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II. Interviewprotokoll Raza

Datum und Uhrzeit: 01.10.2014; 19 Uhr

Ort: Wohnzimmer der Wohnung der Autorin

Kontaktaufnahme

- Bekanntschaft über gemeinsame Freunde. Deshalb bereits einige Male bei Geburtstagen oder ähnlichen Anlässen getroffen und hin und wieder miteinander geredet

- Bereits Anfang August zufällig auf der Straße getroffen und nach allgemeiner Interviewbereitschaft gefragt, welcher Raza sofort zustimmte („mache ich gerne, melde dich einfach, ich habe immer Zeit“)

Beobachtete Verfassung des Befragten

- Entspannt, da er einen freien Tag hatte und mit seinem Bruder Minigolf spielen war

- Während Interview gewisse Anspannung, oft auf den roten Knopf des Aufnahmegerätes geschaut, oft geräuspert

Interaktionsverhalten zwischen Interviewerin und Befragtem

- Vor dem Interview zeigte Raza Bilder von seiner Hochzeit die zwei Wochen vorher stattfand, erzählte von seiner bevorstehenden Deutschprüfung am nächsten Tag und fragte die Interviewerin nach dem Fortschritt ihrer Masterarbeit und ihrem generellen Befinden → Situation wie zwischen Freunden, die sich treffen und sich erzählen wie es ihnen geht und was sie in letzter Zeit gemacht haben

- Gefühl, dass er nach dem Ausschalten des Tonbandgerätes „ehrlicher“ war,

authentischer, mehr von Sorgen und Ängsten erzählt

- Er betonte dass ihm eine Anonymisierung egal sei, seine Frau für ihr Studium ebenfalls schon ein Interview mit ihm durchgeführt habe und er damit kein Problem hat

- Insgesamt sehr nette Atmosphäre, vor allem nach dem Interview viel gemeinsam gelacht

Während dem Interview

- Sprachliche Auffälligkeiten:

o Präsens und Vergangenheit hin und wieder verwechselt

o Am Ende schlechter gesprochen → sichtliche Anstrengung,

Müdigkeit

- Vor allem während Erzählung über Duldung und Wohnheim sehr nachdenklich gesprochen

Nach dem Interview

- Lockerere Erzählung als mit dem Aufnahmegerät

- Bedankte sich mehrmals bei Interviewerin und bot an, weitere Interviewpartner zu finden

- Erwähnte dass ihm die Art des Interviews fremd war und er es besser findet, wenn man mehr Fragen stellt auf die er antworten kann

- Erzählte von religiöser Gruppe der Ahmadi in Pakistan

- Politisch engagierter Onkel, welcher in der Oppositionspartei tätig ist. Raza begleitete ihn oft bei seinem politischen Engagement und hat deshalb

„Probleme“ in Pakistan gehabt.

- Er erzählte, dass der Grund für den Erhalt der Duldung war, dass er keine Zeugnisse hatte und sich nicht ausweisen konnte. Davon erzählte er seiner Familie in Pakistan nichts, weil er nicht wollte dass diese sich Sorgen machen.

- Lange Zeit hatte er sehr viel Angst. Vor allem als er dann Verlobte kennengelernt hat. Er war verliebt und hatte Angst, gehen zu müssen, da er bereits eine Abschiebungsandrohung erhielt. Aber er wollte auch nicht mit seiner Verlobten nach Pakistan, weil in Pakistan „Dinge nicht gut“ sondern „stressig“ und „traurig“ sind

- Erzählte von seinen ersten Tag in Deutschland und dass es eine „lustige“ Geschichte ist. Dann erzählte er wie er mit seinem Freund, mit dem er geflüchtet ist, in Berlin mit lediglich 10 Euro und zwei Wörtern auf Englisch, nämlich „Money change“ ankam und dann mithilfe einer Telefonzelle seinen Onkel in Stuttgart erreichen konnte → „Ich war schon nervös aber irgendwie klappt es immer“

- Erzählte über Frauenbild in Pakistan: Frauen die dort studiert haben, arbeiten nicht, weil ihre Männer das nicht wollen. Er findet das gut und hat das auch seinem in Pakistan lebenden Bruder gesagt.

- Über Verkehr in Pakistan geredet. Viele junge Leute fahren Motorroller obwohl sie noch Kinder sind und keinen Führerschein haben, was sehr gefährlich ist. Deshalb findet er den Verkehr mit Verkehrsregeln in Deutschland viel besser.

- Er meint, dass in Pakistan Leute viele Sachen nicht beachten, z.B. passen viele wenn sie krank sind nicht auf und stecken andere Leute an. Auch das findet Raza in Deutschland besser.

- Er hat lange über seine Arbeit geredet. Kommt sehr gut mit Kollegen aus, mit dem Chef dahingegen eher nicht so. Dieser gibt ihm keinen Urlaub,obwohl Raza sehr viel arbeitet, was der Chef ihm zufolge jedoch nicht sieht. Deshalb will er Arbeitsstelle wechseln. Betonte dass er seine Arbeitsstellen in Deutschland nur wegen Umzug und sonst nicht gewechselt hat.

Er würde gerne eine Kochausbildung machen, obwohl er schon oft in Küchen gearbeitet hat und gut kochen kann, weiß er, dass man in Deutschland

„Zertifikate“ haben muss. Sein Traum ist ein eigenes kleines Restaurant.

 
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