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6.2 Nazim aus dem Kosovo

Nazim ist ein 19-jähriger Roma und stammt aus dem Kosovo, wo er bis zu seiner Flucht mit seiner Familie ca. 30 km von der Stadt Pristina lebte. Er ist seit 2010 in Deutschland und ist seinen Aussagen zufolge mit seinen Eltern und seiner jüngeren Schwester von den Folgen des Krieges im Kosovo geflohen. Zudem gehört er der Minderheit der Roma an, welche im Kosovo unter massiver sozialer Ungleichheit und Diskriminierung zu leiden haben (vgl. Narr/Scherr 2013: 7). Nach einer kurzen Zwischenstation in Serbien ist die Familie nach Deutschland gekommen. Die anderen Familienmitglieder haben aufgrund der schweren Erkrankung des Vaters inzwischen eine Aufenthaltserlaubnis. Da Nazim zum Zeitpunkt der Erteilung der Aufenthaltserlaubnis schon über 18 Jahre alt ist, wurde er gesondert behandelt und besitzt als einziger in seiner Familie noch immer eine Duldung. Er wohnt mit seiner Familie im Wohnheim B. Im August 2014 erhielt er einen Abschiebungsbescheid. Zum Zeitpunkt des Interviews (Oktober 2010) befindet sich Nazim auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz, in der Hoffnung dadurch eine Aufenthaltserlaubnis zu bekommen. Im November des gleichen Jahres sollte seine Abschiebung vollzogen werden, woraufhin Nazim untertaucht. [1]

6.2.1 Fokussierte Falldarstellung

Die Auswertung der Erzählung von Nazim ergab fünf relevante Gliederungspunkte, anhand denen ein Einblick in Nazims Leben in Deutschland mit einem Fokus auf seine derzeitige Situation[2] gewährt wird und mithilfe derer Aussagen über die Handlungsfähigkeit des Befragten getroffen werden können.

  • [1] Im Januar 2015 trifft die Autorin Nazim noch einmal. Er erzählt ihr, dass er einen neuen Asylantrag in Karlsruhe gestellt hat und nun weiter auf Ausbildungsbzw. Arbeitssuche ist, um die Möglichkeit auf ein Bleiberecht zu erhalten.
  • [2] Nazim erschien der Autorin sowohl im Vorgespräch als auch beim Interview selbst als sehr angespannt und vereinnahmt durch aktuelle Probleme, sodass er während der Erzählung immer wieder auf diese zu sprechen kam und sich damit keine chronologische Erzählweise einstellen konnte.
 
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