< Zurück   INHALT   Weiter >

5.4 Datenauswertung

Alle Interviews wurden von der Autorin selbst durchgeführt und transkribiert. Bei der Transkription wurde darauf geachtet, dass neben dem genauen Wortlaut auch die Art und Weise des Sprechens als auch parasprachliche Elemente (z. B. Räuspern oder Lachen) erfasst wird. Ebenso wurden Hörersignale der Autorin, hauptsächlich „mhm“, in das Transkript aufgenommen. Bei der Auswahl der Transkriptionsregeln wurde auf Mayring (2002) zurückgegriffen, der sich wiederum auf Werner Kallmeyer und Fritz Schütze beruft. Zusätzlich wurden einige für sinnvoll erachtete Analysezeichen von Schütze (1994) übernommen. [1] Alle befragten Personen erhielten Pseudonyme; Ortsangaben sowie Namen von Gemeinschaftsunterkünften oder andere Eigennamen wurden ebenfalls anonymisiert. [2]

Ziel der Auswertung ist es, die Ausprägung der Handlungsfähigkeit der befragten Personen in unterschiedlichen zeitlich-relationalen Kontexten herauszuarbeiten. Ebenso soll in der Auswertung analysiert werden, wie die gegebenenfalls vorhandene Handlungsfähigkeit hergestellt bzw. eingeschränkt wird und welche Ressourcen dem Befragten zur Verfügung stehen und genutzt werden. Das Ergebnis der Interpretation stellt eine fokussierte Falldarstellung und eine zusammenfassende Rekonstruktion der Handlungsfähigkeit der beiden ausführlich analysierten Interviews sowie eine Darstellung von zentralen Dimensionen, die nach der Gegenüberstellung der beiden Interviews mit Einbezug der drei weiteren, identifiziert wurden, dar.

Die Auswertung der Interviews orientierte sich an den Schritten des von Fritz Schütze entwickelten Verfahrens der Narrationsanalyse. Die Entwicklung des narrativen Interviews und dem darauf bezogenen Auswertungsverfahren der Narrationsanalyse fand zunächst nicht in einem biographieanalytischen Zusammenhang statt. Schütze entwickelte die Methoden im Rahmen einer Interaktionsfeldstudie, innerhalb derer kommunale Machtstrukturen erforscht werden sollten (vgl. Przyborski/Wohlrab-Sahr 2010: 218). Schließlich wurden und werden diese Verfahren aber vermehrt in der Biographieforschung angewandt. Die Narrationsanalyse zielt in den meisten Fällen auf die Herausarbeitung von Prozessstrukturen des Lebenslaufes ab. Schütze konnte in seinen bisherigen Arbeiten vier Prozessstrukturen identifizieren: das Konzept der Verlaufskurve beschreibt Phasen des Erleidens und des Verlusts von Handlungskontrolle (vgl. Schütze 1983: 288ff.; Przyborski/Wohlrab-Sahr 2010: 236). Das Konzept des „biographische[n] Handlungsschemas“ (ebd.) hingegen geht von der Möglichkeit und Fähigkeit des Individuums aus, Handlungspläne zu verfolgen (Przyborski/Wohlrab-Sahr 2010: 236). Beim „institutionelle[n] Ablaufmuster der Lebensgeschichte“ (ebd.) orientiert sich der biographische Verlauf an „organisatorischen Erwartungsfahrplänen“ (ebd.). Innerhalb eines „Wandlungsprozess[es]“ (ebd.) geschehen Ereignisse, deren Ursprung in der „Innenwelt“ (ebd.) des Biographieträgers zu finden ist, für diesen überraschend. Bei Betrachtung der unterschiedlichen Prozessstrukturen finden sich eindeutige „agencytheoretische Implikationen“ (Helfferich 2012a: 210), weshalb eine Verwendung der Narrationsanalyse als sinnvoll erachtet wird. Somit dient die Narrationsanalyse als Auswertungsverfahren, um das erhobene Datenmaterial ganz konkret nach aufeinanderfolgenden Schritten zu bearbeiten. Auf inhaltlicher Ebene dient bei der Auswertung das Agency-Konzept als Instrumentarium, da dieses eine differenziertere Herangehensweise in Bezug auf Handlungsfähigkeit erlaubt und dessen interne Struktur erfassen kann. [3]

Wie unter 5.3.4 gezeigt, konnten die Interviews nicht idealtypisch als narrative Interviews durchgeführt werden, was zur Folge das vermehrte Auftreten von teilnarrativen Passagen bzw. extrem kurzen narrativen Passagen hat. Deshalb wurden bei der Auswertung Ansätze weiterer AutorInnen miteinbezogen und nicht streng durchgängig am Verfahren der Narrationsanalyse festgehalten, um damit sinnvoll das vorhandene Datenmaterial unter der gegebenen Fragestellung interpretieren und auswerten zu können.

Zunächst wurde das gesamte Interview mit Blick auf die Interventionen der Autorin kritisch betrachtet. Dabei wurde geprüft, welchen Einfluss die (Nach-)fragen der Autorin auf die Erzählung des Befragten hatten. Die „Interviewereingriffe“ (Küsters 2009: 77) wurden daraufhin untersucht, ob sie ein neues Thema einführen, welches vom Befragten aufgenommen wird oder ob der Befragte nur kurz auf die Frage eingeht, um dann in seiner Darstellung weiter zu verfahren (vgl. ebd.). Die Beobachtungen wurden festgehalten, um sie bei Aussagen über die Erzählstruktur, welche gemäß Schützes Erzähltheorie mit der Struktur der Erfahrung korrespondiert, mit zu berücksichtigen.

Im ersten Schritt der Datenauswertung erfolgte, anlehnend an Schützes formale Textanalyse, eine Sequenzierung der Interviews. Dabei wurden bereits zu Beginn, aufgrund einer unzureichenden Haupterzählung, alle Teile des Interviews berücksichtigt und zu thematischen und inhaltlichen Segmenten geordnet. Innerhalb der unterschiedlichen Darstellungseinheiten, welche zu einem Segment zusammengefasst wurden, behält der Befragte jedoch eine „grundsätzliche Haltung zum Geschehensablauf“ (ebd.: 79) bei. Durch die beschriebene Herangehensweise konnte eine Phasengliederung der Erzählung über die Zeit in Deutschland mit sinnvoll bearbeitbaren Analyseeinheiten hergestellt werden. Innerhalb dieses Auswertungsschrittes wurde ebenso eine Textsortenbestimmung vorgenommen, im Rahmen derer beschreibende und argumentative Passagen herausgearbeitet und zunächst von den narrativen Passagen geschieden wurden. [4] Nach Gabrieles Rosenthals Verfahren der „biographischen Fallrekonstruktion“ (zitiert nach Küsters 2009: 83) muss für ein umfassendes Verständnisses des Falles geklärt werden, warum manche Sachverhalte argumentativ und beschreibend und nicht erzählend wiedergegeben werden, weshalb sie bereits innerhalb der Text-und thematischen Feldanalyse auch nicht-narrative Segmente berücksichtigt (vgl. Küsters 2009: 83f.). Aus der Verwendung und Platzierung von Argumentationen und Beschreibungen lassen sich häufig Erkenntnisse über die Bearbeitung von gewissen Erlebnissen sowie Hintergründe herausarbeiten (vgl. Bamberg 2007: 124). Somit ermöglicht die Textsortenbestimmung die Unterscheidung unterschiedlicher Darstellungszusammenhänge und basiert auf der Annahme, dass Erlebtes nicht nur durch Darstellungsinhalte, sondern vor allem auch durch die Art der Darstellung ausgedrückt wird (vgl. Hermanns 1992: 121). In den vorliegenden Interviewtexten findet sich ein häufiger Wechsel zwischen beschreibenden und narrativen Passagen. Werden diese im Gesamtzusammenhang des Falles betrachtet, wird deutlich, dass diese an manchen Stellen als „biografisch-relevante Bearbeitung“ (Bamberg 2006: 124) der entsprechenden Erfahrung gesehen werden können. Bamberg (2006) bemerkt in seiner Studie über die Erfahrungen von Überlebenden des Konzentrationslagers Theresienstadt, dass identitätsbedrohende und traumatische Ereignisse wie etwa die Trennung von der Familie oft nur in beschreibender Form wiedergeben werden können. [5] In Ausführungen zum narrativen Interview finden sich ebenso bei Glinka (2003) Hinweise auf Gründe, warum manche Lebensphasen in nicht-narrativer Weise wiedergegeben werden. Er spricht dabei unter anderem Ausblendungstendenzen und -mechanismen an. Diese beinhalten, dass die Befragten möglicherweise belastende Erlebnisse nicht systematisch reflexiv bearbeitet haben und dies ein Verdrängen und Vergessen dieser zur Folge hat (vgl. Glinka 2003: 212). [6]

Nach der Sequenzierung des Interviewtextes folgt bei Schütze (1983) der Schritt der strukturellen inhaltlichen Beschreibung. Hierbei werden die einzelnen Segmente detailliert analysiert und deren Funktion für die gesamte Erzählung bestimmt (vgl. Przyborski/Wohlrab-Sahr 2010: 233). Dabei spielt vor allem das Verhältnis zwischen den dargestellten Inhalten und der Art und Perspektive der Darstellung, eine Rolle (vgl. Hermanns 1992: 121). Um dies zu bestimmen, wurde im Rahmen des „expandierenden Paraphrasierens“ (zitiert nach Küsters 2009: 80) Satz für Satz der für relevant erachteten Textpassagen interpretiert und nach unterschiedlichen latenten und manifesten Sinngehalten untersucht (vgl. ebd.). Damit sollte eine Verknüpfung zwischen den erzählten Ereignissen und der Haltung des Befragten dazu, herausgearbeitet werden. Wie bei Schütze wurde versucht, Erzählketten im Sinne von chronologisch miteinander verknüpften Episoden sowie thematische Kreise, welche größere thematische Zusammenhänge beinhalten, zu identifizieren (vgl. Przyborski/Wohlrab-Sahr 2010: 234). [7] Das Ziel der strukturellen inhaltlichen Beschreibung ist bei Schütze die Herausarbeitung der zeitlich begrenzten Prozessstrukturen (vgl. Schütze 1983: 286; Küsters 2009: 81). Um die Frage nach Handlungsfähigkeit von geduldeten Flüchtlingen zu beantworten, wird an dieser Stelle als theoretisches Instrumentarium das Agency-Konzept verwendet. Somit liegt das Ziel der strukturellen Beschreibung in der Herausarbeitung einer in unterschiedlichem Maße ausgeprägten Handlungsfähigkeit im Zusammenhang mit den zeitlich-relationalen Kontexten, in welchen sich die Befragten befinden. Dabei werden die drei unter 3.2.3 vorgestellten empirischen Implikationen von Emirbayer und Mische (1998) berücksichtigt. So wurden die Segmente auf ihre unterschiedlichen zeitlich-relationalen Kontexte hin untersucht (beispielsweise die erste Zeit nach der Ankunft in Deutschland oder das Wohnen in einer Gemeinschaftsunterkunft) und die dort aufzufindenden Handlungen wenn möglich nach ihrer dominanten zeitlichen Orientierung herausgearbeitet. [8] Die beschriebenen Handlungen des Akteurs bzw. reflektierenden Äußerungen über Handlungsentscheidungen und Handlungen wurden im Zuge dessen ausführlich betrachtet, auf ihre Wechselwirkung mit den strukturierenden Kontexten hin untersucht und in einem weiteren Schritt auf ihre Veränderungen im Zusammenhang mit diesen geschaut. Dabei wurden Ressourcen, wie etwa die Sprache oder soziale Beziehungen und individuelle Handlungsdispositionen offengelegt und untersucht, in welchen Kontexten diese zur Erhöhung von Handlungsfähigkeit führen können bzw. wie diese in sozialen Bedingungen zum Tragen kommen. Wie bereits erwähnt wird innerhalb der strukturellen inhaltlichen Beschreibung versucht, die Haltung des Befragten zum Erzählten zu eruieren. Dies dient, anlehnend an Emirbayers und Misches (1998) dritter empirischer Implikation, zur Herausarbeitung der Bewertung und (Selbst-)Reflexion der Handlungsfähigkeit des Befragten in den jeweiligen Situationen und der dadurch potentiellen Veränderung deren.

Lucius-Hoene (2012) nimmt eine Untersuchung von subjektivem Erleben von Handlungsfähigkeit und Wirkmächtigkeit aus der Perspektive von Individuen vor (vgl. ebd.: 41). Innerhalb dieser werden Interviewtexte verstärkt unter dem Gesichtspunkt von sprachlichen Merkmalen in ihrer linguistischen Darstellung untersucht. Diese „Aufmerksamkeitsebene oder Fokussierung innerhalb fallrekonstruktiver, sinnverstehender Verfahren“ (Hoffmann 2012: 186) wurde auch im Rahmen der hier vorliegenden Auswertung vor allem in Bezug auf retrospektive Rekonstruktion und Reflexion der Handlungsfähigkeit als nützlich erachtet. Dabei wurden gemäß Lucius-Hoene (2012) vor allem auf Prädikatsausdrücke geachtet, welche die Autorin in Aktions-, Prozess-, Statusund Qualitätsprädikate differenziert (vgl. ebd.: 49). Damit lässt sich feststellen, ob die Person als aktiv Handelnder in der Situation agiert bzw. sich so wahrnimmt oder ob sich etwas „ohne erkennbare Handlungsträgerschaft“ (ebd.: 50) entwickelt. Zusätzlich wurde durch die Betrachtung von semantischen Rollen nach den TrägerInnen oder VerursacherInnen des Geschehens gefragt. So finden sich in unterschiedlichen Situationen in den Erzählungen der Befragten gehäuft Ich-Konstruktionen (z.B. Razas Schilderungen über seine Zukunftsvorstellungen; vgl. Interview Raza Z. 475ff.) im Gegensatz zu Beschreibungen, in denen die befragte Person sich nur als von einer Handlung betroffenen Objektes sieht (vgl. z.B. die Äußerungen Raza wie er nach der Ankunft in Karlsruhe von „denen“ „genommen“ wurde; vgl. Interview Raza Z. 15). [9] Schließlich wurden die „Träger der Wirkmacht“ (ebd.: 52) genauer betrachtet und nach lebendigen Personen (vgl. z.B. „die Pakistanis“; Interview Raza Z. 228ff.), Institutionen (vgl. z.B. das Sozialsystem; Interview Raza Z. 13), externen Ereignissen (vgl. z.B. Krieg; Interview Nazim Z. 134) oder „höheren Kräften“ (vgl. z.B. Gott; Interview Nazim Z. 171) untersucht. Damit verbunden ist die Feststellung von Verantwortlichkeit oder Intentionalität der jeweiligen Mächte, wodurch sich Rückschlüsse auf die (wahrgenommene) Handlungsfähigkeit der befragten Person ziehen lassen. [10]

An diese eingehende und differenzierte Analyse der einzelnen Segmente schließt bei Schütze der Schritt der analytischen Abstraktion an. Dabei wird das Ergebnis der strukturellen inhaltlichen Beschreibung von den Details der einzelnen dargestellten Kontexte gelöst und miteinander in Beziehung gesetzt (vgl. ebd.: 286). Das Ergebnis ist nicht wie bei Schütze vorgesehen eine biographische Gesamtformung mit einer dominanten Prozessstruktur des Lebenslaufs, sondern in Anbetracht des Untersuchungsgegenstandes eine zusammenfassende Rekonstruktion der Handlungsfähigkeit (vgl. 6.1.2 und 6.2.2). Diese umfasst eine Gesamtdarstellung des untersuchten Falles mit Identifizierung einer dominanten Strategie der (Wieder-)Herstellung bzw. des Versuchs der Herstellung von Handlungsfähigkeit und einer Diskussion der theoretischen Annahmen von Emirbayer und Mische (1998).

Die Wissensanalyse, bei Schütze (1983) ein eigenständiger weiterer Schritt, ist in dieser Arbeit im gesamten Verlauf der Analyse verankert. Dabei wurden fortlaufend (argumentative) Kommentare der Befragten im Gesamtkontext der Erzählung auf ihre „Orientierungs-, Verarbeitungs-, Deutungs-, Selbstdefinitions-, Legitimations-, Ausblendungsund Verdrängungsfunktion“ (ebd.: 287) hin untersucht und dementsprechend interpretiert. Dies ist vor allem im Hinblick auf die retrospektiv konstruierte Handlungsfähigkeit von Bedeutung.

Der nächste Analyseschritt besteht darin, sich vom Einzelfall zu lösen und einen kontrastiven Vergleich der analysierten Fälle vorzunehmen (vgl. Schütze 1983: 287). Anlehnend daran wurden die bei Raza, der hier als am ausführlichsten behandelte Eckfall dient, gefundenen Themen bzw. Kategorien als Referenzkategorien verwendet und Nazims Interview sowie die drei weiteren Interviews auf diese Kategorien untersucht. Ließen sich diese Kategorien in den Interviews ebenfalls erkennen, wurden sie im Rahmen eines minimalen und maximalen Vergleichs aufeinander bezogen (vgl. Küsters 2009: 168). [11] Beim minimalen Vergleich sollen Kategorien verdichtet werden, um sie so von der Besonderheit des Einzelfalls zu lösen (vgl. Schütze 1983: 287). Die zwei ausführlich dargestellten Interviews wurden ausgewählt, da sie eine gewisse Bandbreite bezüglich Handlungsfähigkeit während der Duldung aufzeigen. So wurden vor allem diese zwei im Rahmen eines maximalen Vergleiches kontrastiert. Dieser hat die Funktion, „die in Rede stehenden theoretischen Kategorien mit gegensätzlichen Kategorien zu konfrontieren“ (ebd.: 288). Damit sollen alternative Formen von Handlungsfähigkeit herausgearbeitet werden. Die drei weiteren Interviews wurden nach einer ersten Interpretation dieser unterstützend hinzugezogen, wurden jedoch nicht in der gleichen Tiefe wie die zwei vorigen behandelt. Aufgrund des vorhandenen Datenmaterials, welches keine theoretische Sättigung erlaubt, wurde sich gegen eine mögliche Typenbildung bzw. der Konstruktion eines theoretischen Modells wie bei Schütze (vgl. ebd.: 288) als Ergebnis des Fallvergleiches entschieden. Es soll vielmehr das in den Interviews vorzufindende Spektrum der jeweiligen zentralen Dimensionen von Handlungsfähigkeit, losgelöst von den einzelnen Fällen, aufgezeigt werden. Die identifizierten Dimensionen repräsentieren dabei zentrale Bereiche im Leben der Befragten, die hinsichtlich ihrer Handlungsfähigkeit zu betrachten sind, um Prozesse der Einschränkung und Herstellung von Handlungsfähigkeit zu verstehen. Damit wird versucht, „die Fallstrukturen in ihrer Varianz zu unterscheiden und zu einem Bild zu ordnen“ (Küsters 2009: 169).

  • [1] Die Darstellung der Transkriptionsregeln findet sich im Anhang unter I.
  • [2] Eine Ausnahme bildet die Erwähnung der Stadt Karlsruhe, in welcher sich die baden-württembergische Erstaufnahmeeinrichtung befindet. Da alle Flüchtlinge, die nach einer Quote BadenWürttemberg zugeteilt werden (vgl. 2.2.2.1), anfangs dort unterkommen, führt eine Verwendung des korrekten Städtenamens nicht zu einer Rekonstruktion der Identität der Befragten.
  • [3] Zu einer Verbindung von Schützes Prozessstrukturen und einer Agency-Analyse siehe Helfferich (2013).
  • [4] Als Beispiel kann hier die im Interview von Raza vorzufindende längere beschreibende Passage über das pakistanische Gesundheitssystem, den Straßenverkehr sowie die Organisation von Terminen in Pakistan, aufgeführt werden.
  • [5] Raza merkt in seiner Erzählung an, dass er seine „Vergangenheit (…) fast vergessen“ (Interview Raza, Z. 281f.) hat und spezifiziert das vor allem auf die Zeit in der Gemeinschaftsunterkunft. Diese Aussage ist im Zusammenhang mit der hauptsächlich beschreibenden Schilderung über das Leben in einer Gemeinschaftsunterkunft von Raza bedeutsam und kann als eine Erklärung für diesen Umstand hinzugezogen werden.
  • [6] Raza erzählt erst auf Nachfrage explizit über die Situation, eine Duldung zu haben. Dies geschieht vorwiegend in einer beschreibenden Art. Mit der Anmerkung, dass es „die schlimmste Zeit (…) als Asylbewerber“ (Interview Raza, Z. 401) ist, können möglicherweise genannte Gründe dafür verantwortlich gemacht werden.
  • [7] vgl. z.B. das Thema „Hoffnung auf ein besseres Leben“ bei Nazim, was als thematischer Kreis angesehen werden kann, in welchen wiederum Erzählketten eingeordnet sind.
  • [8] Es war nicht immer möglich, anhand des vorhandenen Datenmaterials eindeutige Rückschlüsse über eine dominierende zeitliche Orientierung in der Handlung(-sentscheidung) zu ziehen.
  • [9] Für eine Auflistung der einzelnen semantischen Rollen vgl. Lucius-Hoene (2012): 51.
  • [10] Bei diesen sprachlichen Überlegungen wurde stets berücksichtigt, dass Deutsch nicht die Muttersprache der Befragten ist und deshalb manche Äußerungen auf Sprachschwierigkeiten zurückgeführt werden müssen und dabei keine „Überinterpretation“ stattfinden darf. Bei der genauen Analyse der Interviews konnten jedoch einige Sprachmuster sowie aufgrund von Sprachschwierigkeiten wiederholte Satzkonstruktionen identifiziert werden, sodass Äußerungen bezüglich der Herausarbeitung von Handlungsfähigkeit vor diesem Hintergrund entsprechend eingeordnet und interpretiert werden konnten.
  • [11] Da die Befragten im Rahmen des narrativen Interviews ihre eigene Relevanzsetzung vornehmen konnten, findet sich nicht bei allen z.B. die Erwähnung der Religion, sodass diese Kategorie nicht innerhalb aller Fälle verglichen werden kann. Schlussendlich beschränken sich die verglichenen und hier dargestellten Dimensionen auf drei zentrale.
 
< Zurück   INHALT   Weiter >