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6.2.1.5 Der Wunsch nach einem „besseren Leben“ in der Zukunft

Nazims Leben ist geprägt von der Hoffnung auf ein besseres Leben und gleichzeitig einer mehrmaligen Enttäuschung derer. So flieht er mit seiner Familie aus dem Kosovo, wo man, wie er erzählt, aufgrund von Krieg und Katastrophen nicht leben kann und daher das Leben von mangelnden Ressourcen und Perspektivlosigkeit geprägt ist (vgl. Z. 110: „wo sollen wir gehen jetzt (?) (…)Wir haben kein Haus wir haben .. gar nichts zu tun, Geld.“). Er hofft, in Deutschland ein „besseres Leben“ führen zu können (vgl. Z. 114ff.: „deswegen versucht man (…) zu werden besser (…) zu leben“), was konkret ein Haus, wie sie es im Kosovo verloren haben, einen sicheren Ort, an dem der Vater seine Krankheit in Ruhe auskurieren kann sowie gesteigerte finanzielle Ressourcen bedeutet. In Deutschland erfüllt sich diese Hoffnung zunächst nicht: Die Familie kommt nicht in einem Haus, sondern in einem Zimmer in einer Gemeinschaftsunterkunft unter, in welcher der Vater die erforderliche Ruhe nicht findet. Aufgrund der beschränkten finanziellen Zuwendungen die sich aus dem Status der Duldung ergeben, hat die Familie auch in Deutschland wenig Geld, was sich unter anderem auf eine erwünschte und geplante Heirat Nazims auswirkt. In Deutschland sind es zwar keine kriegerischen Auseinandersetzungen und das Leben am absoluten Existenzminimum unter Erfahrung von massiven Diskriminierungen, doch ein unsicherer Aufenthaltsstatus mit der ständigen Möglichkeit einer Abschiebung, verhindert auch hier eine dauerhafte Perspektive in Sicherheit. Unter diesen Umständen hofft Nazim auch in Deutschland erneut auf ein besseres Leben in Zukunft (vgl. Z. 151). Dabei sieht er sich vor allem mit einer Arbeit, einer eigenen Wohnung und einer eigenen Familie. Das Leben in Deutschland erscheint für Nazim als auch für seine Familie in den oben genannten Bereichen fast wie eine Analogie des Lebens im Kosovo. Diese gipfelt in Nazims Weggehen aus Stadt B, die er aufgrund seiner drohenden Abschiebung verlassen muss. Damit verliert der Vater nach seinem ältesten Sohn, den er im Krieg in Kosovo verloren hat, zumindest für einen gewissen Zeitraum, auch seinen zweiten Sohn. Nazim erlebt durch die zweite erzwungene „Flucht“ eine weitere Enttäuschung und einen Rückschlag in der Hoffnung auf ein besseres Leben.

 
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