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III. Interviewprotokoll Nazim

Datum und Uhrzeit: 13.10.2014; 11 Uhr

Ort: Bibliothek Wohnheim B

Kontaktaufnahme

- Vorschlag von der in Wohnheim B arbeitenden Sozialpädagogin auf die Frage nach potentiellen passenden Interviewpartnern

- Mit der Sozialpädagogin Nazim „zuhause“ (im Zimmer, das er sich mit Rest seiner Familie teilt) besucht und gefragt, dieser stimmte gleich zu, hätte das Interview auch sofort gemacht

- hat gleich erzählt, dass er gerade „viel Stress“ hat weil er Arbeit bzw. Aus-

bildung finden muss

Beobachtete Verfassung des Befragten

- sehr gestresst und unruhig

- hat oft nervös im Raum umhergeschaut und mit seinen Händen gespielt

- machte einen traurigen und niedergeschlagenen, teilweise verzweifelten Eindruck

Interaktionsverhalten zwischen Autorin und Befragtem

- sehr höflich (immer gesiezt obwohl das Du angeboten)

- hatte das Gefühl dass er sehr ehrlich war und sich freute, dass ihm jemand zuhört (mehrmals bedankt)

Während dem Interview

- Sprachliche Auffälligkeiten:

o Manche Wörter falsch ausgesprochen (Liebe=Leben)

o Teilweise sehr schwer verständlich (öfters genuschelt und schnell geredet)

o Sehr häufig hat er Sätze nicht zu Ende geführt, sondern ist nach angefangenem Satz/Gedanke zu anderem Thema gesprungen

o Sehr „emotionale“ Sprache: sehr starke Betonung bei Sachen

die ihn sehr betreffen

- Kaum Beachtung des Aufnahmegeräts

Nach dem Interview

- hat sich mehrmals für das Interview bedankt

- als Interviewerin Ratte draußen auf dem Hof entdeckte, erzählte er nochmal viel über das Leben im Wohnheim:

o mit vielen BewohnerInnen hat er kein Problem, aber mit Serben teilweise schon und vor allem mit den Kurden, mit denen sie sich eine Wohnungseinheit teilen, da diese Schweinefleisch in der gemeinsamen Küche essen und kochen und seine Familie dies als Muslime nicht möchte; außerdem sind sie sehr laut und respektieren nicht die Krankheit des Vaters

o „Hier lebt man wie Schwein“, will wie „Normaler“ leben

o „Hier kann man nicht leben“

o Wegen Freunden, die er im Wohnheim hat, würde er gerne da bleiben, aber es ist generell zu laut und zu viele Menschen

o Man kann keine Freundin mit nach Hause bringen, die würde direkt wieder gehen (schlägt Hände über dem Kopf zusammen)

o Er würde gerne Fotos von dem ganzen Müll, der auf dem Hof des Wohnheims liegt, machen und es der Stadt schicken

- Vor zwei Monaten hat er Abschiebungsbescheid bekommen: weiß nicht wo er hin soll im Kosovo wenn er zurück muss, hat dort schon noch Familie, aber ist jetzt hier in Deutschland zur Schule gegangen und hat hier Freunde

- Im Gericht haben sie sich trotzdem sehr gefreut, als Rest der Familie Aufenthaltserlaubnis erhalten haben

- Krieg im Kosovo 1999: er war da sechs, „kann man nicht leben im Krieg“,

sonst hätte er nie gedacht, dass sie nach Deutschland kommen weil sie

„großes Haus“ in der Nähe von Pristina hatten; Vater war damals schon

krank

- Er will „besser werden“ in Deutschland: wenn er jemand besser Deutsch

sprechen hört dann denkt er sich, dass er auch besser werden will

- Hat viel und oft Angst, auch hier im Heim, weil „viel Polizei“ da ist

 
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