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6 Fallstudien

Nach Darstellung der methodischen Vorgehensweise mithilfe derer Transparenz bezüglich der Auswertung und Interpretation der Interviews hergestellt wurde, finden sich im folgenden Kapitel die empirischen Ergebnisse. Zunächst werden die ausführlich analysierten Interviews, die mit Raza und Nazim geführt wurden, dargestellt (vgl. 6.1 und 6.2). Dabei wird einerseits aus einer Mikroperspektive Einblick in das Leben geduldeter Flüchtlingen bzw. der zwei Befragten gegeben. Andererseits wird die vorgenommene Empirisierung des Agency-Konzeptes ersichtlich. Die Falldarstellung beinhaltet einerseits eine zusammenfassende und fokussierte Wiedergabe der übermittelten Inhalte. Dabei werden die unter 2.2 ausführlich beschriebenen Rahmenbedingungen der Duldung konkretisiert und am Einzelfall veranschaulicht. Gleichzeitig wird vor dem Hintergrund der oben beschriebenen Überlegungen zum narrativen Interview, Bezug auf die Darstellungsweise der Inhalte genommen, um postulierte Erkenntnisse zu plausibilisieren. Nach Emirbayer und Mische (1998) muss Agency und deren Ausprägung analytisch getrennt, aber im Zusammenhang mit einzelnen Kontexten gesehen werden. Indem an dieser Stelle die Gesamterzählung in Kontexte bzw. Themenbereiche unterteilt wurde, wird dieser Überlegung von Emirbayer und Mische (1998) Rechnung getragen. Es wird, wie ebenfalls bei den AutorInnen zu finden, nach der Art und Weise, dem „Wie“, der Herstellung von Handlungsfähigkeit und den dazugehörigen Ressourcen, geschaut (vgl. 6.1.1 und 6.2.1).

Die Falldarstellung von Raza wird an dieser Stelle detaillierter als die Falldarstellung von Nazim vorgenommen. Razas Erzählung dient in der Arbeit als Eckfall, der ausführlich interpretiert wurde und anhand dessen weitere Interviewpartner ausgewählt wurden bzw. relevante Punkte für die weitere Vorgehensweise gewonnen wurden. Zugleich soll anhand der detaillierten Ausführung Transparenz bezüglich des Interpretationsvorganges, der ebenso bei dem folgenden Interview stattfand, gegeben werden, um somit Ergebnisse zu legitimieren und begründen. Dabei werden unter anderem auf beschriebene sprachliche Besonderheiten und auffällige Satzkonstruktionen näher eingegangen.

Nach einer detaillierten Falldarstellung schließt sich eine zusammenfassende Ausführung der Handlungsfähigkeit dar (vgl. 6.1.2 und 6.2.2). Dabei werden Erkenntnisse, die vor dem Hintergrund des Agency-Konzeptes gewonnen warden konnten, hinsichtlich eines Gesamtporträts zusammengeführt. Zunächst wird dabei eine im Interview identifizierte dominante „Grundfigur“ bezüglich der Herstellung von Handlungsfähigkeit dargestellt. Daran schließt sich eine Darstellung an, die sich an den drei unter 3.2.3 erwähnten Implikationen von Emirbayer und Mische (1998) orientiert. Es werden explizit Begrifflichkeiten und Postulate aus deren Konzeption aufgegriffen und am Fall konkretisiert. [1]

  • [1] Zu Gunsten einer besseren Lesbarkeit und Übersicht wurden die Passagen mit Hinweisen auf die entsprechenden Fragen von Emirbayer und Mische (1998) versehen. Dabei wird immer Bezug auf die unter 3.2.3 vorgestellten Fragen genommen. Außerdem wurden wichtige Begrifflichkeiten aus der Theorie kursiv gesetzt.
 
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