten Generation, d. h. der Kompetenzentwicklung mit Blended Learning und Social Software. Sie hat sich als besonders wirksam erwiesen, wenn die Lernpartner eine geringe Kompetenzdistanz aufweisen [2]. Rückmeldungen der Lernpartner gelten vor allem dann als umsetzbar, wenn die Lernpartner als ebenbürtig eingeschätzt werden.

Das Gesamtkonzept des Co-Coachings weist die in Abb. 4.1 dargestellten Aspekte auf.

Der Nutzen des Co-Coachings wird unter folgenden Voraussetzungen optimiert [1]:

• Gegenseitige Sympathie der Partner verringert die mögliche Inkompabilität, verglichen mit einem bezahlten Coach-Client-Verhältnis.

• Der Co-Coach kennt den Partner meist von Anbeginn, Anlaufschwierigkeiten des Kennenlernens entfallen.

• Keiner geht aus den Begegnungen geschwächt, in der Regel aber beide gestärkt,

hervor.

• Aufgrund der intimeren Kenntnis der Umstände und der Lernpartner kann man schnell emotional wirksame Handlungsvorschläge machen.

In der Praxis des Co-Coachings haben sich folgende Vorgehensweisen bewährt [1]:

• Die Lernpartner kommunizieren mit Wertschätzung; die Ziele und Wünsche des Lernpartners, der gecoacht wird, stehen immer im Vordergrund.

Co-Coaching

Abb. 4.1 Co-Coaching im Social Workplace Learning

• Die Lernpartner beginnen mit der Definition und Bewertung zentraler Herausforderungen.

• Phasen des Zuhörens, der gemeinsamen Klärung oder der Entwicklung von Lösungen wechseln ab.

• Bereits vollzogene Lösungsversuche und eventuelle Optionen werden analysiert und weiterentwickelt.

• Die Argumente dafür und dagegen werden sorgfältig personenbezogen abgewogen.

• Die Auswirkungen der vereinbarten Maßnahmen werden regelmäßig überprüft und analysiert.

• Alles Gesprochene ist und bleibt streng vertraulich.

• Die Lernpartner wechseln ihre Rollen.

  • [1] Vgl. Nemko (2012)
  • [2] Wahl (3. erw. Aufl., 2013, S. 223)
  • [3] Vgl. Nemko (2012)
  • [4] Vgl. Nemko (2012)
 
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