Zählendes Rechnen

Zählende Vorgehensweisen bei der Bearbeitung von Mathematikaufgaben können in der Primarstufe häufig beobachtet werden. Dabei gilt zählendes Rechnen sowohl als elementarer Zugang zur Mathematik als auch als Symptom für grundlegende Schwierigkeiten beim Mathematiklernen. Vom verfestigten zählenden Rechnen wird gesprochen, wenn die Kinder am Ende des ersten Schuljahres und darüber hinaus zählende Strategien häufig bei der Lösung von Additionsund Subtraktionsaufgaben verwenden (Schipper, 2002). Die Kinder scheinen keine weiterführenden Strategien zu entwickeln, sondern „in die "Sackgasse" des sich immer mehr verfestigenden zählenden Rechens geraten zu sein“ (Lorenz & Radatz, 1993; Scherer & Moser Opitz, 2010).

Nahezu alle Grundschüler mit Lernschwierigkeiten im Mathematikunterricht werden im Laufe des ersten Schuljahres zählende Rechner, sie verfestigen diese Strategie, und ohne individuelle Förderung blieben sie mehrere Schuljahre "Zähler". Es handelt sich hier ganz offensichtlich um einen sehr zentralen Aspekt des Phänomens

"Rechenschwäche"“ (Lorenz & Radatz, 1993, S. 116).

Das Zitat von Lorenz und Radatz ist prototypisch für den in vielen Publikationen zu findenden Zusammenhang zwischen zählendem Rechnen und Schwierigkeiten beim Mathematiklernen (Gerster & Schultz, 2004; Scherer & Moser Opitz, 2010; Schipper, 2002). Dabei wird zählendes Rechnen als „Symptom“ (Schipper, 2002, S. 250) oder „zentraler Aspekt“ (Lorenz & Radatz, 1993, S. 116) von (mathematischer) Lernschwäche beschrieben.

Um sich den Chancen und Gefahren des zählenden Rechnens zu nähern, werden im Folgenden zunächst das Zählen und das zählende Rechnen als entwicklungsgemäßer Zugang zur Mathematik dargestellt. Die Risiken des verfestigt zählenden Rechnens und Möglichkeiten zur Ablösung sind Schwerpunkt der Erörterungen im zweiten Teil des Kapitels.

 
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