Design der vorliegenden, qualitativen Untersuchung

In Rahmen der qualitativen Untersuchung soll die Frage beantwortet werden, welche struktur-fokussierenden Deutungen der zählend rechnenden Kinder in der Interaktion rekonstruiert werden können (vgl. 4.1 & 4.2.2).

Mit Hilfe der Daten der quantitativen Studie wurden fünf zählend rechnende Kinder ausgewählt. Drei dieser Kinder besuchten die zweite Klasse der Grundschule als Regelschulkinder, bei einem Kind war sonderpädagogischer Förderbedarf im Lernen diagnostiziert und es besuchte die zweite Klasse einer Grundschule mit Gemeinsamem Unterricht. Ein weiteres Kind stammte aus einer vierten Klasse einer Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Lernen. Als Partnerkinder für die zählend rechnenden Kinder wählten die Lehrkräfte jeweils ein Kind aus, das deutlich bessere Leistungen in Mathematik aufwies, ohne zugleich zu den leistungsstärksten Kindern der Klasse zu zählen. Die Paare blieben nach Möglichkeit während der gesamten ZebrA-Förderung stabil. Je eine der beiden Einheiten der Förderbausteine wurde bei allen fünf Kinderpaaren videographiert (insgesamt zehn Einheiten pro Paar).

Gemäß den Schritten der systematisch-extentionalen Interpretation wurden zu den aufgenommenen Fördereinheiten Transkripte [1] erstellt und diese in der vorgeschlagenen Abfolge in einem interpretativen Forschungskreis [2] analysiert. In dieser Arbeit werden die wahrscheinlich zutreffenden Deutungshypothesen dargestellt, zum Teil mit Rückgriff auf die extensive Interpretation, sowie die vergleichende Analyse zu ähnlichen Teilen des Transkripts und zu anderen Episoden.

Dabei werden die Deutungen der Kinder aus drei Schwerpunkten betrachtet.

(1) Die Interaktion zwischen den Kindern wird dahingehend untersucht, inwiefern die Aushandlungen von Deutungen zu einer Erweiterung der Perspektiven bei den zählend rechnenden Kindern und ihrer Partner führt und welche Anlässe für Deutungsdifferenzen ausgemacht werden können (Kap. 6).

(2) In der Querschnittperspektive wird zu ausgewählten Bausteinen analysiert, ob und wenn ja welche typischen Deutungen zählend rechnende Kinder zeigen und inwieweit diese durch alternative Deutungen der Partnerkinder bzw. durch Anregungen der Lehrkraft erweitert werden können (vgl. Kap. 7).

(3) Längsschnittlich wird die Entwicklung von zählend rechnenden Kindern betrachtet, und untersucht ob und wenn ja welcher Zusammenhang zwischen einer Ablösung vom zählenden Rechnen und dem strukturfokussierenden Erkennen und Nutzen mathematischer Zusammenhänge zu erkennen ist (vgl. Kap. 8).

Neben diesem rekonstruktiven Forschungsinteresse, welchem durch die Analysen begegnet werden soll, wird die Konstruktion der Bausteine als Forschungsleistung angesehen (vgl. 4.2.1). Im Folgenden werden deshalb zunächst exemplarisch die entwickelten Lernumgebungen dargestellt und die umgesetzten Prinzipien exemplarisch erläutert sowie die konstruktiven Fragen beantwortet (Kap. 5). Im Anschluss werden die rekonstruktiven Fragestellungen in drei aufeinander bezogenen Kapiteln beantwortet, in denen jeweils eine Fragenstellung im Mittelpunkt steht.

  • [1] Die Transkripte finden sich in Auszügen in den Kapitel 6-8. Die vollständigen Transkripte können bei der Autorin eingesehen werden
  • [2] Mathematikdidaktikerinnen und –didaktiker des IEEM
 
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